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Interview
Biffy Clyro-Frontmann Simon Neil: „Tief drin bin ich ein großer Softie“
Der Sänger im Gespräch zum neuen Album „Futique“.
VON
Anna Seikel
AM 16/09/2025
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„Futique“: flüchtige Momente im Jetzt, die uns irgendwann wie wertvolle Antiquitäten vorkommen werden. Auf diese Basis bauen Biffy Clyro ihr neues Werk, das es ab Freitag überall zu hören gibt. Dem Langspieler gingen bereits die Singles „A Little Love“, „Hunting Season“ und „True Believer“ voraus, die uns erste Einblicke in die Facetten von „Futique“ liefern. Im Interview mit Sänger Simon Neil haben wir darüber gesprochen, warum seine Pause von der Band das Album ermöglicht hat – und darüber, dass er eigentlich ein großer Softie ist.
Simon Neil (Biffy Clyro) im Interview zum neuen Album „Futique“
Schon aus der Erklärung des Albumtitels leitet sich ab, dass es sich bei der neuen Platte der Schotten um eine Intro- und Retrospektive handelt. Nicht verwunderlich, denn nach 30 Jahren in stetiger Bandkonstellation, lädt so einiges zum Rein- und Rückblicken ein. „Vor 10 Jahren hätte ich diese Songs nicht schreiben können“, ordnet Neil die Stücke des nunmehr zehnten Biffy-Albums ein. „Musikalisch klingt es noch nach uns. Die Perspektive, aus der wir es angehen, hat sich aber definitiv geändert.“
Dass “Futique” eine der Stimmung nach hoffnungsvollsten Platten der Band werden konnte, hat Neil auch seinem Zweitprojekt, Empire State Bastard, zu verdanken. „Ich habe ein paar Jahre Pause von Biffy gemacht, um andere Inspiration zu finden“, erzählt er. Mit Empire State Bastard seien es vor allem Wut und Zorn gewesen, die im Vordergrund stünden. „Nachdem ich mit ESB etwas so Dunkles und Schweres geschaffen hatte, wurden die Songs, wenn ich nach Hause ging und meine Gitarre in die Hand nahm, zu etwas Hellem, Melodischen mit großen Refrains.“
Auch thematisch habe sich der Raum zum Nachdenken im Album verfestigt: „Durch den Abstand dachte ich über unsere Reise als Band nach, über meine Beziehung zu den Jungs und darüber, wie sich meine Gefühle zu den Songs, die ich mit 20 geschrieben habe, verändert haben.“
„Ich klinge wie ein Hippie, aber man muss daran festhalten, sonst würden wir alle nur weinen“
Doch auch mit ESB als Rage-Ventil stellt sich die Frage – wie schreibt man in der heutigen Zeit ein Album, das nicht vor Wut trieft, sondern genau das Gegenteil tut? „Ich weiß, dass die Welt gerade ein gewaltvoller, schrecklicher Ort ist“, reflektiert Neil. In den letzten Jahren habe er sich aber mehr nach innengekehrt und versucht, an den Dingen festzuhalten, die er kontrollieren könne. Das Album reflektiert das „wenige Positive“, an dem man sich derzeit festhalten könne: seine Liebsten.
„Ich habe erkannt, wie viel Kraft ich im Laufe der Jahre durch meine Beziehungen, wie zur Band, gewonnen habe. Wenn wir uns auf die Dinge konzentrieren, die wir schätzen und lieben, dann kann die Welt meiner Meinung nach von dort aus aufblühen.“ Auch wenn grinsend zugibt, dass er „wie ein Hippie klingt, müssen wir einfach daran festhalten, sonst würden wir alle nur weinen“.
Mit Blick auf die erste Single und Tracklist des Albums lässt sich schnell erkennen: Liebe ist das große Thema der Platte. Allerdings nicht nur romantische oder jene zur Band. Freundschaft, Glaube, auch das Selbst werden von Neil mit in dem Blick genommen. „Dearest Amygdala“ zum Beispiel „ist an mein eigenes Hirn gerichtet, das manchmal mein Feind sein kann“. Andere Lieder gingen um Menschen, die er lang vermisse. „Wenn man seine Lieben umarmt, wird das Leben plötzlich unglaublich einfach. Leider fühlt es sich im Jahr 2025 wie eine ziemlich radikal an, über Liebe zu sprechen“, sagt er.
Von der Liebe zum Konzert
Letztlich geht es auch darum, die Gefühle vom Album auf die Bühne zu bringen – die Tour um „Futique“ wird die erste von Biffy Clyro in Europa seit über drei Jahren sein. Für Neil hinge an Musik in dieser harschen Welt ein letzter Zipfel Magie. Sie sei eine der wenigen Dinge, „die Menschen auch heute noch zusammenbringt“.
Und das, obwohl ihn Live-Shows auch nach 30 Jahren noch unter Stress und Druck setzen. „Die Shows sind wichtig wie eh und je, und ich glaube immer noch an die Kraft der Musik, das Leben der Menschen zu verändern“. Die Welt sei derzeit kompliziert, aber: „Dieser Kreislauf von Energie, wenn du den Blick von jemandem in der Menge auffängst oder umgekehrt, oder wenn ich in der Menge stehe und eine Band beobachte und alles andere verblasst. Das ist es, was ich liebe, also ist es das, wonach wir jeden Abend streben.“
Wenn sich eins aus dem Talk zum Album ableiten lässt, dann das: Biffys Fronter ist im Herzen ein großer Softie. Nicht nur in dem direkten „ja“ auf diese Frage („Are you a big softie at heart?“), sondern auch aus Neils Philosophie hinter „Futique“ findet man eine Wolke voller Hoffnung, Weichheit – und eben Liebe. Auch wenn sie es in „A Little Love“ singen, fasst Neil zusammen: „Ich bin kein Vollidiot, ich weiß, dass Liebe nicht alles besiegt. Aber in meiner Musik will ich dran glauben, dass sie es tut“.
Tourdaten
Biffy ClyroThe Futique Tour 2026
- 31.01.2026 – DE – Düsseldorf, Mitsubishi Electric HALLE
- 08.02.2026 – CH – Bern, Festhalle
- 09.02.2026 – CH – Zürich, Halle 622
- 12.02.2026 – DE – München, Zenith
- 13.02.2026 – DE – Offenbach am Main, Stadthalle
- 15.02.2026 – AT – Wien, Gasometer
- 16.02.2026 – DE – Berlin, Max-Schmeling-Halle
- 18.02.2026 – DE – Hamburg, Sporthalle

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Jana Boese (synapsengift)
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