Emarosa Peach Club

Kritik: Emarosa liefern mit „Peach Club“ Sommer-Vibes im Februar

Etwa zweieinhalb Jahre nach dem letzten Album schlagen Emarosa mit ihrem neuen Werk ganz andere Töne an, als bis dato gewohnt. Ganze vier Songs gab es vor dem Release von „Peach Club“ zu hören, welche zugleich auch die ersten vier Songs des Albums sind. Dass es musikalisch in eine andere Richtung gehen könnte, war damals schon zu erahnen.

Das Album beginnt mit „Givin‘ Up“ und als ich den Song im November das erste Mal gehört habe, musste ich zweimal schauen, ob ich mich beim Interpreten nicht verlesen hatte. Es startet ziemlich „funky“ und das ist an der Stelle nicht als Floskel zu verstehen. Man findet keine verzerrten Gitarren, dafür Blechbläser und ein Saxophon-Solo. Viel weniger wehmütig als früher und viel mehr gute Laune. Halt so ein Song bei dem ich mitschnipsen muss, wenn er läuft und das meine ich hier sehr positiv.

Weiter geht es mit „Don’t Cry“, welcher für einen gewissen 80s-Synth-Vibe sorgt. Dieser Vibe verstärkt sich mit „Cautious“ noch deutlich mehr. Auch wenn der Text von nicht erwiderter Liebe handelt: Gäbe es zu diesem Song ein Musik-Video, würde darin wahrscheinlich ein Pärchen im roten Cabrio eine Küstenstraße entlang in den Sonnenuntergang fahren. „Get Back Up“ ist ein Song über das Scheitern und das Aufstehen danach. Mit „So Bad“ feiert dann der Funk nochmal ein starkes Comeback. Die insgesamt 3:30 Minuten grooven nur so vor sich her und ich kann mir kaum vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die hier nicht zumindest unbewusst mitwippen werden.

„Help You Out“ bringt so eine schwermütige Melancholie mit sich, die einen in eine Decke einkuschelt, Kerzen anzündet und einem sagen möchte, dass alles doch gar nicht so schlimm ist. Und dann kommt „xo“: Es werden die Barhocker auf die Bühne gestellt, das Licht abgedunkelt, ein Spotlight auf Emarosa-Frontmann Bradley Walden gerichtet und das Publikum entzündet die Feuerzeuge. „Hell of It“ könnte von allen Songs noch am ehesten von einem der älteren Alben stammen. Hier findet man verzerrte Gitarren und auch das Schlagzeug schlägt etwas härtere Töne an.

Nun folgt mit „Comfortable“ neben „xo“ der ruhigste Song des Albums. Ein Klangteppich aus Synths und einer sehr zarten Gitarre. Irgendwie plätschert der Song so an mir vorbei und so richtig bleibt nichts davon hängen. Für mich wohl einer der zwei schwachen Songs auf dem Album. Warum einer der zwei schwache Songs? Weil jetzt „IW2DWY“ an der Reihe ist und nein, ich habe keine Ahnung wofür die Abkürzung steht. Ich will es auch glaube ich gar nicht wissen, denn ich bin mir sehr sicher, dass ich diesen Song nie wieder hören werde. Ein total monotoner, eindimensionaler Möchtegern-Pop-Song ohne jegliche Spannung und in meinen Augen komplett belanglos.

Während sich „Comfortable“ noch irgendwie in das Album einfügt, wirkt „IW2DWY“ wie so ein Fremdkörper. Lässt man den Song weg, wäre der Übergang in den letzten Song „Wait, Stay“ auch deutlich eleganter. Leicht dahinfließende Gitarren, ein dezentes Schlagzeug und eine auf das wesentliche reduzierte Bassline harmonieren gut mit den mehrstimmigen Vocalparts. Als Abschluss funktioniert das in meinen Ohren ziemlich gut.

Fazit:

Ich finde es richtig gut, wenn Bands Sachen ausprobieren, die man ihnen vielleicht nicht direkt zutrauen würde und genau das machen Emarosa auf „Peach Club“. Ein neuer Sound, der für mich doch sehr erfrischend ist, hat mich knappe 37 Minuten gut abgeholt. Mit Ausnahme des Ausreißers „IW2DWY“ (ohne den es eine 7/10 geworden wäre) bin ich mir sicher, dass das Album noch das ein oder andere Mal bei mir durchlaufen wird. Vor allem wenn dann irgendwann der Sommer wieder anfängt, kann ich mir vorstellen, dass gerade „Givin‘ Up“, „Cautious und „So Bad“ an dem ein oder anderen entspannten Abend echte Hits werden könnten.

Wertung: 6,5/10

Band: Emarosa
Album: Peach Club
Veröffentlichung: 08.02.2019

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