
Kevin stellt den nördlichen Teil von MoreCore dar. Seitdem er zum Team gestoßen ist, ist er fester Teil der Redaktion und wird liebevoll "Redaktionsrambo" genannt, da er einfach überall am Start ist. Seien es Reviews, Konzert-Berichte, Interviews oder Unterstützung im MoreCore.TV Team, Kevin ist gerne dabei. Ursprünglich im Hardcore und Punkrock zu Hause, interessiert er sich für die unterschiedlichsten Genre und entdeckt gerne neue Künstler. Wenn es für MoreCore gerade einmal nichts zu tippen gibt, nimmt er auch selbst die Gitarre in die Hand und schrammelt etwas vor sich hin. Neben der Musik, Festivals und Konzerten begeistert Kevin sich für American Football und schlägt sich dafür mit Freude die ein oder andere Nacht um die Ohren.
Das Jahr 2020 stellt für uns alle eine eher dunkle Zeit dar, doch zum Glück versuchen die Herren von Massendefekt mit ihrem neuen Album die Hörer „Zurück ins Licht“ zu bringen. Die Platte beinhaltet 12 neue Songs und wurde gemeinsam mit Tim Schulte produziert. Ob die Band uns den Weg aus der Dunkelheit zeigen kann, das haben wir für euch schon einmal herausgefunden.
Nachdem die Düsseldorfer im Jahre 2018 ihr letztes Album „Pazifik“ veröffentlichten, stellt „Zurück ins Licht“ die Weiterentwicklung des Sounds dar und es scheint, als knüpfe die neue Platte nahtlos an das vorherige Werk an. Das Alum beginnt mit dem Song „Schiffbruch“. Ein Track, der bereits vor der Veröffentlichung mitsamt Musikvideo veröffentlicht wurde. Bereits nach wenigen Sekunden wird klar, dass Massendefekt auch im Jahre 2020 keineswegs leiser geworden sind, wenn es darum geht, die eigene Haltung nach vorne zu tragen.
Es handelt sich um einen eingängigen und gradlinigen Song, der sich thematisch gegen den Rechtsruck in Deutschland stellt und in Kombination mit der treibenden Punkrock-Musik einen positiv-melancholischen Grundsound bietet. Die Kernaussage hierbei wird ganz klar deutlich: „Wir geben dieses Land nicht aus der Hand.“
Mit dem anschließenden „Tun was ich will“ trifft die Band inhaltlich den Kern des Punkrock. Umspielt von einem wirbelnden Drum-Sound, der sogleich jeden Circle Pit-Liebhaber erfreuen wird, liefern Massendefekt einen Song, der sich gegen unnötige Belehrungen und Besserwisserei richtet. Hinzu kommt der trotzig-rotzige Gitarrensound, der das musikalische Bild komplettiert und die Aussage in ihrer Reinform nochmals hervorhebt.
Auffällig ist jedoch, dass der Refrain im Vergleich zu den Strophen deutlich schwerfälliger wirkt, was zu Teilen ungewohnt wirkt. Hervorzuheben ist allerdings der tanzbare, instrumentale C-Teil, der final durch den Gesang von Frontmann Sebastian Beyer aufgebrochen wird und in einen Refrain mündet.
„Autopiloten“ wurde ebenfalls für einen Videodreh genutzt und bereits veröffentlicht. Der Song zeigt die Band auf einem Flugplatz musizierend, während immer wieder Szenen aus einem Cockpit eingespielt werden. Der breite Gitarrenklang versprüht darüber hinaus einen eingängigen, treibenden Rock-Sound, der auch breitere Massen ansprechen dürfte und durchaus eine gewisse Radiotauglichkeit aufweist.
Und um das gesamte Thema abzurunden und auch in der Musik darzustellen, lassen es sich Massendefekt nicht nehmen und legen auf die Gesangsspur während der Bridge einen Filter, der das Ganze wie durch ein Funkgerät klingen lässt. Definitiv ein rundes Konzept!
Massendefekt zeigen die Größe ihrer Musik
Dass die Band es geschafft hat, ihre Musik auch auf ein größeres Level zu heben, ohne dabei die tiefsitzende Punk-Attitüde zu verlieren, zeigt sie beispielsweise in den Songs „Spuck in die Luft“ und „Daumen hoch“. Beide Songs strotzen vor Energie, erhalten durch den Background-Gesang zusätzlich einen hymnenartigen Charakter, der live sowohl in großen Hallen, als auch in kleinen Clubs funktionieren wird.
Darüber hinaus sind die Songs zwar einerseits gradlinig, andererseits durchaus herzlich-melancholisch und versprühen durch ihre reife Sicht auf gewisse Dinge, einen erwachsenen Charme. Dieses erwachsene Auftreten wird im Song „Freunde, dachte ich“ ebenfalls deutlich. Während von musikalischer Seite ein beinahe fröhlich-freundlicher Ton angeschlagen wird, thematisieren Massendefekt inhaltlich eine sehr einseitige Freundschaft.
Dies wird allerdings auf eine recht subjektive Art und Weise getan, die dem Song eine besonders persönliche Note zu verleihen. Auch „Antikörper“ fällt durch einen Kontrast zwischen Text und Musik auf. So handelt es sich doch um einen gradlinigen Protestsong, der darüber hinaus einen entspannten Laid-Back-Vibe ausstrahlt. Damit schafft das Stück es, die gewollte Message auf einem ganz neuen Weg unter das Volk zu bringen.
Aber auch „Totes Land“ besinnt sich an den ursprünglichen Punk-Sound und lässt dabei an den Stil von Bad Religion denken. Es handelt sich um einen eingängigen, schnellen Song, der ebenfalls das Potenzial zur Hymne besitzt und von Massen, wie aus einer Kehle, gesungen werden kann.
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Und dann gibt es sie doch noch. Zusätzlich zu den eingängigen, soliden Punkrock-Songs, die das Rad nicht unbedingt neu erfinden, allerdings durch die Bank weg funktionieren werden, gibt es an der ein oder anderen Stelle den Versuch, neue Elemente zum bestehenden Massendefekt-Sound hinzuzufügen. So beginnt „Letzte Worte“ mit einem elektronischen Drum-Beat und schlägt darüber hinaus eher düstere Töne an. Diese erinnern in ihrer Ausführung ein wenig an Bands, wie Selig. Die Stimmung kippt im Refrain, der förmlich explodiert und einen breiten Rock-Sound offenbart, der beinahe eine befreiende Wirkung hat.
Auch „Neelassma“ bindet in seiner Bridge Synthesizer-Klänge ein, die die Vocals gekonnt umspielen und sich optimal in das Soundkonzept des Tracks einfügen. Die Besonderheit am Song „Mehr!“ ist definitiv die Tatsache, dass sich zu den wirbelnden Drums und dem eingängigen Riff im Laufe des Stücks Rap-Parts gesellen. Diese verleihen dem Track eine ganz neue Note, die so bisher auch noch nicht auf „Zurück ins Licht“ zu finden war.
Das Album endet mit dem Song „Vergiss nicht“. Hier schlägt die Band noch einmal tiefergehende Töne an, die eine gewisse Dramatik mit sich bringen, welche besonders durch die Vocals getragen wird. Darüber hinaus kommt das Stück ohne einen richtigen Refrain aus, weicht daher von einer klassischen Songstruktur ab und besteht vielmehr aus unterschiedlichen, musikalisch klar trennbaren, Teilen.
Dies stellt zum Schluss von „Zurück ins Licht“ eine weitere Facette der Band dar und beweist nur einmal mehr, dass die musikalische Quelle von Massendefekt noch lange nicht versiegt ist. Wir sind gespannt, was wir dort in Zukunft noch erwarten dürfen.
Foto: Christian Thiele / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit ihrem Album „Zurück ins Licht“ schaffen es Massendefekt, sich das ein oder andere brennende Thema von der Seele zu schreiben. Das Ganze verpackt in einem gewohnt eingängigen Punkrock-Gewand und garniert mit der ein oder anderen Inspiration durch Synthesizer oder Rap-Support. Zwar wirkt die mitunter höhere Gesangsnote etwas erkämpft und auch die Lyrics besitzen an der dieser und jener Stelle einen eher eindimensionalen Touch; das Gesamtwerk auf den zwölf Songs strotzt allerdings vor Authentizität und Charme.

▶Tracklist 12 Songs
- 1Schiffbruch
- 2Tun was ich will
- 3Autopiloten
- 4Freunde, dachte ich
- 5Spuck in die Luft
- 6Letzte Worte
- 7Neelassmal
- 8Totes Land
- 9Antikörper
- 10Mehr!
- 11Daumen hoch
- 12Vergiss nicht
