
Text: Julia L. ist die zweite Julia im MoreCore-Bunde und ergänzt das Team gerne mit Rezensionen, News, Live-Berichten sowie kleineren und größeren Schreibarbeiten. Als Germanistin aus dem schönen Hessen ist sie ständig hin- und hergerissen zwischen “da ist ein grammatikalischer Fehler im Satz!” und “am liebste tät isch de ganze Tach nur hessisch babbele”. Tippt sie nicht gerade wie wild auf der Tastatur rum, um irgendetwas zu Papier zu bringen, findet man sie gerne mit ihrem Hund im Feld oder auf Shows und Konzerten im Rhein-Main-Gebiet. Für einige Bands fährt sie aber auch gerne mal nach NRW, Rheinland-Pfalz, Bayern oder Baden-Württemberg. Autofahren tut sie auch besonders gerne und hat dabei am liebsten gute Musik laufen. Leider will wegen der bei ihren Freunden verhassten “Schreimusik” kaum jemand mitfahren. Umso besser, denn dann hört niemand, wie schief sie mitsingt!
Fotos: Oliver Boltz
Everyone’s singing!
Knapp drei Jahre ist es her, dass sich All Time Low das letzte Mal in Deutschland haben blicken lassen. Und scheinbar hat die Band um Frontmann Alex Gaskarth (oder zumindest ihr Booker) ein kleines Faible für Köln, denn schon bei den wenigen Terminen, die sie 2023 spielten, war die schöne Stadt am Rhein dabei. Während man damals noch im Carlswerk Victoria auftrat, wagte man sich nun, drei Jahre später, mit dem neuen Album „Everyone’s Talking!“ sowie Mayday Parade und Taylor Acorn im Gepäck ins Palladium. Mit Erfolg: Die Show war restlos ausverkauft.
Taylor Acorn
Pünktlich um 19 Uhr startete Taylor Acorn als erster Act des Abends. Die US-Sängerin mag hierzulande noch ein bisschen unter dem Radar fliegen, sneakt sich aber schon seit einer Weile geschickt in einige Pop-Punk-Playlists auf den gängigen Streamingplattformen. Acorn sprang kurzerhand ein und ersetzte Four Year Strong, die eigentlich für die Tour gesetzt waren, aus gesundheitlichen Gründen aber kurzfristig ausfielen. Wir wünschen nur das Beste!
Taylor Acorn stellte sich schon sehr schnell nach dem ersten Ton als adäquater Ersatz heraus. Einige Fans hatte die Sängerin ebenfalls mitgebracht, die textsicher von der ersten Sekunde an dabei waren. Und gute Laune am direkt ganz automatisch mit.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Oliver Boltz (@boltzfotoundfilm)
Acorn brachte im Herbst ihr drittes Studioalbum „Poster Child“ auf den Markt und spielte sowohl daraus einige Stücke als auch Hits aus den Vorgängerwerken. Wir sind uns sicher, die Sängerin schon bald wieder begrüßen zu dürfen – vielleicht ja sogar mit einer eigenen Headliner-Tour?
Mayday Parade
Den zweiten Act des Abends mimten die Herrschaften von Mayday Parade. Vor zwei Jahren traten sie als Special Guest für Simple Plan schon im Palladium auf und wer dachte, dass man vielleicht aus den Akustikproblemen der durchaus schönen Location gelernt hat… wurde enttäuscht. Die Soundprobleme von vor zwei Jahren waren auch diesmal nicht minder problematisch, aber sei es drum. So laut wie das Publikum die Emo-Hits der Kombo aus Florida mitsang, war das auch nicht weiter schlimm.
Seit 2005 machen Mayday Parade bereits Musik und sind seit 2007 in der aktuellen Besetzung unterwegs. Während man auf dem ersten Album „A Lesson In Romantics“, das bis heute die größten Hits der Truppe bereithält, noch mit Doppelspitze am Mikro unterwegs war, übernimmt seit nun fast 20 Jahren Derek Sanders die alleinigen Vocals.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Oliver Boltz (@boltzfotoundfilm)
Die Setlist war gespickt mit Hits, die mit Abstand am besten funktionierten. Von „Jersey“ über „I’d Hate To Be You“ bis zu „Jamie All Over“ ließ man die Herzen der Elder Emos deutlich höherschlagen. Doch auch die anderen Stücke müssen sich wirklich nicht verstecken. Wer Mayday Parade noch „von früher“ kennt und mit den neuen Tracks nicht so firm ist: Hört rein! Es lohnt sich.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Oliver Boltz (@boltzfotoundfilm)
All Time Low
Um Punkt 21 Uhr gaben sich dann All Time Low die Ehre und das ausverkaufte Palladium war am Start. Und zwar sowas von am Start. Von vorne bis hinten, von oben bis unten hüpfte alles durch die Gegend. Eröffnet wurde das Set auch von guten tanzbaren Hits – geschickt gewählt. „SUCKERPUNCH“, „Weightless“ und „Poppin‘ Champagne“ machte schnell klar, was uns am Abend erwarten sollte. Wenngleich die Tour nämlich unter dem Deckmantel des neuen Albums „Everyone’s Talking!“ stattfand, brachten Alex Gaskarth und Co. natürlich dennoch ihre ganzen Hits mit. Und die wurden auch am effektivsten mitgesungen. Sorry not sorry.
Live sind ATL einfach eine absolute Wucht. Die vier Bandmitglieder sind alle seit Gründung 2003 Teil der Band und da merkt man einfach, dass die Chemie passt. Die Truppe wirkt eingespielt, ohne aufgesetzt zu wirken. Lustig, ohne dass es einstudiert daherkommt. Ernst an den richtigen Momenten, overpowered, wenn es zur Show gehört und stimmungsvoll, wenn die Songs es brauchen.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Oliver Boltz (@boltzfotoundfilm)
Das Retro-Bühnenset passte ebenfalls genau zur Attitüde, mit der das Quartett den Abend rockte. Die Setlist war geschickt gewählt, denn nach neueren Stücken folgte immer wieder ein Klassiker, der alle wieder zum Jumpen brachte. Für „Remembering Sunday“, im Original mit Juliet Simms, holte man sich noch mal Taylor Acorn auf die Bühne (toll!) und auf „The Weather“ gastierte Mayday Parade-Fronter Derek Sanders.
Nach eineinhalb Stunden endete die Show mit – wie soll es auch anders sein? – „Dear Maria“. Aufblasbare Flattermännchen schlossen den Abend gemeinsam mit der Band und ihrem größten Hit. Und die Fans? Die gingen vielleicht ein bisschen heiser, auf jeden Fall aber glücklich nach Hause oder erstmal an die Chaos-Jackenschlange. So oder so: Bitte nicht wieder drei Jahre Zeit lassen, bis ihr zurückkommt, liebe All Time Low’er!
