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Eine Liebeserklärung an die Vinyl – Teil 2

Mit Stimmen aus dem ganzen Team.

VON AM 04/12/2020

Nachdem der erste Teil dieses Features zur Vinyl versucht hat, einen gesunden Mittelweg zwischen Objektivität und Subjektivität zu finden, beschäftigt sich der zweite Teil mit den ganz persönlichen Geschichten der MoreCore-Redakteure.

Was war der ausschlaggebende Punkt, dass wir uns in Vinyl verliebt haben? Wie sehen unsere persönlichen Top 5 aus dem eigenen Plattenregal aus? Und warum ausgerechnet diese Scheiben? Das alles erfahrt Ihr hier.

Die liebsten Vinyl der MoreCore-Redaktion

Julia S.

Bei mir hat es tatsächlich einen „Kult“-Beweggrund. Als die Schallplatten wieder moderner wurden und immer mehr Bands ihren Kram darauf gepresst haben, wollte ich von der ein oder anderen Band gerne eine Schallplatte haben. Ich hatte allerdings keinen Schallplattenspieler oder das nötige Zubehör, um sie mir auch anhören zu können. Als mein Freund und ich dann zusammengezogen sind, hat er seine Anlage mitgebracht und ich konnte loslegen Schallplatten kaufen.

Mal kaufe ich etwas, was ich schon kenne, mal bestelle ich aber auch einfach eine Vinyl einer coolen Band vor, obwohl ich noch gar nicht weiß, wie die Platte wird. Ich entscheide da einfach nach Gefühl, und was noch wichtiger ist als die Überlegung, welche Band ich gerne supporten möchte. Das ist ebenfalls ein Grund für mich: Bands unterstützen. Ich kaufe zwar ab und zu auch ein Shirt am Merch-Stand, aber viele Bands schaffen es leider nicht, mich mit ihren Shirt-Designs zu überzeugen – da kaufe ich lieber ihre Musik.

1. Counterparts – „Nothing Left To Love“
In den letzten Jahren sind Counterparts immer wichtiger für mich geworden und ihre Alben haben sich meiner Meinung nach stetig verbessert.

2. Spanish Love Songs – „Schmaltz“
Danke an dieser Stelle an Paul, durch den ich diese Band kennen- und liebengelernt habe. Ich kenne kaum eine andere Band, die ihre Emotionen melancholisch, fast schon weinerlich, aber gleichzeitig mit so einer Power darbieten können wie Spanish Love Songs.

3. Finn Kliemann – „POP“
Ein Wahnsinnstyp, durch und durch. Alles was er anfasst wird zu Gold. So auch sein zweites Album „POP“; persönlich, nah am Leben, ein bisschen experimentell und limitiert! Jeder sollte sich einen Finn Kleemann zum Vorbild nehmen, frei nach dem Motto: Mach’ einfach!

4. END – „Splinters From An Ever-Changing Face“
Der erste Longplayer einer noch viel zu unbekannten Band ist nicht unbedingt etwas für die zart Besaiteten unter uns, aber wenn euch mal wieder etwas so richtig abfuckt, dann kann ich diese Scheibe nur empfehlen.

5. Pinegrove – „Skylight“
Witzigerweise fand ich dieses Album anfangs super langweilig und absolut nichts für mich. Nach einiger Zeit konnte ich mich dann aber doch mit dem Sound anfreunden und fand ihn so gut, dass ich spontan in Amstadam dieses Plättchen gekauft habe.

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Kevin

Ich habe damals die Plattensammlung meines Vaters übernommen. Daraus hat sich dann eine Sammelleidenschaft entwickelt. Ich genieße es, Zeit in Plattenläden zu verbringen, zu stöbern und das ganze Feeling drumherum. Hinzu kommt, dass ich mich deutlich bewusster mit der Musik befasse, wenn ich Platten höre. Das Cover wird genauer betrachtet, ich setze mich intensiver mit den Songtexten auseinander und ich habe dieses positive Gefühl, tiefer in die Musik eindringen zu können. Das Hören an sich wird mit dem Aussetzen der Nadel bis hin zum Wechsel der Seite zelebriert. Selbstverständlich streame ich trotz allem eine Menge Musik, das ist dann aber eher etwas für den täglichen Musikkonsum. Mich nur für eine Abspielmethode zu entscheiden, würde mir definitiv schwerfallen und das möchte ich auch gar nicht.

1. Joy Division – „Unkown Pleasures“
Joy Divison sind éine meiner absoluten Lieblingsbands und ein Album, das für mich von vorne bis hinten perfekt ist.

2. Die Ärzte – „Jazz ist anders“
Die erste LP, die ich mir selbst gekauft habe.

3. Sex Pistols – „Never Mind The Bollocks“
Für mich eine DER Punk-Platten, die eine ganze Szene in Gang gebracht hat.

4. Queen – „Greatest Hits“
Offensichtlich keine besondere Platte, ich habe sie damals auf meinem Südafrika-Trip gekauft, wodurch sie eine besondere Bedeutung hat.

5. The Smiths – „Hateful Of Hollow“
Wahrscheinlich eine der Platten, die ich am meisten gehört habe, da ich den Vibe sehr genieße.

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Maik

Wer Musik wirklich als Kunstform versteht, der sollte Schallplatten sammeln und genießen. Egal, ob es die Platte deiner Lieblingsband ist oder ein Cheapo, den man wegen des hübschen Artworks mitnimmt – es gibt eigentlich kaum etwas, was an die Erfahrung rankommt im Plattenladen deines Vertrauens einen Stapel Vinyl mitzunehmen, sich zu Hause hinzusetzen, das Booklet zu studieren und dabei das runde schwarze (oder wahlweise farbige) “Gold” zu bestaunen.

Nichts hat eine größere Aura als eine Platte, die zu einer streng limitierten Auflage gehört. Als Besitzer tritt man quasi einem Club Auserwählter bei, die dieses Stück im Regal stehen haben dürfen. Und überhaupt, weder eine CD und schon gar keine volle Festplatte oder Spotify Playlist spiegelt auch nur im geringsten die Wertigkeit und das Herzblut eines Künstlers wider als eine liebevoll gestaltete Schallplatte – natürlich vorausgesetzt, dass es einen entsprechenden Release auch gibt. Deswegen bin ich Sammler und versuche, so wie es mein Geldbeutel zulässt, meine Sammlung stetig zu vergrößern.

1. Thrice – „The Alchemy Index“ (2008, red/ blue/ clear/ brown marble 10” vinyl, 3000 Stück)
Unangefochtene Nummer 1 in meiner Sammlung: der „Alchemy Index“ von Thrice, den ich sowohl in der ersten als auch zweiten Pressung besitze. Jeweils stark limitiert und von Fans gejagt – und das zurecht. Jede der insgesamt vier EPs bekommt genügend Platz, denn die Aufmachung ist wie ein Buch gestaltet, was auch zum Inhalt passt. Denn die meisten der Songs erzählen eigene Geschichten, die in den Kommentaren der Mitglieder näher erläutert werden. Auch erfährt man näheres zum Entstehungsprozess der Songs. Für Thrice-Fans ein absolutes Must Have und für mich sozusagen der Heilige Gral.

2. Apologies, I Have None – „London“ (2012, dark green vinyl, Stückzahl k. A.)
“London” ist nicht nur ein 10/10 Album, sondern auch liebevoll gestaltet. Das wunderschön gestaltete Artwork entfaltet sich erst im Inneren und auf der Rückseite so richtig und zeigt in hübschen Illustrationen verschiedene Wahrzeichen der Stadt. Ein Highlight ist das Poster, das eine Karte von London zeigt und in Verbindung mit verschiedenen Lyric-Zeilen eine Art Wegweiser durch die Songs darstellt.

3. Brand New – „Science Fiction“ (2017, black vinyl, 5.000 Stück)
Ein kontroverser Pick, ich weiß. Dieses limitierte Package konnte ich zum Release ergattern, bevor sich die Band wegen der MeToo-Vorwürfe an Sänger Jesse Lacey zurückzog. ennoch, keine Platte in meiner Sammlung ist so vollgepackt mit Gimmicks wie getrockneten Blüten, mehreren Postern, einem kleinen Lyrikbuch, Booklet, ein auf Offsetpapier und dann aufgeklebtes Cover. Dieses Package ist wahrlich besonders, auch wenn man es sich nicht mehr mit gutem Gewissen zu Gemüte führen kann.

4. It Dies Today – „The Caitiff Choir“ (2004, gray dark/ yellow vinyl, 540 Stück)
Meiner Meinung nach eines der besten Metalcore-Alben überhaupt. Jahrelang nur als CD besessen hatte ich dieses schöne Stück dann in Münster im legendären Green Hell Store in der Hand. Neben “The Caitiff Choir” ist auch noch die EP “Forever Scorned” enthalten und beide Platten sind passend zum Artwork in Gelb bzw. in einem dunklen Grau gehalten.

5. All Aboard! – „Radio“EP. (2010, black 7” vinyl, 400 Stück)
Meine allererste Platte, die ich bei den Jungs 2010 beim Komm Na Huus Festival am Merch-Stand ergattert hatte – ohne einen Plattenspieler zu besitzen. “Egal, da ist eh ein Download-Code dabei und sonst kaufste dir halt einen”, wurde mir gesagt und so fing alles an…

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Pia

Bei mir hat es damals, glaube ich, damit begonnen, dass ich meinem Bruder nacheifern wollte, nachdem er angefangen hatte, sich mit Vinyls zu beschäftigen. Meine Mutter vermachte mir dann damals ihren alten Plattenspieler aus den 80ern und ich kaufte mir meine erste eigene Vinyl. Ich mochte die Endschleunigung die damit einherging, sich mit dem Medium auseinanderzusetzen, aktiv zuzuhören anstatt es nur als Hintergrundmusik ablaufen zu lassen. Sowie die Möglichkeit, die Musik alter Punkbands genau so zu hören, wie sie damals aufgenommen wurde ohne den neu gemasterten digitalen Sound, den man online nur noch zu hören bekam. Wenn ich heutzutage Vinyls anhöre, die ich mir damals gekauft habe, weckt es in mir schöne Erinnerungen, wie ich mit meiner besten Freundin immer in den Laden am Eck gegangen war und uns stundenlang durch die Kisten hörten, bis wir endlich die perfekte Platte gefunden hatten.

1. The Clash – „The Clash“
Eine der Erstauflagen, die mein Bruder mir aus Schottland mitgebracht hat.

2. Ramones – „Ramones“
Die erste Platte, die ich mir selbst gekauft habe.

3. The Horrible Crows – Elsie
Durch Zufall im Plattenladen entdeckt und direkt in den Sound verliebt.

4. Light Your Anchor – „Peter Pan Syndrome“
Eine 7“ die bis heute wohl am häufigsten von allen meinen Platten abgespielt wurde. 2012 nach dem Konzert gekauft, nachdem ich die Band an dem Abend das erste Mal gesehen und direkt abgefeiert hab.

5. The Gaslight Anthem – „Senior And The Queen“
Ich glaube, das war die Platte, nach der ich am längsten gesucht habe.

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Sebastian S.

Neben einer Touché Amoré/La Dispute Split-EP, die es 2010 nur als Vinyl gab bin ich einige Zeit später eigentlich über einen Freund (@fearmyinnerself auf IG) zum Plattensammeln gekommen. Die ersten 50-70-Platten konnte ich nicht mal abspielen in Ermangelung eines Players und 20 davon zieren meine Wohnzimmerwand im IKEA-Rahmen.

Dazu kamen die schwindende Nutzung von CDs, aber der Anspruch, den Künstlern mit mehr als Cent-Bruchteilen beim Streaming „Danke“ für ihre Arbeit zu sagen, die physische und optische Wertigkeit einer (farbigen) Platte, die Box-Sets und Goodies, die Wertsteigerung limitierter Editionen und der „Zwang“, sich in der Hetze der Zeit mehr mit Musik beschäftigen zu müssen – alleine durch’s Wenden der Platten. Zudem sieht ein guter Plattenspieler direkt schöner aus als ein generisch-schwarzer CD-Player-Plastikklotz. So kamen bis dato ~ 350 Platten zusammen und ein Ende ist nicht in Sicht.

1. Archivist – „Archivist“
Einfach wunderschön aufbereitet.

2. Devil Sold His Soul – „A Fragile Hope“

3. Green Day – „When I Come Around“ Picture Disc von 1995
Bei einem Radiosender im selben Jahr gewonnen.

4. Protest The Hero – „Pacific Myth“
Meine teuerste Platte im Einkauf mit Versand aus Kanada, Zoll, Lagergebühr und Knöllchen nach unbeabsichtigtem Falschparken vor dem Zollamt.

5. V.A. – „Strait Up“
Snot Tribute von 2000.

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Foto: Eric Krull

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