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Death MetalMetalcore

Live bei: In Flames in Köln (04.12.2022)

Da kann man wirklich sagen: Alter Schwede!

VON AM 07/12/2022

Wenn eine Band mit dem Legendenstatus von In Flames nach Köln lädt, füllt sich auch in für die Live-Branche schwierigen Zeiten eine Halle wie das Palladium fast bis zum letzten Platz. Neben der Tatsache, dass die letzte Headliner-Tour der Band pandemiebedingt auch schon einige Zeit zurückliegt, dürfte auch der moderate Ticketpreis und das verheißungsvolle Vorprogramm einigen Besucher:innen die Entscheidung leichter gemacht haben.

Orbit Culture

In Flames haben nämlich eine vielseitige Mischung als Jung und Alt – oder sagen wir besser Reif – um sich geschart. Und wenn man sieht, wie voll das Palladium an diesem zweiten Adventssonntag schon zu Beginn um 18.30 Uhr ist, dann wird dies auch daran liegen, dass Orbit Culture als Opener eine gute Wahl waren.

Die Band, die wie alle Acts an diesem Abend aus Schweden kommt, kann allerdings auch nicht mehr wirklich als jung bezeichnet werden. Immerhin wird 2023 auch schon der zehnte Bandgeburtstag gefeiert. Die Band liefert in ihrem etwa 25-minüten Set einen mehr als soliden Auftritt ab. Wer will, kann hier schon mächtig in Bewegung kommen. Dass das Angebot aber vor allem von den ersten Reihen angenommen wird, liegt übrigens nicht am Sound, der schon bemerkenswert gut und klar ist.

Außerdem gibt die Band schon einen Vorgeschmack auf die kommende EP namens „Descent“. Das frühe Erscheinen hat sich also gelohnt. Und wer die Band noch nicht kannte, wird keinen allzu schlechten ersten Eindruck gewonnen haben.

Orbit Culture

Orbit Culture

Orbit Culture

Orbit CultureFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

Imminence

Auch Imminence scheinen im Palladium an diesem Abend so einige Fans zu haben, denn die Band wird mit reichlich Applaus begrüßt. Musikalisch geht es um einiges atmosphärischer zu als noch bei Orbit Culture. Schade, dass der Sound, der hierfür so wichtig ist, nicht mehr ganz mitspielt. Es ist weit weg von einer akustischen Katastrophe.

Doch zu oft klingt es undifferenziert und verwaschen. Schade, denn so fällt es schwer, die ganz großen Gefühle aufkommen zu lassen. Der Band kann man hier keinen Vorwurf machen. Denn gerade im Vergleich zu Orbit Culture merkt man ihr die Routine deutlich an. Die Bühne wird komplett eingenommen, das Publikum miteinbezogen. Schade nur, dass der Klang ein wenig im Weg ist.

Imminence

Imminence

Imminence

Imminence

ImminenceFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

At The Gates

Angesicht der Tatsache, dass auch In Flames schon über 30 Jahre als Band auf dem Buckel haben, ist das Publikum an diesem Abend verhältnismäßig jung. Dies dürfte wohl der Grund dafür sein, dass es die Veteranen von At The Gates schwer haben, mehr als das vordere Drittel für sich zu gewinnen.

Der Sound hat sich bei der Band, die wie der Headliner aus Göteborg stammt, wieder etwas stabilisiert. Er könnte aber – ähnlich wie bei Imminence – hin und wieder etwas ausdifferenzierter daherkommen. Dem Set, das den Schwerpunkt auf „Slaughter of the Soul“ (das letzte Album vor der zwischenzeitlichen Auflösung) und „At War With Reality“ (das erste Album nach der Reunion) legt, kann man ohne Frage gut folgen.

Und Überhits wie „Blinded By Fear“ sorgen schon für Stimmung. Davon abgesehen sind aber auch At The Gates in erster Linie nur Beiwerk für das, was letztlich nach ihnen folgt.

At The Gates

At The Gates

At The Gates

At The Gates

At The GatesFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

In Flames

Die Umbaupausen gehen übrigens zwischen allen Acts angenehm zügig vonstatten. Liegt es an der gemeinsamen Herkunft der Bands? Oder eher daran, dass sich die Tour seit dem Start vor drei Wochen schon perfekt eingespielt hat? Jedenfalls können In Flames schon kurz nach 21 Uhr starten. Und los geht es direkt mit „The Great Deceiver“, einem Song der im Februar 2023 erscheinenden, neuen Platte „Foregone“.

Mit „State of Slow Decay“ und „Foregone Pt.1“ spielt die Band an diesem Abend noch zwei weitere Songs der neuen Scheibe. Und es wird ihr auf der Bühne nicht entgehen, dass die Songs äußerst gut ankommen. Neue Songs live zu spielen ist bekanntlich immer ein gewisses Wagnis. Die Reaktionen hierauf können schließlich äußerst unterschiedlich ausfallen.

Doch was sich schon im Netz angekündigt hatte, zeigt sich auch im Palladium. Die neuen Songs kommen bei den Fans gut an. Der wieder mehr an die Anfänge der Band angelehnte Sound wird honoriert. Das wird insbesondere Fronter Anders Fridén freuen, hatte er doch noch im Interview mit uns auf dem Knotfest die Ehrlichkeit der deutschen Fans thematisiert.

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Apropos Anders Fridén. Der charismatische Sänger sorgt abseits der Setlist für einen Gänsehautmoment, als er sich bei den Fans für ihr Erscheinen und den Support bedankt. Gerade nach den Erfahrungen der Pandemie werde man diese Unterstützung nie wieder als selbstverständlich ansehen. Wow. Das geht unter die Haut. Das Band zwischen der Truppe und den Fans wird noch einmal etwas dicker.

In Flames

In Flames

In Flames

In Flames

In Flames

In Flames

In FlamesFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

Eine Setlist als perfekte Mischung

Ansonsten hält sich Fridén aber mit langen Ansagen zurück. Stattdessen lässt die Band lieber die 17 Song starke Setlist, die neben den neuen Songs einen guten Überblick über die bisherige Diskographie gibt, für sich sprechen.

Auch auf eine gesonderte Zugabe wird verzichtet, sodass die Menge, die inzwischen auch dank Klassikern wie „Only For The Weak“ bis in die letzte Reihe in Bewegung geraten ist, pünktlich um 22.30 Uhr in die Kölner Nacht entlassen wird. Das eher ungewöhnliche Unterfangen, die Tour vor das neue Album zu legen, hat sich für In Flames in jedem Fall gelohnt.

Und wer weiß? Gegen eine weitere Tour nach dem neuen Album hat sicher auch niemand etwas einzuwenden. Eines steht nach diesem Abend fest. In Flames sind noch lange für volle Hallen gut.

Beitragsbild im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Scholz

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