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AlternativeMetalcorePost-Hardcore

Live bei: Emil Bulls in Karlsruhe (02.12.2022)

25 To Life!

VON AM 06/12/2022

Schweiß, Schweiß und noch mehr Schweiß. Das beschreibt so ziemlich das Klima, das am Freitag den 02.12. im Karlsruher Substage von den Münchener Alternative Metallern der Emil Bulls auf ihrer „25 To Life Birthday Bash Tour“ ausgelöst wurde. Mit am Start waren die ortsansässigen Venues und die Post-Hardcorer von The Disaster Area.

Ich habe natürlich wirklich schon so einiges gesehen, was tanzmetallische Bewegungen und euphorische Schubsspielchen angeht: Moshen, Violent Dancen, „Wall-of-Deathen“. Im Normalfall: Je härter die Band, desto größer die Wahrscheinlichkeit, ordentlich was abzubekommen. Trotzdem werde ich seit einigen Jahren von einer Band diesbezüglich immer wieder überrascht. Die Ausnahme dieser Regel nennt sich Emil Bulls, eine Alternative Metal-Band aus München, die sich seit nun mehr 25 Jahren eine, wenn nicht eine DER fettesten und treuesten Fangemeinden überhaupt aufgebaut hat. Und obwohl die Bulls nicht gerade eine Brutal Death Metal-Band sind, stehen sie bezüglich „Club-Zerlegung“ ihren Szene-Kolleg:innen in nichts nach.

So ähnlich sah das auch wieder im Substage Karlsruhe aus. Im Kultladen für allerlei Rock- und Metal-Geschichten stehen die Emil Bulls bereits seit Jahren regelmäßig auf der Speisekarte und auch diesmal durften sich Sänger Christoph und Co. wieder davon überzeugen, dass sie in Baden eine unvergleichbare Fankurve aufweisen können. Der komplett ausverkaufte Laden beherbergte neben den Bulls außerdem zwei Support-Bands die die hungrige Menge anfüttern durften.

The Disaster Area

Den Anfang machen die ebenfalls aus Bayern-stammenden The Disaster Area, die mit einem kurzen, aber starken und stimmigen Auftritt den Konzert-Abend eröffnen. Auch mit Sänger-Ersatz geht es auf der Stage ordentlich ab und die Leute beginnen sich gemächlich von draußen und von der Bar Richtung Bühne zu begeben. Musikalisch unterscheiden sich The Disaster Area doch etwas mehr vom Main-Act als die nächstgelistete Kombo und bringen etwas härtere Klänge und Screams an den Start, das Publikum bleibt aber noch entspannt und lässt sich mehr berieseln als bereits wirklich körperlich aktiv zu werden.

The Disaster Area

The Disaster Area

The Disaster Area

The Disaster Area

The Disaster Area

The Disaster AreaFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer

Venues

Das ändert sich, als Venues auf die Stage kommen. Der Raum vorm Graben verdichtet sich. Einige wenige Fans halten Schilder mit dem Namen der Sängerin in die immer stickiger werdende Luft. Es dauert gar nicht lange, bis sich die ersten Moshpits öffnen und die Menge beginnt sich zu den Alternative-Metal(core)-Klängen der Stuttgarter hin- und herzuschieben.

Venues

VenuesFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer

Ein Track über Piraten trifft auf ein Stück über den inneren Kritiker. Lela und Robin, die Stimmen von Venues, suchen und finden Zugänge zur Bulls-Fan-Mauer und verzaubern den Substage-Hexenkessel zusammen mit Gitarre, Bass, wildem Schlagzeugspiel, fliegenden Drumsticks und einem farbenfrohen Mix aus zart und hart.

Venues

Venues

VenuesFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer

Zum finalen Publikumseinheizen ist sich die Venues-Sängerin auch selbst nicht zu schade dafür, in die Menge zu springen. Während der Circle Pit seine Runden um Lela Gruber dreht, genießt diese sichtlich den Augenblick und trällert einfach von dort aus weiter. Bühnenperformance, Mukke, Interaktion – alles stimmt beim Auftritt von Venues und die Leute sind heiß gemacht auf das, was nun kommt.

Venues

Venues

VenuesFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer

Emil Bulls

Der abschließende Aufruf von Clean-Vokalistin Lela Gruber für eine Luftzone (alias Wall of Death), um mal wieder richtig durchatmen zu können – ja doch, das fühl‘ ich. Im Substage ist es nach dem Auftritt mega warm, stickig und stinkig. Der Schweiß beginnt sich an den Wänden zu sammeln, genau wie die schwarz-bekleidete Meute sich nun dicht an dicht zwischen FOH und Graben zwängt. Es gibt kaum mehr ein Durchkommen, bloß in der Mitte herrscht noch etwas Luft. Sich dort zu positionieren wäre dumm, was jeder Fan weiß und jede:r Emil Bulls-Anfänger:in jetzt ganz schnell und übel lernen wird.

In dem Moment, als die Manowar-Hymne „The Crown And The King” sich laut und ehrfürchtig über den Pausen-Mix hinweghebt, spannt sich die Stimmung in Karlsruhe schlagartig an. Alle Blicke der dichtgepressten Menschenmenge wandern zum Banner, das nun fällt und die fünf Münchner Mannen der Emil Bulls enthüllt, die direkt mit „The Ninth Wave“ über das Publikum hereinbrechen.

Emil Bulls

Emil BullsFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer

Es gibt kein Halten mehr. Die Menge, die sich in einen riesigen, dauerhaften Moshpit verwandelt hat, der fast das ganze Substage ausfüllt, setzt sich in Bewegung. Die Bulls feiern und hauen mit „The Age Of Revolution“ und „Euphoria“ noch zwei echte Banger raus, die für – Achtung – flammende Euphorie in der Fankurve sorgen.

Emil Bulls

Emil BullsFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer

Auch wenn ich bereits auf dem ein oder anderen Headliner-Konzert der Band war, habe ich bisher die Emil Bulls vor allem auf Festivals angetroffen. Dort ähnelten sich die Setlists doch immer so stark, dass es eigentlich keine großen Überraschungen gab. Mit dieser Erwartungshaltung machte ich mich an diesem Abend auf den Weg ins Substage, doch ich wurde erneut eines Besseren belehrt: Nach „The Devil In the Deep Blue Sea“ und dem 22 Jahre alten Klassiker aus Anfangstagen („Smells Like Rock’n’Roll“) folgten die (für mich) eher unbekannteren „Leaving You With This“, „These Are The Days“ und „It’s High Time“, die der gemeine Bulls-Fan aber natürlich ebenfalls gebührend zu zelebrieren wusste.

Feiern, Faxen, Auf die Fresse – Ein Abend in gewohnter Bulls-Manier

In gewohnter Bulls-Manier mischen sich echte Mosh-Banger („Here Comes The Fire“), zu denen die Hütte mehr als nur brennt, mit tragischen Liebeskummer-Lyrics („Not Tonight Josephine“) und kraftvollen Hymnen („Hearteater“, „Nothing In This World“). Dazu gibt’s heute ein ganz besonderes Unterhaltungs-Programm, das Fan-freundlicher nicht sein könnte. Christoph ruft zur „Einführung“ neuer Emil Bulls-Fans in Form gemeinsamen Bier-Exens auf und findet Spaß daran, Gitarrist Andis Bart mit bunten Farben zu besprühen, während dieser versucht, fehlerlos das Intro von „Wolfsstunde“ rauf und runter zu spielen. Ob sich der Metal-Vocalist nun, wie er meint, selbst nicht davor scheut ebenfalls den Kopf gefärbt zu bekommen, oder ob es einfach an dem dritten geexten Bier liegt, ist uns an dieser Stelle auch relativ egal. Auf jeden Fall bekommt Herr von Freydorf nun ebenfalls von einem ausgewählten Fan etwas Farbspray auf den Schädel.

Emil Bulls

Emil Bulls

Emil BullsFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer

Nun rot hinter den Ohren geht’s in die zweite Runde mit einem kleinen, aber feinen Special-Concert-Moment. Für die Emil Bulls-Version von Destiny’s Childs „Survivor“ gibt es heute nochmal extra fetten Support von Venues-Sängerin Lela. Und auch wenn der Sound der beiden Mikros zusammen nicht ganz optimal bei mir an der Seite ankommt, die Energie der Künstler:innen auf der Stage tut es allemal. Und als wäre das nicht schon cool genug, gibt es nun nochmal richtig ordentlich bei den Fan-Lieblingen „Man Or Mouse“ und „Pants Down“ auf die Zwölf. Arme, Beine, Brillen, Schuhe. Alles fliegt durch den Moshpit, die Meute dreht zum Ende hin noch einmal so richtig auf. Ebenfalls wird in bester Tradition ein bestimmter, magnetischer Bulls-Fan aufgefordert, den Circle Pit zu eröffnen.

Emil Bulls

Emil Bulls

Emil BullsFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer

Die Emil Bulls verabschieden sich, um auf die „Emil – Bulls“ Gangshoutings der Menge ein letztes Mal für heute auf die Bühne des Substages zurückkehren. Zum Abschluss gibt’s nochmal die Essenz des Abends aus tragischer Romantik mit „I Don’t Belong Here“ und den klassischen Bangern „The Jaws Of Oblivion“ und „When God Was Sleeping“. Zum gelungenen Abschluss und der dritten, endgültigen Verabschiedung wird zu den Klängen von „Worlds Apart“ die letzte Wand des Todes an diesem Abend eingebrochen.

Emil Bulls

Emil Bulls

Emil BullsFotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer

Für uns geht ein feucht-fröhlicher und vor allem schwitziger Abend zu Ende. Ein wahres Emil Bulls-Feuerwerk der besonderen Art, das man in diesem Ausmaß wohl nur im Bulls-verrückten Baden oder in der Heimatstadt der Mannen, München, so erleben darf. Letzterer Fall tritt übrigens am 09. und 10. Dezember ein und Karten soll es für den ersten Abend wohl sogar auch noch geben. Just saying…

Beitragsbild im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer

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