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Live beim Reload Festival 2019

Vom 22. August bis zum 24. August 2019 fand in Sulingen bei Bremen zum wiederholten Male das Reload Festival statt. ...

VON AM 28/08/2019

Vom 22. August bis zum 24. August 2019 fand in Sulingen bei Bremen zum wiederholten Male das Reload Festival statt. Mit rund 12.500 Besucherinnen und Besuchern konnte das Open Air seine Vorjahreszahl noch einmal toppen und positioniert sich damit an die oberste Stelle der Geschichte des Festivals. Da die Veranstalter im letzten Jahr mit der Technik an ihre Grenzen gekommen waren, wurde für 2019 ordentlich aufgerüstet. Es wurde eine auf Säulen stehende und bis Windstärke zwölf bespielbare Bühne aufgebaut und in ein kräftigeres Soundsystem investiert. Die witterungsfeste Bühne wurde an diesem Wochenende allerdings nicht benötigt. Das Reload startete am Donnerstagabend mit sommerlichen 20 Grad in das abendliche Warm-Up-Programm und kämpfte sich Freitag und Samstag durch Hitze und Staub.

Eröffnet wurde die Warm-Up Party am Donnerstag durch Bullseye, Copia und Cutthroat LA. Als kurz nach 21 Uhr Radio Havanna auf die Zeltbühne traten, war der Raum vor ihnen bereits gut gefüllt. Die Band tat nicht nur mit ihrer musikalischen Einlage alles, um die Menge aufzulockern – von der Bühne aus reichten sie fleißig Schnaps ins Publikum. Einige nutzen den schnellen Weg über die Köpfe der Anderen und kamen auf den Händen der Feierenden zur Schankausgabe gesurft. Anschließend traten Any Given Day vor ein gut gelauntes Publikum und lieferten wie gewohnt eine schöne Show ab. Die fünf Mannen aus Gelsenkirchen befinden sich augenscheinlich immer irgendwo im Vorprogramm und wissen, wie solche kleinen Zeltbühnen noch weiter aufheizen können. Ignite aus Kalifornien führten diese Strategie erfolgreich fort, bis das Abendprogramm in das DJ Set von Evil Jared überging. Der Bassist der Bloodhound Gang legte bis um 4 Uhr morgens auf.

Reload Festival

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Keiser

Trotz der langen Nacht standen am Freitagmorgen pünktlich zur ersten Band einige gut gelaunte Menschen vor der Hauptbühne. Aufgrund von Problemen ließ der Auftritt von Pressure Recall jedoch auf sich warten. Entlohnt wurde die kleine Gruppe vor der Bühne durch die Nu Metal-Band aus Löningen mit einem Animationsprogramm wie aus einem Lehrbuch für Festivalauftritte: Aufrufe zum Circle Pit, zur Wall of Death, zum Springen, zum Mitsingen und sogar zum Ausziehen von Kleidungsstücken, die über dem Kopf geschwungen werden sollten, wurden fleißig umgesetzt. Es folgten Evergreen Terrance mit melodischem Hardcore in einem leider gekürzten Set. Mit dem danach anstehenden Auftritt der schwedischen Band Thundermother nahm das Reload einen rasanten Genrewechsel vor und warf die Besucher und Besucherinnen musikalisch in die Hard-Rock-Phase der Siebziger Jahre zurück. Die vier Schwedinnen von Thundermother wurden bereits von jubelnden Fans empfangen und machten ordentlich Stimmung beim älteren Publikum.

Bei inzwischen 30 Grad saßen viele Besucher und Besucherinnen unter den schmalen Markisen der Verkaufsstände, um etwas Schatten zu erhaschen. Diejenigen vor der Bühne waren in der Mittagshitze beim Auftritt von Dog Eat Dog dankbar, ihren Input auf laute Ausrufe des Bandnamens beschränken zu können. Dog Eat Dog leiteten über zu Nasty. Die vier Belgier holten die Fans härterer Musik aus ihren Zelten und Schattenplätzen vor die Bühne. Schon zu ihrem ersten Song „At War With Love“ wurde der Boden unter dem Publikum aufgewirbelt und tauchte alle Anwesenden in eine dicke Staubschicht. Von sich aus öffnete die Menge den Pit zu einer eindrucksvollen Wall of Death. Mit dem einfachen Aufruf „Tornado, Mann!“ leitete Sänger Matthias anschließend von einem Circle-Pit zu nächsten. In der Manier traditioneller Hardcore-Bands wollte Matthias zwischendurch Gesellschaftskritik äußern. Statt kurze, griffige Botschaften zu liefern, verlor er sich jedoch etwas in Anekdoten zur Abzocke bei Handyverträgen und Gedanken zum Ende der Menschheit. Nastys Fans nahmen es ihm nicht übel und gaben zum Abschluss des Sets zum Song „Shokka“ noch einmal alles. Dafür kam der Sänger ans Absperrgitter gesprungen und ließ das Publikum in der ersten Reihe in sein Mikrofon schreien.

Nasty

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Keiser

Typisch für das Reload Festival sind harte Wechsel der Genres in der Running-Order. Wo andere Festivals die Bands nach Ähnlichkeit auf unterschiedliche Bühnen verteilt, schickt das Reload nach Glam Rock-Bands Hardcore-Gruppen und Deathmetal-Formationen auf die Bühne, um dann wieder die Fans von deutschsprachigem Punkrock zu bedienen. So wechselte das Publikum bis auf die tapfere erste Reihe munter durch. Mal standen fast ausschließlich Besucher und Besucherinnen im Merch aktuell beliebter Hard- und Metalcore Bands vor der Bühne, mal tauschten diese mit Anhängern klassischer Metalbands, Altrockern oder Punks mit schmelzenden Irokesen auf dem Kopf.

Für Fans des deutschsprachigen Punkrocks traten am Freitagnachmittag Sondaschule vor den staubigen Acker. Die bereits seit 20 Jahren bestehende Band aus Oberhausen tanzte ausgelassen auf der Bühne, was ihre Fans ihnen sogleich nachmachten. Friedlich wurde hin und her gesprungen und mitgesungen. Klassiker der Band wie „Dumm Aber Glücklich“ wurden lauthals über das Infield gegrölt. Sänger Costa Cannabis nahm sich zwischendurch die Zeit, gesellschaftskritische Themen anzusprechen und seine Musiktruppe politisch zu positionieren. Am Ende spielten sie ihren Song „Bist du glücklich?“. Ihre Fans schienen mit verklärtem Grinsen zu den hochgeschossenen Luftschlangen und Konfetti ein klares „Ja!“ als Antwort auf diese Frage zu finden.

Mit dem Auftritt von Soilwork war es anschließend wieder Zeit für die Metalheads, ihre Haare zu schwingen und den Staub fest zu trampeln. Die neue, monströse Bühne beim Reload Festival ließ den Boden vor ihr vibrieren und bretterte die tiefen Klänge der Schweden bis zu den Campingplätzen. Soilwork gaben weiter an Lordi aus Finnland, die in schweren Kostümen und Accessoires auftraten. Gefeiert wurde insbesondere ihr Hit „Hard Rock Hallelujah“.

Of Mice & Men

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Keiser

Zum Einbruch der Dunkelheit traten Of Mice & Men auf die Bühne. Sie feuerten Flammenwerfen ab und heizten damit die Menge nicht nur musikalisch ordentlich ein. Das Infield war inzwischen gut gefüllt. Platz für ordentliche Mosh-Pits vor der Bühne konnte trotzdem noch geschaffen werden. Frontmann Aaron Pauley überzeugte im Gesang auch bei den alten Songs, die ehemals von Austin Carlile performt wurden. Die Menge feierte besonders die Klassiker „Bones Exposed“ und „You Make Me Sick“. Highlight ihres Auftritts war ihre neuere Single „Pain“. Die große Bühne mit einer durchdachten Lightshow und dem großzügigen Einsatz von Pyro-Effekten standen der Band sehr gut.

Sabaton

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Keiser

Nach den australischen Hard-Rock-Legenden von Airbourne traten kurz vor Mitternacht Sabaton vor die Menge. Auf der Bühne war für die Schweden ein Kriegsszenario mit Kanonen, Stacheldraht und Sandsäcken aufgebaut. Der Schlagzeuger saß in einem nachgebauten Panzer. Ständig explodierte etwas, Asche regnete herab und Feuer spie in die Höhe. Die Power-Metal Band beschäftigt sich inhaltlich mit dem ersten und zweiten Weltkrieg und holt sich Ideen für neue Songs von ihren Fans. Am Freitagabend in Sulingen hatten sie in ihren eineinhalb Stunden Spielzeit ausreichend freie Minuten für Kommunikationsversuche mit den Besuchern. Sänger Joakim Brodén wirkte wie ein sympathischer Kumpeltyp, der seine Deutschkenntnisse zum Besten gab und auf „Noch ein Bier“-Rufe des Publikums einging.
Der Samstag begann gleich mit drei Front-Frauen: die Bands SETYØURSAILS, Eyes Set To Kill und Jinjer läuteten den letzten Festivaltag ein.

Set Your Sails

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Keiser

SETYØURSAILS sind die Gewinner des Reload Bandcontest 2019 und machen eingängigen Melodic Hardcore. Sängerin Jules überzeugte mit kraftvollen Screams und einer energetischen Performance. Die junge Band leitete professionell Aktionen im Publikum an und machte bereits vor Mittag richtig gute Stimmung vor der Bühne. Die Metalcore-Band Eyes Set To Kill setzen beim Gesang auf eine klassischere Aufteilung und ließen Rhythmusgitarrist AJ die rauen Töne übernehmen, während Leadgitarristin Alexia clean singt. Der Gegensatz von Alexias sanfter, klarer Stimme und dem gutturalen, aggressiven Gesang AJs wirkten sehr gut. Die ruhigeren Parts der Band passten in das frühe Programm und ließen die Besucher und Besucherinnen langsam wieder Bewegung in die Beine bringen. Die ukrainische Band Jinjer präsentierten einen wilden Mix verschiedener Genres. Frontfrau Tetjana heizte ordentlich ein und schrie auch den letzten müden Partygast vor der Bühne wach.

Einen kurzen Publikumswechsel beim Reload Festival brachten Massendefekt mit sich, bei denen die Punkrockfans wieder voll auf ihre Kosten kamen. Nach Walls of Jericho betraten Emil Bulls die Bühne. Emil Bulls sind regelmäßig im Line-Up des Reloads vertreten und scheinen hier eine loyale Fanbase zu haben. Auch am Samstagnachmittag initiierten die Menschen vor der Bühne immer wieder von alleine Circle Pits, begaben sich zum Crowdsurfing und riefen zwischen den Songs laut den Bandnamen aus. Das Set der Münchner bestand zu großen Teilen aus älteren Songs, was dem Publikum entgegenzukommen schien. „Here Comes The Fire“ und „When God Was Sleeping“ wurden ausgiebig mitgesungen.

Nach Emil Bulls begannen Bury Tomorrow ihr Set und der Raum vor der Stage füllte sich. Die Briten brachten eine Setlist mit, die fast ausschließlich ihr neuestes Album Black Flame umfasste. Der Opener „No Less Violent“ brachte direkt Bewegung in die Menge und Sänger Dan animierte weitere Pit-Aktionen. Auch die anderen Musiker standen nicht still, sondern transportierten ihre Energie ins Publikum. Zwischen den wütenden, lauten Parts mit gepflegten klassischen Breakdowns sorgte der Gesang des Gitaristen Jason für weiche Klänge. Die episch anmutenden Clean-Parts im Chorus wurden lauthals mitgesungen.

Bury Tomorrow

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Keiser

Nach Bury Tomorrow konnten sich die überwiegend jüngeren Fans des Metalcores noch einmal ausruhen, bevor While She Sleeps an der Reihe waren, während die Anhänger des Oldschool-Hardcore-Punks vor die Bühne traten und kopfnickend Agnostic Front lauschten.

While She Sleeps eröffneten mit „You Are We” und begeisterten mit der enormen Energie, die die Musiker auf der Bühne umtreibt. Da Sänger „Loz“ diesen Sommer nicht mit der Band auf Tour ist, wurde der Gesang durch den Bleed From Within-Sänger Scott Kennedy vertreten. Das tat dem Auftritt der Band keinen Abbruch. Die Fans feierten die mitgebrachten Songs nichtsdestotrotz. Besonders gut kam der Klassiker „Four Walls“ in Sulingen an. Mit der Single „Hurricane“ ließen die Briten zum Abschluss ihres Sets noch einmal eine gute Portion Staub aufwirbeln.

While She Sleeps

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Keiser

Nach Clawfinger und Hatebreed kam das Reload Festival mit dem Auftritt von Bullet For My Valentine zum Ende. Die vier Waliser positionierten sich breitbeinig vor einer großen Wand aus Strahlern und spielten routiniert ihr Set mit einer guten Mischung aus alten und neuen Songs. Klassiker wie „Tears Don´t Fall“ und „Your Betrayal“ kamen besonders gut an. Massenweise nutzten Besucher und Besucherinnen ihre letzte Chance für das Crowdsurfing und brachten die Security-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen im Bühnengraben kräftig ins Schwitzen. Das Festival endete auf der Hauptbühne mit „Waking The Demon“. Der letzte Ton der Band ging sogleich in ein imposantes Feuerwerk der Veranstalter über – das nur scheinbar ein bisschen zu tief gestartet wurde. Für die Menschen direkt vor der Bühne regnete es Funken und glühende Asche auf die nackte Haut und Kleidung. Der Bühnenvorplatz leerte sich somit recht schnell.
Im kommenden Jahr feiert das Reload Festival sein 15-jähriges Bestehen. Dafür wird das Festival ein Wochenende vorverlegt: so sei es möglich, mehr Bands in ihrem Tourneezyklus abzugreifen. Auf das Line-Up darf folglich gespannt gewartet werden. Tickets sind neuerdings direkt im festivaleigenen Shop-System bestellbar. Hiermit wollen die Veranstalter dem inzwischen recht groß gewordenen Festival wieder mehr eigenen Charakter verleihen.

Bullet For My Valentine BFMV

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Keiser

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