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Five Finger Death Punch feiern mit “AfterLife” ihre Wiedergeburt

Eine Kritik zum neuen Album mit Kommentaren von Gitarrist Zoltán Báthory.

VON AM 15/08/2022

Sie waren ja nie wirklich weg. Dennoch bringen Five Finger Death Punch mit ihrem neuen Album „AfterLife“ eine Platte an den Start, die nach Comeback riecht. Wir haben nicht nur in die Platte reingehört, sondern uns auch auf dem Download Festival mit Gitarrist Zoltán Báthory über die Thematik des Albums, Musikvideos, eine Tour und das deutsche Fantum gesprochen.

Die letzten drei Jahre waren auch für die amerikanische Groove-Metal-Band Five Finger Death Punch nicht einfach: Pandemie, Member-Wechsel usw. Doch wie wir mittlerweile wissen, machen Zwangspausen gerade Metaller kreativ und bringen neue Alben hervor, die zumal emotionaler, kreativer und auch vielfältiger ausfallen. So ungefähr lief das wohl auch in den Studios von FFDP ab, wie Zoltán Báthory erwähnt:

“Some of the reasons were, we had a couple of lineup changes and it’s a new life for the band and it’s an afterlife of whatever happened before. It feels like it’s a new band. It’s like a new energy, you know? The band is in a really good mental state. And we went to the studio, recorded this album with that mental status. That’s one thing. The second thing is, is after life, after this global event.”

Ihr neues Album „AfterLife“ erscheint am 19. August 2022 über Better Noise Music und markiert den neunten Longplayer der seit 2005 bestehenden US-amerikanischen Band. Ganze zwölf Tracks sind darauf zusammengekommen, die zwar einen modernen Touch und Vibe versprühen, dennoch dem typischen Five Finger Death Punch-Signature-Sound zuzuordnen sind. Daraus sind vier Tracks bereits erschienen: Der Titeltrack „AfterLife“, „Welcome To The Circus“, „IOU“ und zuletzt die etwas ruhigere Nummer „Times Like These“.

FiveFinger Death Punch: So klingt das neue Album AfterLife

„Welcome To The Circus“ stellt den Opener des Albums dar und verspricht bereits so einiges. Das psychotische Zirkus-Intro, der walzende Sound der Strophen zusammen mit der mitsingbaren Melodik der Lines im Refrain bilden einen fetten memorablen Sound, der in die Thematik der Platte einführt. Zoltán versteht übrigens folgendes unter dem hier besungenen Zirkus:

“When I heard the song, I immediately thought of social media. I immediately thought how social media and the behavior of social media perverted the world into different behavior that is detrimental in some way and ridiculous in many ways.

When the lyrics goes that „you have to kill somebody to treat somebody“. What does that mean? It means that you have people living their life digitally. Now, social media is more important to them than real life, you know, and and it’s getting kind of ridiculous when you have to do extreme things to get your attention and people are addicted to that attention. It’s like a digital dopamine.”

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“If you look at the lyric video, there is like a giant eyeball rolling down, mowing down and flattening the clouds because this became a kind of world. Everybody’s pretending to be somebody that they’re not. Everybody’s putting on a mask and project how they want to be seen by the world. And most of the time it has nothing to do with reality.”


Zoltán Báthory auf dem Download Festival 2022
Foto im Auftrag für MoreCore.de: Jennifer Ehlers (jennasphotoworld)

Zoltán weist aber auch daraufhin, dass er die Lyrics nicht geschrieben hat, sondern natürlich Sänger Ivan Moody. Und der scheint kein Fan von offiziellen Bedeutungen zu sein:

„When you ask Ivan, what he wrote about, he’s not going to answer it. He’s not going to answer you because he always believed that if the vocalist who wrote the lyrics tells you what it means, then you petrified a meaning.

[…] I think that’s a disservice to a song which you can take it many, many ways. I think the best songs are the songs that mean something completely different for everyone. That’s when a song is real in my opinion. That it has real value because it’s speaking to you and it’s speaking to the other person, yet it’s not saying the same thing to you than it’s saying to the another person. So that’s that’s the magic of art. That’s the magic of poetry.”

Der nächste Track auf der Platte ist der Titeltrack „Afterlife“, der ebenfalls bereits als Single und mit Lyric-Musikvideo erschien. Der Track überzeugt erneut mit seiner Energie, die in den läutenden Beats, dem redundanten Gitarren-Motiv, dem melodisch-slowen erlösenden Refrain und den spannungsgeladenen Bridges zugrunde liegt. Und natürlich den sehr motivierenden Lines von Moody. Warum die Band den Track als Auskopplung gewählt hat, begründet Zoltán so:

“I felt like that song sort of encompasses the whole record in all its parts. It has a massive chorus which we have a couple of, you know, really nice melodic choruses on this record. It had an interesting guitar part, didn’t really have a long solo, just a little flashy in there. So it’s what it felt like. But it’s almost like, when you have a movie and you put together a teaser from the little cool parts of the movie, and then you put it out and everybody’s like, I’m interested in this movie that’s on first.”

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Weiter geht’s mit der Ballade „Times Like These“, welche die Musiker aus Los Angeles ebenfalls bereits der Öffentlichkeit zuspielten. Ein recht slower Song, der allerdings erneut eine Art von Hoffnung und Zukunftsgewandiheit in sich trägt, trotz dessen natürlich den markanten E-Gitarrensound beibehält und Moodys Aggro-Stimme klingt natürlich in zart, zerbrechlich und flehend noch viel stärker und glaubhafter.

“And that’s real freedom. And I feel like that’s where we arrived. And I think that’s what you hear, it’s hopeful. It has that sound of freedom. It’s just like I’m really proud of this record, all of us. And it’s like this is Five Finger Death Punch version two. You know, it’s a new era for us.”

Five Finger Death Punch: Musikvideos sind in der Mache

Aber was bis dato bereits aufgefallen ist: Noch keiner der releasten Tracks hat ein Musikvideo erhalten. Also abgesehen von den Lyric-Videos. Und auch wenn das Material zu „IOU“ recht bildgewaltig und aufwendig animiert rüberkommt, können wir nicht so ganz glauben, dass das alles war. Gerade Five Finger Death Punch, die doch sonst recht bekannt sind für ihre aufwendigen, mit Storyline-verknüpften, fast schon cineastischen Kurzfilme. Und tatsächlich verrät uns Zoltán, was da noch auf uns zu kommt:

„Because once we realized that this record became an unintended concept album lyrically and the motifs moving musically, we realized the story can be connected. We had this idea that we should make a music video for every song, music videos in a way that they would connect to each other. So they make a wonderful story.

[…] Right now there are two of them: ‚Circus‘ and the next song ‚Times like These‘ are in development. […] And when we come home from this tour, that’s when we’re going to make one for ‚Afterlife‘ and probably two more. […] So probably we going to be done by next year, maybe spring next year. It’s going to be all done and then we start to connect them into a coherent movie.”

Offensichtlich kommt das was Großes auf uns zu! Wir sind gespannt!

Jetzt erstmal sind wir aber erst Recht gespannt darauf, wie die Platte musikalisch weiter geht, denn die bekommen wir ja noch vor nächstem Jahr zu hören.

„Roll Dem Bones“ beginnt wie ein absolut typischer Five Finger Death Punch-Track mit einem provozierenden Spoken-Word-Intro, dass dann übergeht in schnelles, trotziges Rapping. Im Refrain finden wir sogar Growl-Parts die auf verschwörerisch-ruhige Lyrics treffen und einen Gitarrensolo-Part.

„Pick Up Behind You“ weist ganz ähnliche Techniken auf, ist aber insgesamt wieder langsamer und lebt vor allem vom umrahmenden Gitarrenklang zwischen Refrain und Strophen.

Zwischenfazit: Der typische FFDP-Sound mit experimentellen Momenten

Halbzeit: Der sechste Track auf „AfterLife“ nennt sich „Judgement Day”. Hier merken wir das erste Mal wirklich, was Zoltán mit freier und vielfältiger meint. In diesem fast 5-Minüter finden wir im Refrain zwar einen ganz typischen FFDP-Sound, aber sowohl das Intro als auch innerhalb der Strophen weist der Track elektronische und moderne HipHop-hafte Sound-Elemente auf. Und gerade das gesungene „Lahaaaalahaaalahaaaaa“ ist ein redundantes, memorables Mittel, das gut auf Konzerten funktionieren könnte.

„IOU“ kennen wir ebenfalls bereits. Der Track, der zunächst betrachtet aussieht, als würde es vielleicht um Alien-Sprache gehen, bedeutet im englischen nichts anderes als etwa „I Owe yoU“, also „Ich schulde dir“. Als „IOU“ wird in Amerika auch ein Schuldschein bezeichnet. Und joa, so ungefähr ist auch die Thematik des Tracks. Nur das man natürlich NIEMANDEM irgendetwas schuldet, wie Moody singt „I owe you nothing!“. Dieser Song ist meiner Meinung nach eine perfekte Mischung aus FFDP-Klang, modernem Anstrich und nicht zu auffälligen verspielten Sound-Elementen.

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“’Circus‘ came out, you know, that’s a song that could be a single, it gives a vibe, a taste of what’s coming. That’s on ‚IOU‘ the same thing. You had like a really nice guitar solo and I thought it has a vibe, a groove that is not typical from us, you know, it almost sounds like it was a soundtrack for some kind of a video game.”

„Thanks For Asking“ und „All I Know” knüpfen an die Fraktion ruhigerer unauffälligerer Five Finger Death Punch-Songs wie „Question Everything“ oder „I Apologize“ vom sechsten „Got Your Six“-Album an. Der typische Five-Finger-Sound zieht sich auch durch die zweite Hälfte des neunten Longplayers der so genannten Groove-Metal-Band.

“At this point, regardless if somebody loves or hates Five, being in that bunch doesn’t matter. If you hear Five Finger in that bunch, you know it’s Five. We have a sound that people know. So we established. You hear the first couple of riffs, you hear Ivan’s voice, you know who is it. All right. That’s actually really difficult to do. And but we achieved that.”

Five Finger Death Punch haben laut Zoltán also ihren Signature Sound gefunden, ihre Fanbase aufgebaut und nun die Freiheit, sich musikalisch auszuprobieren.

“So that was sort of the approach and I think that’s what shows in the record. […] We don’t care where you categorize it. […] it’s probably the most diverse record. There are songs that you wouldn’t even expect for this band from happening. And well, interestingly, even though it’s so different, it still sounds coherent, it doesn’t sound like it’s just a hodgepodge of different ideas just mixed together. It’s feels like a concept album, even though it wasn’t meant to be a concept album. And and I think that’s us.

To us at least it’s a victory for creating a record in which every song is so different. The whole record is very different from our past records. That put us in this position where it’s musical freedom. That’s real freedom.“

Auch in den letzten Tracks finden wir keine groooßen Überraschungen vor. „Blood And Tare“ beginnt langsam und schwenkt dann nach ein paar Sekunden um. Klingt dann allerdings fast etwas langweilig und vorprogrammiert im Gegensatz zu den vorangegangen Tracks des Albums. Lediglich das kreischende Gitarrensolo und der Spoken-Word-Part geben dem Song etwas Progressives.

Nach dem langsamen „All I Know“ weckt „Gold Gutter“ uns nochmal auf und gibt „AfterLife“ durch Spoken-Words-Ansagen, Lachen und Schreien von Moody und einen ganz schönen heavy Breakdown zwischendrin doch nochmal etwas Hartes und Experimentelles.

Auch der Abschluss der Platte mit dem passenden Titel „The End“ bietet nichts neues mehr und reiht sich in die Five-Finger-Death-Punch-Diskografie „Langsame, flehende Nostalgie“ ein.

Damit endet „AfterLife“ nicht ganz so stark, wie es angefangen hat. Insgesamt kann ich allerdings Zoltán in sehr vielen Punkten zustimmen. Es ist ein spannendes Album, Five Finger Death Punch 2, wie er selbst sagt. Der typische Sound der Band zieht sich zwar felsenfest durch, wahrscheinlich könnten die US-Amerikaner auch gar nicht anders, aber dennoch haben sie es teilweise geschafft, sich von ihrem typischen Konzept zu lösen und neue Wege einzuschlagen und sich auszuprobieren. Dabei hätten es aber ruhig eine Nummer weniger Tracks auf dem Album sein können um sich mehr mit den „besonderen“ Nummern auseinanderzusetzen.

Five Finger Death Punch bald auf Tour in Deutschland

Die nächste interessante Frage ist natürlich wann und wo wir diese ganze Menge an neuer Musik bald live erleben dürfen. Dazu hat Zoltán Folgendes zu sagen:

„We didn’t want to book tours because I saw how many bands did and then they had to cancel. It gets canceled and we figured we don’t want to be the burden of being another set of tickets on a refrigerator door with magnets.

And […] next year, I would assume that’s probably spring or early February, we would like going on a proper Europe tour with a big production as we used to it. So we don’t have dates yet, but you’re working on it. It would be nuts, that would be inconceivable that we have a new record and we didn’t do a proper two in Germany. Especially Germany is important.”

Na da steht uns hoffentlich bald eine große neue Tour ins Haus passend zum neuen Album! Wie der ungarische Gitarrist betonte, sind natürlich auch einige Stationen in Deutschland geplant. Wie Báthory die deutschen Fans so kennen gelernt hat und einschätzt, erklärt er hier:

“You know, German fans are different actually. German friends are discriminating, discriminating in a way that they watch you. They want to know what you’re about. They want to understand the lyrics when you’re talking and they don’t accept you right away, even if they like the music they. They watch the band: What are they going to do? How do you feel about them?

So it takes a minute for the German fans to warm up to a band. They take their time and I grew up in Europe, so I always knew about this. I told my band, Germany is a hard one to crack, but the ones, the German fans, you can come back here for 20 years and those faces will be there every year, every show.

They will always come back because they took their time to know you, who you are. And if they accepted you, then they accepted you and your family.”

Mal eine andere und einleuchtende Sichtweise auf die deutsche Fankultur, als das immer gleiche „Die deutschen Fans sind die besten“. Ich hatte ein wirklich sympathisches und langes Gespräch mit dem FFDP-Gitarristem und war begeistert von ihrem darauffolgenden Auftritt auf dem Download Festival, wie ihr übrigens auch hier nachlesen könnt.

Wir bleiben auf weitere Infos um die Alternative-Metal-Band gespannt und halten die Ohren offen! Zumindest bis zum Release der Tourdaten dürfte es ja laut Zoltáns Prophezeiungen nicht mehr lange dauern!

Foto: Travis Shinn / Offizielles Pressebild

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