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Interview

Equilibrium: Auf der Suche nach einer neuen Person für die Vocals

Gründungsmitglied René Berthiaume im Interview.

VON AM 31/10/2022

Equilibrium verkündeten am 04. Oktober die Trennung von ihrem langjährigen Sänger Robert „Robse“ Dahn (Dritter von links). Nun ist die Epic Metal-Kombo aus Deutschland auf der Suche nach einem passenden Ersatz. Welche Voraussetzungen der oder die Neue hinter dem Mikrofon mitbringen muss und wie es zur Trennung von dem Fronter kam, erzählt uns Gitarrist und Gründungsmitglied René Berthiaume (Vierter von links) im Video-Call.

Wie kam es zur Trennung? Von Bandproblemen und Freundschaften

Einmal von Anfang an: 2001 in Oberbayern gegründet, kam es 2010 zu Umstrukturierungen innerhalb der Band, bei der ihr ursprünglicher Shouter Helge Stang durch Robse ausgewechselt wurde. Nach über zwölf Jahren der gemeinsamen Zusammenarbeit kam es nun vor wenigen Wochen plötzlich zur Trennung von eben jenem Nachfolger. René erklärt zu den Hintergründen:

„Es war eigentlich eine Sache, die sich schon seit Jahren hingezogen hat. Wir hatten schon vor ein paar Jahren darüber gesprochen, dass es nicht mehr so ganz harmoniert. Eine mögliche Trennung haben wir aber mal wieder auf die lange Bank geschoben. Nachdem wir während der Pandemie mehr Zeit hatten zu reflektieren und in uns reinzufühlen, haben wir jetzt gesagt: Wir gehen den Schritt.“

Auch bei Equilibrium hat die Pandemie also Spuren hinterlassen. Während bei so manch anderen Bands Ausfälle von rassistischen oder frauenfeindlichen Äußerungen bis hin Erstürmung des Capitols zum Rausschmiss einzelner Mitglieder geführt haben, stellt sich doch die Frage, was der Grund für den Rauswurf des nun Ex-Equilibrium-Sängers war. René kann uns beruhigen:

„Ne, da war nichts Politisches dahinter. Es war letztendlich das, was eine Band ausmacht: Die Zusammenarbeit, das gemeinsame An-einem-Strang-Ziehen aus künstlerischer Sicht. Also nichts Dramatisches, sondern typische Band-Probleme.“

Auf die Frage hin, ob die Entscheidung denn mehr von der Band als von dem Sänger selbst ausging, antwortet der Gitarrist:

„Im Prinzip: ja. Wobei die Handlungen eines Menschen ja auch zu einer Entscheidung beitragen und gerade denn, wenn sie sich über mehrere Jahre ziehen. Ich will da nichts Schlechtes über Rob sagen. Da ist kein Groll ihm gegenüber, weil man kann ja niemanden zu irgendwas zwingen und es soll für beide Seiten passen. So gesehen war es am Ende einfach so, dass es nicht mehr gepasst hat. Und wir haben als Band gemerkt, dass wir so nicht mehr vorankommen mit dem, was wir wollen. Deswegen war es ein notwendiger Schritt. Auch wenn das so ein klassischer Spruch ist, denke ich, dass es generell für beide Seiten das Beste ist, damit sich jeder auf die eigenen Sachen konzentrieren und sich ausleben kann.“

Es gab keine Streitereien auf persönlicher Ebene, die zur Trennung geführt haben. Vielmehr betont der Gitarrist die langjährige Freundschaft zwischen den Musikern:

„Neben der künstlerischen Ebene hat man auch die freundschaftliche Ebene und die Momente, die man geteilt hat. Wir sind zum Beispiel gemeinsam das erste Mal in Asien gewesen und solche Erinnerungen trägt man mit sich. Da wird man schon melancholisch.“

Wer wird gesucht? Vorschläge und Steckbrief für die neue Person

Zum Thema Erinnerungen und zurück zu den Wurzeln: Einige Fans wären nicht abgeneigt, wenn der Originalsänger Helge wieder zurückkäme. Renés Reaktion dazu:

„Das ist ein lustiger Gedanke und Helge hat auch immer mal wieder live einen der älteren Songs mit performt. Das war super spaßig, aber ich glaube, allein von seiner Seite aus würde kein Interesse bestehen, weil er mit seinen Projekten auf einer düsteren Black Metal Schiene unterwegs ist. Er wird immer mal wieder dabei sein oder vielleicht machen wir einen Song zusammen, aber langfristig ist das nichts für ihn – das ist zumindest meine Einschätzung, ich habe ihn aber nicht gefragt (lacht).“

Warten wir also mal ab, wessen Bewerbungsvideos im Posteingang von Equilibrium landen. Apropos Bewerbung: Wer wird denn nun eigentlich gesucht? In den sozialen Medien sammeln sich bereits erste Vorschläge und Wünsche, wer die vakante Stelle hinter dem Mikrofon besetzen soll. Da der Band egal ist, welches Geschlecht die Person hat, wäre auch eine Frau denkbar und so wurde Ex-Nightwish Sängerin Tarja Turunen von den Fans ins Rennen geworfen. Bei der Vorstellung kommt René ins Schmunzeln:

„Das wäre wahrscheinlich schon extrem. Nichts gegen Tarja Turunen, sie ist eine super Sängerin, aber wir suchen schon jemanden, der die extremen Gesangsrichtungen bedienen kann. Was wiederum breit gefächert sein darf: von Growling bis Screaming – alles aus diesem Spektrum. Wir nutzen immer wieder cleane Vocals, das ist jetzt aber nicht Priorität bei der Suche.“

In der Vergangenheit haben neben Fronter Robse auch Gitarrist Dom (Dominik Crey) und Bassist Skar (Martin Skar Berger), die jeweils ebenfalls in ihren eigenen Bands singen, Vocal-Parts übernommen. Für die Zukunft soll es dabeibleiben, dass hauptsächlich eine Person singt: „Bühnentechnisch haben wir uns das schon so vorgestellt, dass wir einen Front-Menschen haben.“

Da Equilibrium als Band viel Zeit gemeinsam auf Tour oder im Studio verbringen, muss es auch auf menschlicher Ebene passen. Welche Werte ihm wichtig sind, erläutert René selbst:

„Ich finde ganz wichtig, dass die Person zu einer ordentlichen Kommunikation fähig ist und dass man offen über alles reden kann sowie mit Kritik umgehen kann. Das sind Punkte, auf die ich früher nie geachtet habe. Ich will damit nicht sagen, dass das mit Robse ein Problem war, aber das ist etwas, was ich aus meiner Erfahrung als Mensch gemerkt habe, dass Kommunikation das Allerwichtigste ist, um vernünftig zusammenarbeiten zu können.

Außerdem sollten gewisse Wertvorstellungen aus meiner Sicht Standard sein, also zum Beispiel kein Rassist oder Tierquäler. Das ist natürlich schwierig, so etwas gleich am Anfang herauszufinden, aber ich glaube, dass wir in der Band und im näheren Umfeld genügend Leute haben, die das nötige Gespür mitbringen.“

René hat bereits ein Video in den sozialen Medien veröffentlicht, das die Anforderungen an die zukünftige Person am Mikrofon beschreibt. Den Clip stellen wir euch nachfolgend zum Abruf bereit:

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Für alle, die jetzt nicht mitgeschrieben haben, hier ist die Zusammenfassung:

  • Persönliche Daten: Alter, Geschlecht, Herkunft etc. ist egal.
  • Gesanglich: Muss sich in extremen Gesangstechniken wohlfühlen.
  • Wohnort: Wohnhaft in Deutschland wäre praktisch, ist aber kein Muss, denn es sind bereits zwei internationale Musiker in der Band.
  • Sprachen: Der englischen Sprache mächtig zu sein ist ein Muss. Wenn die Person kein Deutsch kann, ist das kein Problem, sie sollte aber gewillt sein, deutsche Songtexte zu lernen.
  • Zeit-Faktor: Andere Projekte oder Jobs sind nebenbei machbar, allerdings braucht es zeitliche Flexibilität für Touren etc.
  • Zwischenmenschliches: Die Chemie muss stimmen, was sich am besten in einem persönlichen Gespräch herausfinden lässt.
  • Falls ihr euch selbst in der Beschreibung erkannt habt oder jemanden kennt, der jemanden kennt (ihr wisst schon…), dann ab mit der Bewerbung an Equilibrium!

    Wie geht es weiter? Ein vorsichtiger Blick in die Zukunft

    Da die bestehenden Mitglieder bei der Wahl des neuen Fronters nichts übers Knie brechen wollen, ist ungewiss, wann die Band wieder vollständig besetzt ist. Dadurch gibt es auch noch keinen Zeitplan für die nächsten Schritte der Kombo. Dennoch wollen wir vorfühlen, in welche Richtung es gehen könnte.
    Gründungsmitglied René beschreibt in dem Video, dass die neue Person ihren eigenen Stil und Charakter in der Stimme mitbringen darf. Doch was bedeutet das für die Musik von Equilibrium in der Zukunft? Könnten uns auch mehr Kollabs oder gar ein Genre-Wechsel erwarten?

    „Ich würde nicht sagen, dass wir das komplette Genre wechseln würden. Wir müssen uns natürlich fragen: Was macht Equilibrium aus? Und das wollen wir beibehalten: Die Folk-Einflüsse, aber auch die Härte des Metals. Wir haben uns auch schon in moderneren Metal-Gefilden ausprobiert, weil uns das total gefallen hat. Das alles werden wir weiter ausbauen und versuchen, daraus eine spannende Mischung zu machen.“

    Und René verrät weiter:

    „Das Thema Kollaboration ist sehr interessant für uns geworden. Wir wollen uns in diese Richtung mehr ausprobieren, auch mit anderen Instrumentalisten aus verschiedenen Bereichen. Nach der Trennung herrscht doch das Gefühl eines kleinen Neustarts und wir möchten uns jetzt ausleben und all die musikalischen Ideen, die sich während der Corona-Pandemie angesammelt haben, ausprobieren.“

    Es gibt also bereits Visionen, wie sich Equilibrium vor allem musikalisch entwickeln soll. Im Hintergrund arbeiten die Mannen bereits an ersten Ideen:

    „Wir sind jetzt schon dabei, an neuem Material zu arbeiten, weil sich während der Pandemie auch viele Ideen angesammelt haben. Wir wollen ja auch nicht untätig rumsitzen (lacht).“

    Sobald jemand Neues in der Band ist, wollen sich die Musiker direkt an die Schreibarbeiten für eine neue Single begeben, um gemeinsam mit der Bekanntgabe einen ersten Höreindruck abliefern zu können. Und vielleicht liefern sie direkt einen Videoclip dazu ab. Auf kurz oder lang soll ein neues Studio-Album folgen. Falls bis zu den Shows im kommenden Jahr noch kein neues festes Bandmitglied gefunden wurde, würden sie auf einen hochkarätigen Aushilfsmusiker ausweichen. Aber wer weiß, vielleicht gibt es bis dahin schon ein neues Gesicht in der Band.

    Bild: Equilibrium / Offizielles Pressebild

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