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Enter Shikari-Frontmann Rou Reynolds: „Wir waren zuerst Freunde und erst dann eine Band“
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Interview

Enter Shikari-Frontmann Rou Reynolds: „Wir waren zuerst Freunde und erst dann eine Band“

Der Talk zum neuen Album.

Kim Wiesweg/23. Apr. 2023· Aktualisiert 2. April/4 Min.Foto: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)
K

Kim Wiesweg


Nein, an den 24. Januar 2009 kann sich Enter Shikari-Fronter Rou Reynolds nicht mehr erinnern. Auch nicht, als wir ihn zu Beginn des Interviews direkt vor dem Luxor in Köln darauf aufmerksam machen, dass Enter Shikari an eben diesem Tag zum letzten Mal dort gespielt haben. Rou entschuldigt sich mit seinem generell schlechten Gedächtnis. Gar nicht nötig, denn schließlich haben die vier Engländer in den über 14 Jahren seit dem letzten Besuch im Luxor unzählige Locations bespielt.

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Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (stray.view)

So schön, dass man sich daran erinnern muss, ist das Luxor dann doch nicht. An die ersten Deutschlandbesuche kann sich Rou Reynolds allerdings schon erinnern. Vor allem die Tour 2007, als man gemeinsam mit Alexisonfire Billy Talent supporten durfte. „Wir waren noch Kids und wurden auf diese riesige Tour mitgenommen. Es war total aufregend. Ich war als Jugendlicher nie weiter weg als Guernsey (eine Insel im Ärmelkanal) und dann durften wir in diesen großen Hallen spielen“. Inzwischen machen Enter Shikari solche großen Hallen selbst voll.

Und wenn Rou Reynolds ehrlich ist, dann fühlt er sich auf einer größeren Bühne wohler als in engen, kleinen Clubs. „Natürlich sind auch diese Clubshows total intensiv. Aber in Hamburg hade ich gefühlt nur einen Quadratmeter Platz. Ich mag es einfach lieber, wenn ich mich mehr bewegen kann.“ Die Band wolle mit den kleinen Shows aber die Chance nutzen, die Songs des neuen Albums „A Kiss For The Whole World“ auszuprobieren, bevor es dann im Sommer auf die großen Festivalbühnen geht.

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Bei der Frage nach den größten Unterschieden zum bislang letzten Konzert im Luxor muss Rou Reynolds lange überlegen. Verständlich, schließlich hat sich nahezu alles geändert. Nicht geändert hat sich allerdings das Line-Up der Band. Wie schafft man es in diesem stressigen Business so lange zusammenzubleiben? Für Rou liegt der Schlüssel darin, dass sich die Band schon kannte und miteinander befreundet war, bevor sie anfingen, Musik zu machen. „Wir waren zuerst Freunde und erst dann eine Band. Das hilft vor allem in der Kommunikation. Wir können anders und besser aufeinander eingehen.“

Das Thema Brexit bewegt Rou Reynolds

Die Band ist also noch immer dieselbe wie damals, die Welt um sie herum allerdings nicht. Da wäre zum Beispiel der Brexit. Enter Shikari sind als Band groß genug, um die Bürokratie und die Mehrkosten, die durch den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU entstanden sind, aufzufangen. Doch Rou Reynolds sorgt sich um Nachwuchsbands, die es nicht mehr so einfach wie früher schaffen, den Ärmelkanal zu überqueren. „Wir haben uns als Band schon immer stark mit dem Festland verbunden gefühlt. Es gibt eine große kulturelle Verbundenheit.“ Das sei in den USA schon deutlich anders.

Enter Shikari seien dort beispielsweise längst nicht so bekannt wie hierzulande. Wenn es um die amtierende Regierung des UK geht, ist Rou Reynolds fast nicht zu bremsen. Abseits der gesamten Brexitproblematik ist ihm vor allem das Clubsterben auf der Insel ein Dorn im Auge. „Es werden reihenweise kleine Clubs geschlossen. Staddessen werden riesige Arenen gebaut. Aber wenn es keine kleinen Clubs mehr gibt, können Bands nicht mehr so wachsen wie wir es noch konnten“. Man merkt, dass der 37-jährige auch über seine Songtexte politisch vielseitig interessiert – und frustriert – ist. Zumindest sei die Performance der derzeit regierenden Tories so schwach, dass bei der nächsten Wahl in zwei Jahren ein Regierungswechsel wahrscheinlich sei.

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So lange wollten Enter Shikari mit den guten Nachrichten aber nicht warten – deshalb gibt es mit „A Kiss For The Whole World“ jetzt eine Art moderne Ode an die Freude. Beethovens Ode an die Freude war die erste Melodie, die Rou Reynolds als Kind auf der Trompete lernte – und jetzt gibt es viele Jahre später eine moderne Version.

Mit der Reaktion auf die neuen Songs sei die Band sehr zufrieden. Zum einen mit den Streamingzahlen und Kommentaren im Internet. Zum anderen aber auch mit der Reaktion des Publikums. Rou Reynolds kann sich nicht erinnern, dass neue Songs schon einmal so gut angekommen seien. Gute Aussichten für die nächsten 20 Jahre Enter Shikari.

20 Jahre müssen wir übrigens nicht warten, um Enter Shikari wieder bei uns begrüßen zu dürfen. Klar, auf den Festivals im Sommer. Doch was ist mit einer Tour? Die Clubshows waren schnell ausverkauft, viele Fans enttäuscht. Zwar gibt es noch keine konkreten Daten, doch Rou kann uns zumindest versichern, dass eine Headline-Tour geplant ist. Mit genug Platz für alle – auf und vor der Bühne.

Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (stray.view)

#Enter Shikari#Rou Reynolds

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