
Alligatoah + Bluthund
Außerdem: The Butcher Sisters
Foto: Kirsten Otto (Kirsten Otto)
Außerdem: The Butcher Sisters
Foto: Kirsten Otto (Kirsten Otto)Text: Kevin als das MoreCore-Nordlicht zu bezeichnen, würde wahrlich zu kurz greifen. Zwar ist der leidenschaftliche St.Pauli-Fan in Hamburg zuhause, hat aber unverkennbar sowohl rheinländische als auch italienische Wurzeln. Genau so vielfältig wie sein Stammbaum sind auch seine Aufgaben bei MoreCore. Teil des Headquarters, Feel Good Manager und Redakteur auf allen Ebenen. Wie man daneben noch Zeit für Langstreckenläufe und den Viersaiter in einer Pop Punk-Band findet, weiß wohl nur Kevin selbst. Aber egal, was er macht: Er macht es gut und mit ganz viel Herzblut.
Fotos: Jenna, 33, aus Hamburg, kämpft seit Jahren erfolglos gegen volle Festplatten, volle Speicherkarten & den Irrglauben, dass sie Mal ein Wochenende frei hat. Für MoreCore ist sie hauptsächlich als Fotografin im Norden unterwegs, lässt sich für ihre Lieblingsbands aber auch problemlos quer durch Deutschland schicken. Mit einem Abschluss in Kommunikationsdesign arbeitet sie als Freelancerin im Bereich Graphicdesign & Fotojournalismus für Veranstalter, Magazine, Verlage usw. Musikalische Schubladen sind nicht so ihr Ding. Ob Rock, Metal, K-Pop oder der Soundtrack eines Films, den sie vor drei Wochen gesehen hat, wenn ein Song sie catcht, ist ein Platz auf ihrer Playlist so gut wie sicher. Neben MoreCore betreibt sie noch zwei eigene Musikmagazine. Umso schöner ist es für sie bei MoreCore einfach ihrer größten Leidenschaft nachzugehen: Konzerte fotografieren, Festivalmomente festhalten und das Geschehen vor, auf und hinter der Bühne einzufangen. Abseits von Konzerten trifft man Jenna auch auf den German Comic Cons, als Social Media Managerin, PA der Stargäste oder Hausfotografin. Im Gepäck hat sie aber immer: eine Kamera, ein Handy mit 99% Speicherplatzbelegung und ganz viele Anekdoten & Insider aus dem Backstagebereich oder Hollywood. 📸🤘🏻
Der Mann vom Mond ist zurück!
2023 sollte als ein sehr dunkles Jahr für alle Fans von Alligatoah in die Geschichte eingehen. So verabschiedete sich der Künstler von der Bühne und zog sich darüber hinaus auf allen Socials auf den Mond zurück. Es schien so, als wäre die Geschichte des Musikers auserzählt. Doch dann regte sich Hoffnung und erste Signale vom weit entfernten Himmelskörper deuteten auf neues Material hin. Im März 2024 war die Auszeit beendet und beinahe schon aus den Köpfen der Fans rausgeblasen, denn mit „off“ brachte Alligatoah nicht nur ein neues Album, sondern ein neues Metal-Album. Zu diesem Anlass wurden erste Shows bekannt gegeben, unter anderem ein ausverkauftes Konzert in der Hamburger Barclays Arena.
Die Erwartungshaltung war hoch, denn niemand wusste genau, wie sich das neue Set live anhören würde, wie Alligatoah einen Mix aus Rap-lastigen Nummern und Metal-Songs herstellen wollen würde. Doch niemand sollte an diesem Abend enttäuscht werden. So war von Beginn an klar, dass hier ein Fokus auf den neueren Stücken liegen würde. Dies wurde bereits vor Beginn des eigentlichen Konzertes deutlich, da die Pausenmusik ausschließlich aus Nu Metal- und Rock-Klassikern á la Korn, Limp Bizkit und Three Days Grace bestand. Doch auch die Support-Acts zeugten bereits von einer Mischung aus Rap, Rock und guter Laune.
Die vier Berliner von Bluthund stehen seit dem Beginn ihrer Karriere für einen gekonnten Genre-Mix. Dass diese Genreoffenheit auch für das musikalisch sehr diverse Alligatoah-Publikum galt, wurde spätestens dann deutlich, als man vereinzelt äußerst textsichere Menschen sah. So sprang der Funke trotz anfänglich recht leisen Vocals sehr schnell über.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (Jennas Photoworld)
Bluthund verstanden es, die Bühne einzunehmen und ihre eingängigen Songs in den Ohren der Hamburger:innen zu platzieren. Darüber hinaus nahm sich die Band, trotz des kurzen Slots von 20 Minuten, die Zeit, ernste Themen anzusprechen. Sänger Abraxas ermutigte Menschen, sich in mental schwierigen Zeiten in ihrem Umfeld Hilfe zu suchen und ihre Probleme auszusprechen.
Anmerkung der Redaktion: Solltest du selbst das Gefühl haben, dass du dich in einer belastenden Situation befindest, dann kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhältst du anonym Hilfe von Beratern, die mit dir Auswege aus schwierigen Situationen finden und eine tolle Stütze sein können. Danke, dass du es versuchst!
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (Jennas Photoworld)
Wer schon einmal ein Konzert von The Butcher Sisters besucht hat, wusste, was diese Band auf der Bühne treibt. Und so schaffte die Gruppe einen gelungenen Übergang aus harten Riffs, Sprechgesang und eine Menge Humor zum Hauptact des Abends. Die Darbietung der Gruppe glich dabei nahezu einem Autounfall, von dem man sich nicht abwenden konnte. Allerdings in einem unterhaltsamen Sinne.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (Jennas Photoworld)
So wurde das Publikum nicht nur mit Wasserpistolen beschossen, es wurde Zeuge einer Ausdruckstanz-Darbietung, trug ein Bananenboot und beherbergte eine Babypuppe im Moshpit. Mit dieser absurden Kombination aus Eindrücken trafen TBS einen sehr niedrigschwelligen Nerv beim Publikum, wodurch sich die Menge weiter aufheizte.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (Jennas Photoworld)
Und dann war es soweit. Mit einem lauten Knall fiel der Mann, der sich auf den Mond schießen ließ, auf die Bühne. Diese war im Stile eines 80er Jahre Großraumbüros aufgebaut und wies eine Menge Detailverliebtheit auf. So war auch die Band in Anzüge gekleidet, einzig Alligatoah stach anfangs im Fellmantel, später im roten Rollkragenpullover und No Angels-Shirt heraus.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (Jennas Photoworld)
Die Show gestaltete sich ähnlich absurd, wie man das von einer Alligatoah-Performance gewohnt ist. Neben dem Eindreschen auf einen Kopierer mit einem Baseballschläger und Weisheiten wie „Ein Büro zu zerstören ist nicht besonders nachhaltig.“, beschoss der Berliner Musiker Aliens mit einer Bazooka und spielte ein Gitarrensolo auf einem Schreibtisch. Klingt absurd und abgedreht? War es auch! Und genau das lieben Fans des Künstlers seit jeher.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (Jennas Photoworld)
Die Setlist beherbergte primär Songs des aktuellen Albums, jedoch sollten auch die Klassiker nicht zu kurz kommen. So funktionierte die Show wie eine Art Testballon, um die Resonanz des Publikums auswerten zu können. Und diese war durchweg positiv. Auch die Metal-lastigen Songs zündeten beim Publikum und sorgten dafür, dass das gemischte Publikum, welches sich unter anderem aus Trailerpark-, Wacken-, Casper– und Motörhead-Shirts zusammensetze, zu einer euphorischen Einheit verschmolz.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Jennifer Ehlers (Jennas Photoworld)
Damit könnte sich Alligatoah zu einem der tragenden Gateway-Acts im Metal entwickeln, da er dieses Genre einem ganz neuen Publikum näher bringt. Die Rolle dieser Darbietung und aller kommenden Shows ist daher nicht zu unterschätzen und kann mit großer Freude und Neugierde verfolgt werden. Enttäuscht wurde man an diesem Abend in Hamburg definitiv nicht.