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Interview

Beartooth-Frontmann Caleb Shomo: „Sich inneren Dämonen zu stellen, ist ein wichtiger Teil des Lebens“

Der Sänger über das neue Album und die Probleme während der Pandemie.

VON AM 22/06/2021

Am kommenden Freitag, den 25. Juni 2021 bringen Beartooth ihr brandneues Album „Below“ auf den Markt. Frontmann Caleb Shomo sagte im Vorfeld, dass die Scheibe die persönlichste sei, die er je geschrieben habe.

Wir durften uns exklusiv mit dem Sänger über den Songwriting-Prozess während der Pandemie unterhalten und haben außerdem erfahren, mit welchen persönlichen Problemen er zu kämpfen hatte. Er verrät uns außerdem, wieso die Alben immer kurze Titel haben und was es mit der Farbgebung der Releases auf sich hat.

Beartooth-Frontmann Caleb Shomo im Interview zum neuen Album „Below“

Natascha | MC: Euer neues Album “Below” erscheint am 25.Juni und mir ist aufgefallen, dass sich eure Albentitel meistens nur auf ein Wort beschränken. Wie kam es dazu?

Als ich damals angefangen habe, Alben aufzunehmen, habe ich mich dazu entschlossen, sie mit nur einem Wort zu benennen. Mit einem Wort lässt sich am einfachsten erklären, worum es auf einer Platte geht, welche Emotionen vorherrschend sind und welcher Vibe damit einhergeht.

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Natascha | MC: Euer Artwork reiht sich da ja auch ein, denn jedes Album hat seine eigene Farbe. Bei „Disgusting“ waren es eher erdige Töne, Schwarz und Weiß für „Aggressive“, Orange für „Disease“ und „Below“ trägt die Farbe Lila. War das Absicht?

Irgendwie schon, ja. Es hilft, das Album zu visualisieren und vereinfacht den Designprozess beim Merch ein wenig [lacht]. Nein ehrlich, es ist einfach irgendwie passiert. Schon beim Schreiben wusste ich ungefähr, in welche Richtung es gehen soll und als wir dann mit den Designern gesprochen haben, sagte ich “Für mich fühlt sich Below irgendwie lila an”. Das war allerdings das erste Mal, dass ich so eine Eingebung hatte, die Male davor war das eher Zufall.

Natascha | MC: Ihr habt bislang vier Singles veröffentlicht, „Fed Up“ habt ihr sogar letzten Sommer bei dem Auto-Konzert live zum Besten gegeben. Wurde sich ganz bewusst für „Fed Up“ entschieden?

Keine Ahnung, wir standen so lange nicht mehr gemeinsam auf der Bühne und waren es irgendwie leid, die immergleiche Setlist zu spielen, also haben wir die Setlist für das Auto-Konzert etwas abgeändert. „Fed Up“ hat dabei ziemlich gut gepasst, ich hatte die Gelegenheit live auf der Bühne Gitarre zu spielen – die Gelegenheit habe ich nicht oft. Und ja, es hat halt einfach gepasst.

Natascha | MC: Wenn wir schon bei dem Auto-Konzert sind: Wie war es für euch? Vor allem auch im Vergleich zu einer herkömmlichen Show?

Puh, es war schon richtig bizarr. Für Beartooth ist es immer wichtig, vor Publikum zu spielen und mit den Menschen zu interagieren, das war schon immer großer Teil unserer Show. Vor einer Menschenmasse zu spielen, die in ihren Autos sitzen, war schon sehr komisch. Wir haben uns mehr auf unsere Performance konzentriert und unsere Songs bestmöglich abgeliefert – die Menge konnte ja nicht wirklich mitsingen.

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Natascha | MC: So ein Auto-Konzert ist doch dann aber wesentlich angenehmer als ein Livestream-Event, wo man gar keine Zuschauer vor Ort hat, oder?

Oh ja, absolut! Also, wir haben zwar noch keine Livestreams gemacht, daher kann ich es nicht zu 100% sagen, aber es war schön, wenigstens ein paar Leute da zu haben, auch wenn sie in ihrem Auto saßen. Es war schon ein sehr einzigartiges Erlebnis, wahrscheinlich so ein “Once in a Lifetime” Ding, das man so nie wieder erleben wird. Nach einer so langen Pause war es definitiv ein cooles Erlebnis.

Natascha | MC: Bei eurer nächsten Europa-Tour teilt ihr euch ja die Bühne mit Motionless In White und Stray From The Path. In eurer Heimat sind es Wage War und Dragged Under. Gibt es noch jemanden, mit dem ihr gerne auf Tour gehen würdet, ihr aber bislang nicht die Gelegenheit hattet?

Um ehrlich zu sein sind waren wir mit den meisten Bands, mit denen ich schon immer mal auf Tour gehen wollte, unterwegs – in dem Department waren wir bislang echt gut gesegnet. Klar, gibt’s da noch zig andere tolle Bands, wie beispielsweise Avenged Sevenfold oder auch Metallica. Aber abgesehen davon konnten wir schon mit echt coolen Leuten die Bühne teilen, wie Slipknot, Architects, Bring Me The Horizon und noch vielen mehr.

Natascha | MC: Kommen wir mal zurück zu „Below“, die Platte ist schon ziemlich heavy und düster. Du hast ja alles in Eigenregie gemacht vom Schreiben der Texte bis hin zur Studioaufnahme. Ich habe gelesen, dass es sich für dich wie eine Art selbstdurchgeführten Exorzismus gegen deine inneren Dämonen angefühlt hat. Kannst du uns dazu noch etwas mehr erzählen?

Sozusagen ja. Es war hart, sehr hart um genau zu sein. Die Pandemie und vor allem der Lockdown war auf mentaler Ebene eine Herausforderung, nicht nur für mich, sondern für uns alle. So lange isoliert zu sein und nicht zu wissen, wann alles wieder seinen “normalen Gang” geht. Wir in der Musikindustrie sind die ersten, die gezwungen waren, alles herunterzufahren und werden wohl die letzten sein, die wieder loslegen dürfen. Mit diesem Wissen motiviert und kreativ zu bleiben, ist echt nicht einfach. Wenn ich jetzt auf die Songs und Lyrics zurückschaue – egal wie schmerzhaft es war, es war zugleich auch sehr kathartisch. Sich seinen inneren Dämonen zu stellen, ist ein wichtiger Teil des Lebens, wenn man innerlich mit Sachen zu kämpfen hat oder auch extern, egal womit man zu kämpfen hat, wenn man nicht darüber spricht, sondern alles in sich hineinfrisst und es verdrängt, wird es einem nicht helfen. Der erste Schritt zur Besserung ist, darüber zu reden – und ich kann das am besten mit meiner Musik.

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Natascha | MC: Im Hinblick auf die Entstehung von „Below“ – würdest du sagen, dass die Corona-Pandemie eher Fluch oder Segen war?

[lacht] Definitiv ein Fluch! Klar, wäre einiges dann nicht so geschrieben worden, hätte es Corona nicht gegeben, aber um ehrlich zu sein, konnte man der Pandemie nur wenig Gutes abgewinnen. Es war einfach nur kacke. Ich bin einfach nur happy, dass es jetzt wieder in Richtung Normalität geht.

Natascha | MC: Wenn man sich die Texte genauer anschaut, dann sprechen sie ganz vielen aus der Seele – vor allem unter den Umständen der Pandemie. Hast du Tipps, wie man sich nicht komplett in dunklen Momenten verliert?

Ja klar – es ist vor allem harte Arbeit, sich nicht in seinen dunklen Momenten zu verlieren, das habe ich selbst lernen müssen. In dieser Pandemie war ich an den dunkelsten Orten und bin die Spirale tief hinabgerutscht, wie noch nie zuvor. Sicher gab es viele, denen es ähnlich ging. Und wenn ich eins daraus gelernt habe, dann dass man darüber sprechen muss. Man muss es irgendwie rauslassen. Egal ob man sich künstlerisch auslebt, mit einem Therapeuten, Freunden, Familie oder anderen Bezugspersonen spricht, ganz egal. Man darf es nicht runterschlucken. Ich glaube, es gibt ganz viele simple Dinge die man tun kann, wie beispielsweise sich sportlich betätigen, raus an die frische Luft gehen und Sonne tanken. Und wenn man nicht rauskommt, dann sich drinnen irgendwie körperlich bewegen, gesunde Ernährung etc. Aber das A und O ist, darüber zu reden.

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Natascha | MC: “The Last Riff” ist der letzte Track des Albums und erinnert mich persönlich ganz stark an den Abspann eines Films. Was bedeutet “The Last Riff” für dich und warum hast du dich dafür entschlossen, ihn als letzten Song zu setzen?

Für mich ist „The Last Riff“ wie das Ende für dieses „weirde“ Kapitel unseres Lebens, in dem wir uns gerade befinden. Wenn wir die Lyrics vom Album in Gänze betrachten, geht es darum, wie ich in meine Emotionen hinabtauche und erzähle was ich während der Pandemie durchgemacht habe – was bestimmt viele durchgemacht haben. Es war, wie bereits erwähnt, sehr schmerzhaft und die Platte ist ziemlich düster und hoffnungslos auf vielen Ebenen, aber „The Last Riff“ ist wie eine Art Erlösung. Wenn man „Below“ komplett durchgehört hat, fühlt es sich irgendwie triumphierend an. Man schaut zurück und denkt sich “Hey, ich hab’s überstanden, egal wie schwer es war, wir können jetzt weitermachen und es kann nur besser werden”. Für mich ist es tatsächlich der positivste und hoffnungsvollste Song des Albums.

Natascha | MC: Zu guter Letzt würde ich gerne von dir wissen, worauf du dich am meisten freust, wenn ihr wieder nach Deutschland kommt. Schließlich der letzte Beartooth-Besuch dann schon zwei Jahre her?

Na die Shows natürlich. Es ist kein Geheimnis, dass wir am liebsten in Deutschland spielen. Ich freu mich auf unsere Fans, ich liebe das Essen – rundum ist es immer ein großes Vergnügen, in Deutschland zu sein. Ich wünschte, wir würden nicht im Winter touren, da ich kein Fan von Schnee und Kälte bin, aber so ist es nun mal. Ich kann es kaum erwarten.

Beitragsfoto zu Beartooth im Auftrag von MoreCore.de: Peter Detje (lostrealistphotography)

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