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AlternativeRock

Live bei: Fall Out Boy in Oberhausen (06.11.2023)

Endlich wieder FOB.

VON AM 09/11/2023

Über fünf Jahre sind vergangen, seitdem Fall Out Boy sich zum letzten Mal hierzulande haben blicken lassen. Seinerzeit ging es anlässlich der Veröffentlichung von „MANIA“ auf Tour. Trotz aller unbestrittenen und vielfältigen Talente der Band um Sänger Patrick Stump konnte das Album nur bedingt überzeugen. Zu viel Pop, zu wenig Rock – so die Kurzfassung der vielfach geäußerten Kritik. Ganz anders die Meinungen zum in diesem Jahr erschienenen Album „So Much (For) Stardust“. Zum einen die Rückkehr zu mehr gitarrendominierten Songs, zum anderen aber auch eine erneute Weiterentwicklung in Sachen Songwriting. Das Album ließ die Vorfreude auf die Tour in diesem Herbst noch einmal deutlich wachsen.

Und als wären Fall Out Boy nicht schon Grund genug, sich an einem herbstlichen Montagabend auf den Weg in die Rudolf Weber-Arena in Oberhausen zu begeben, hat das Quartett auch noch ein äußerst vielversprechendes Vorprogramm mitgebracht.

nothing,nowhere.

Den Startschuss in einer schon ordentlich gefüllten Arena setzt Joseph Edward Mulherin alias nothing,nowhere. Aller Anfang ist bekanntlich schwer und so dauert es auch ein wenig, bis es nothing,nowhere. gelingt, mit den Fans zu interagieren. An seiner Performance liegt das allerdings nicht, denn er legt ein äußerst hörenswertes 30 Minuten-Set hin. Vielmehr scheinen viele der Anwesenden sich bisher noch nicht mit nothing,nowhere auseinandergesetzt zu haben. Aufmerksames Zuhören statt völliger Ekstase ist da die logische Folge. Das Linkin Park-Cover „One Step Closer“ schafft es dann aber gegen Ende des Sets, etwas mehr Bewegung und Stimmung im Publikum zu erzeugen. Der Schlussapplaus deutet an, dass nothing,nowhere in Oberhausen zumindest einige neue Fans gewonnen hat.




Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schaefer (Cat Eye Photography)

Pvris

Pvris haben in Sachen Bekanntheit schon ein ganz anderes Standing als nothing,nowhere. Dementsprechend aufmerksamer ist das Publikum, als die Band um Lynn Gunn die Bühne betritt. Apropos Bühne: Auf der doch recht großen Bühne wirken Pvris zeitweise etwas verloren. Und so verfolgt das Publikum auch hier das Geschehen eher neugierig-interessiert als enthusiastisch. Doch auch im Fall von Pvris kann man der Band keinen großen Vorwurf machen. Der Sound ist zwar nicht immer optimal, doch das Set ist insgesamt schon sehr gelungen. Das Publikum hingegen ist – nicht untypisch für große Arena-Konzerte – doch vor allem für den Hauptact da und sieht die Vorbands eher als schmückendes Beiwerk.






Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schaefer (Cat Eye Photography)

Fall Out Boy

Und so steigt der Lärmpegel dann auch deutlich an, als das Fall Out Boy-Cover von „We Didn’t Start the Fire“ den Beginn der Show ankündigt. Und dann ist es schließlich soweit: Mit „Love From the Other Side“ beginn die große FOB-Party. Der Sound braucht etwa zwei, drei Songs, um das Niveau zu erreichen, das man von einer solchen Show erwarten kann. Band und Publikum sind aber von der ersten Sekunde an voll da. Gerade Patrick Stumps Stimme merkt an zu keinem Zeitpunkt das straffe Programm an, dass Fall Out Boy in diesem Jahr schon absolviert haben. Jeder Ton ist ein beeindruckendes Zeugnis seiner gesanglichen Qualitäten.




Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schaefer (Cat Eye Photography)

Auf allen Ebenen: Viel Liebe zum Detail

Und auch die Gestaltung der Bühne verdient ein großes Lob. Nicht nur, weil das Bühnenbild innerhalb des Sets immer wieder variiert. Sondern auch, weil Fall Out Boy in der Gestaltung viel Liebe zum Detail zeigen und man sich an der Gestaltung der Bühne nur schwer satt sehen kann.

Im ersten Drittel wird die große Bühne der Arena dann auch noch kurzerhand zur Club-Location umgewandelt und Fall Out Boy gehen mit Songs wie „Chicago Is So Two Years Ago“ oder dem Evergreen „Grand Theft Autumn/Where Is Your Boy“ ganz weit zu den Anfängen der Band zurück.

Fall Out Boy: Einmal quer durch die Bandhistorie

Wo wir schon bei der Setlist sind: Die dürfte kaum Wünsche offenlassen. Hat eine Band eine solche Diskographie wie Fall Out Boy, dann ist es schwer, alle Wünsche zu erfüllen und alle Alben gleichermaßen zu berücksichtigen. Aber Fall Out Boy gelingt die Gratwanderung so gut, wie es eben geht. Der Schwerpunkt liegt nachvollziehbar auf „So Much (For) Stardust“ und dem All Time-Favourite „Infinity On High“. Nur „Mania“ fehlt – das ist dann wohl auch ein klares Zeichen, dass man das vorletzte Album selbst nicht mehr als ganz so stark einschätzt.

Eine perfekte Rockshow – von vorne bis hinten

Highlights bietet das starke 26 Songs umfassende Set im Übrigen von vorne bis hinten. Langweilig wird es nie, denn Fall Out Boy liefern das ab, was man im Lexikon wohl unter dem Stichwort „Perfekte Rockshow“ finden würde. In Sachen Ansagen halten sich sowohl Patrick Stump als auch Mastermind und Bassist Pete Wentz, der sich zwischendurch zur Freude der Fans auf die Reise einmal bis zum FOH und zurück macht, angenehm zurück, wobei hin und wieder ein paar Anekdoten – zum Beispiel über die eher geringen Deutschkenntnisse Stumps – eingestreut werden. Mit „Saturday“ endet ein von Anfang bis zum Ende perfekter Abend schließlich. Bleibt nur zu hoffen, dass es bis zum nächsten Deutschland-Besuch nicht wieder über fünf Jahre dauert.








Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schaefer (Cat Eye Photography)

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