Live

MathcoreProgressive

Live bei: Rolo Tomassi & Cryptodira in Wiesbaden (16.07.2019)

Viel los ist ja noch nicht, als Cryptodira die Bühne betreten. Doch unbeirrt davon knüpfen die US-Amerikaner da an, wo ...

VON AM 20/07/2019

Viel los ist ja noch nicht, als Cryptodira die Bühne betreten. Doch unbeirrt davon knüpfen die US-Amerikaner da an, wo Between The Buried And Me anfingen in epischen Längen zu agieren. Tatsächlich klingt das Material, das die Band auf ihrem Debütalbum „The Devil’s Despair“ vorlegte verdammt stark nach dem alten, chaotischen, Mathcore beeinflussten Material, das BTBAM noch auf Alben wie „Alaska“ darboten.

Mit „Constituted I. Constitutum“ beginnt nicht nur das Album, sondern auch das Set der US-Amerikaner auf unfassbar brachiale und verspielte Weise. Kurze cleane Einwürfe erinnern an alte Opeth, während sich der teils sehr Mathcore-orientierte Sound unerwartet windet und dreht. Blast Beats folgen hier auf ruhige Parts und kreieren ein undurchschaubares Gespinst, das den Sänger und Gitarristen sichtbar in Anstrengung fesselt. Nichtsdestotrotz ist er es, der voller Energie über die Bühne springt.

Dem kürzlich verstorbenen Vater des zweiten Gitarristen gewidmet, boten Cryptodira ihren letzten Song dar und ernteten dafür großen Applaus. „In Hell As On Earth“ zeigt Parallelen zu Bands wie The Number Twelve Looks Like You und ist alles in allem ein unfassbar guter Track. Dementsprechend passen Cryptodira, die wohl kaum jemand im Saal vorher kannte, perfekt in das Vorprogramm von Rolo Tomassi und konnten vollends überzeugen. Danke dafür, denn mit Cryptodira habe ich eine neue Band in meiner Playlist, die ich sicher noch oft hören werde!

Rolo Tomassi

Wenn man die düsteren Synthesizer am Anfang von „Rituals“ hört, wird einem schnell klar, dass der folgende Track wenig positives mit sich bringt. Tatsächlich beginnen Rolo Tomassi mit diesem Song auf so verdammt düstere, bedrückende und aggressive Art und Weise, dass man ganz um die ätherischen Passagen der Band vergisst.

Rolo Tomassi beschränkten sich (fast wie erwartet) auf die letzten beiden Releases, „Grievances“ und „Time Will Die And Love Will Bury It“, einen alten Gassenhauer gab es also nicht zu hören. Zum einen schade, zum anderen nachvollziehbar, denn das Material, das Rolo Tomassi letztes Jahr veröffentlichten, ist mutmaßlich das stärkste der ganzen Bandgeschichte. Das beweisen Songs wie das aufgeregte „Alma Mater“, das eher ruhigere „Contretemps“ oder etwa „Aftermath“. Alle Songs fanden zwar nicht in die Setlist, doch zumindest war die Auswahl der Tracks von „Time Will Die And Love Will Bury It“ durchaus eine gute und spannende. Ergänzt wurden die neun Tracks durch vier weitere von dem 2015 erschienenen „Grievances“.

Insbesondere „Stage Knives“ wusste mit seiner Brachialität und seinem experimentellen Ansatz zu begeistern. Die Klimax des Sets, die zweifelsohne „A Flood Of Light“ mit seinem grandiosen Chorus entwickelt, wirkt wie ein Befreiungsschlag. Eine knappe Stunde elaborierten sich krumme Taktungen, schwellende Synthesizer und pures Geballer bis hin zu dem Punkt, an dem Rolo Tomassi ganz bedacht und verdammt smooth die letzte Hymne des Abends verkünden. „But there you are always“ hallt es aus bevor man wirklich begreift, welch eine Reise man die letzte Stunde bestritten hat. Man hätte keinen besseren Song wählen können um dieses Konzert zu beenden, passt „A Flood Of Light“ doch so unverschämt gut als runder Abschluss.

Mit dezenten Lichtern waren die Visuals gekonnt in Szene gesetzt und unterstützten das musikalische Geschehen stimmig, aber unaufdringlich. Zusammengefasst lässt sich festhalten wie unfassbar gewaltig, überwältigend und bezaubernd nicht nur die Musik, sondern auch die nahezu lupenreine Darbietung der fünf Musiker ist. Einzig Sängerin Eva Spence hatte ihre Schwächen am Anfang des Sets, ließ diese aber schnell hinter sich.

Setlist:
1. Rituals
2. Funereal
3. Balancing The Dark
4. Whisper Among Us
5. The Hollow Hour
6. Alma Mater
7. Stage Knives
8. Contretemps
9. Opalescent
10. Towards Dawn
11. Aftermath
12. Estranged
13. A Flood Of Light

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