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The Ghost Inside: Ein Kommentar zum Rauswurf von Jim Riley

Unser Julian über womöglich verpasste Chancen.

VON AM 08/06/2020

Rückblickend auf diese Woche fällt mir nur ein Wort ein: Chaos. Chaos auf der gesundheitlichen Ebene; Corona hat unseren Alltag in jeglicher Hinsicht zerpflückt und viele Menschen sind unsicher, wie sie damit weiter umgehen sollen. Chaos auf der politischen Ebene; George Floyd ist vor zwei Wochen das Opfer von exzessiver Polizeigewalt geworden und Amerika erlebt einen unvergleichlichen Ausnahmezustand im Rahmen des „Black Lives Matter“-Movements. Chaos auf der künstlerischen und musikalischen Ebene; das von unfassbar vielen Fans heiß erwartete Comeback der Band The Ghost Inside wird von einem Skandal überschattet, dessen Konsequenz der Rauschmiss von Bassist Jim Riley ist.

Den Verlauf könnt ihr euch jetzt unter dieser Adresse noch einmal anschauen, denn ich steige direkt ein.

Zurecht kann man hier davon sprechen, dass die Beleidigungen viel zu weit gingen. Zurecht kann man jedoch auch sagen, dass Jim Riley den Shitstorm verdient hat, denn er hat die Anschuldigungen immerhin zugegeben. Aber als Antwort Rashod Jackson mit seinen eigenen auch sehr fragwürdigen Tweets zu diskreditieren, machen die Aussagen des TGI-Bassisten weder weniger „offensive“, noch in irgendeiner Art unglaubwürdig.

Den Spruch „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ ist hier einfach unpassend, weil es hier nicht um eine Entscheidung im Plenum geht. Hier geht es darum, dass rassistische Sprüche gedeckt worden sind und eine Band entscheiden muss, wie sie damit umgeht.

Haben The Ghost Inside wirklich richtig entschieden?

Ich vermisse in der Diskussion ein wenig Zurückhaltung. Hat das Umfeld das Recht, den Ankläger, die Geschworenen und den Richter zu ersetzen?

Mir fällt es unfassbar schwer, mir ein Bild zu dem Geschehen zu machen, vielleicht auch gerade deshalb, weil ich als weißer Mensch in Europa definitiv nicht die Erfahrungen gemacht habe, die sich so oft in den Medien in Amerika zeigen.

Aber was kam denn nun als Antwort? Eine Entschuldigung und der Rausschmiss. Hat die Band noch vor Kurzem in einem Interview der Kollegen von FUZE erzählt, dass die aktuelle Besetzung das Fundament des neuen Albums sei, wirkt das jetzt wie Hohn und Spott. Keine Chance zur Rehabilitation, kein gemeinsamer Weg zur Besserung und vor allem: Keine Lösung!

Ich bin, auch durch meinen beruflichen Werdegang, fest davon überzeugt, dass Menschen lernen können und dass das im Dialog passieren muss.

Dass Drohungen wie die von Jackson, dass die Band niemals wieder Shows mit Riley spielen sollten, nicht gerade förderlich sind, um das Thema BLM weiterzubringen, versteht sich von selbst.

Ich bin enttäuscht, dass so ein wichtiges Thema so armselig behandelt worden ist.

Ich würde mir wünschen, dass die Wut und der Zorn über die Ungerechtigkeit an die gerichtet werden sollte, die systematisch die Unterdrückung von Minderheiten unterstützen. Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Menschen, die diese Erniedrigungen erleben, sie sofort anprangern und auch mehr dabei unterstützt werden.

Ich würde mir aber auch mehr Verständnis für diejenigen wünschen, die vielleicht noch nicht so reflektiert sind. Aber da liegt meine Hoffnung immer in dem kleinen Wort „noch“.

Bild: The Ghost Inside / Offizielles Pressebild

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