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The Halo Effect - March Of The Unheard
ReviewDeath Metal

The Halo Effect

March Of The Unheard

Album

VÖ 10. Januar 2025Nuclear Blast Recordscd · vinyl
Tamara Jungmann/6. Januar 2025
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T

Wenn unsere Tamara nicht gerade mit ihrem Master in Musikjournalismus eingespannt ist, versorgt sie die Leserschaft mit Rezensionen und Interviews rund um Bands, die eigentlich nur noch unsere Eltern hören. Zu ihren Lieblingsfreizeitbeschäftigungen gehören Till Lindemann und Wacken. Sieht man sie nicht im Club oder durch einen Moshpit tanzen, steht sie hinter dem Tresen und mixt unverschämt gute Cocktails, um mit Freuden ihre Freunde abzufüllen. Neuerdings versucht sie sich auch als Pflanzenmutti und an der E-Gitarre. Ganze 3 Akkorde beherrscht sie schon, einer Karriere in einer Punkband würde also nichts mehr im Weg stehen.


30 Jahre, nachdem fünf Ex-In Flames-Mitglieder gemeinsam zur Schule gingen und die Welt der Rockmusik für sich entdeckten, folgt nun die musikalische Aufarbeitung dieser Erfahrungen in dem Bandprojekt The Halo Effect. Nach „Days Of The Lost“ wird dieser nostalgische Reiseblog durch die Gefühlswert der jungen Schweden nun mit „March Of The Unheard“ fortgeschrieben.

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2019 gegründet, hat die Supergroup um Dark Tranquillity-Frontmann Mikael Stanne und Gitarrist Niclas Engelin die komplette, moderne Schwermetall-Szene extrem durchgeschüttelt. The Halo Effect, deren Mitglieder aus der schwedischen Metal-Hochburg Göteborg stammen, liefern guten, alten Melodic Death, wie er in den skandinavischen Geschichtsbüchern steht, und versehen ihn mit einer modernen Note und der Erfahrung von fünf Spitzenmusikern.

Nachdem bereits ihre ersten Single-Veröffentlichungen eingeschlagen haben wie eine Bombe und das erste vollständige Album „Days Of The Lost“ 2022 die Bestenlisten jeglicher Jahresrückblicke anführte, dürfen wir uns gleich zu Beginn des Jahres 2025 über einen brandneuen Banger der Gruppe freuen: „March Of The Unheard“. Und kleiner Spoiler: Auch Album Nr. 2 wird seinen Erwartungen vollkommen gerecht!

The Halo Effect: So klingt “March Of The Unheard”

Niclas Engelin hat bereits im zuvor geführten Interview verraten, dass wesentlich mehr Zeit in die Produktion der Platte gesteckt wurde, als ursprünglich geplant war. Eine komplette zweite Runde Mixing und Mastering soll ihr aber durchaus gut getan haben – und auch wenn wir die erste Version von „March Of The Unheard“ nie gehört haben, können wir uns vorstellen, was Engelin damit meint.

Musikalisch gehen The Halo Effect nämlich keine Experimente ein oder probieren großartig neue Elemente aus. Dennoch klingt „March Of The Unheard“ einfach noch nach etwas „mehr“. Es ist kraftvoller, energischer und bombastischer – dennoch wirkt jedes Riff, jede Textzeile und jeder Effekt perfekt platziert, und gibt so der eigentlichen Message und Geschichte den Raum, den die Songwriting-Architekten Engelin und Strömblad mit ihrer endlosen Liebe für Metal-Musik und ihrem unbestreitbaren Genie gebaut haben.

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Auch wurde vermehrt in die Symphonic-Kiste gegriffen und einige Streich-, Blas- und Tasteninstrumente aus dieser herausgekramt (zum Beispiel das schwarz-romantische „Between Directions“), die im Kontrast zu modernen Synthie-Klängen und elektronischen Effekten („Conspire To Deceive“, „Cruel Perception“) stehen. Trotz allen kleinen Klang-Spielerein stehen aber die klassischen eingängigen Melodien, epischen Riffs und die faustschwingende Rhythmik („Detonate“, „Our Channel To Darkness“) im Vordergrund.

Zurück in die Vergangenheit

Auch thematisch bewegen wir uns weiterhin in der Jugend der Schweden. Und wenn man darüber nachdenkt, liegt es nahe, dass diese fünf Männer, die ihre ersten Bands mit 13, 14 Jahren gemeinsam in der Schule gründeten, nach 30 Jahren dort weitermachen, wo sie einst begonnen haben. Dabei werden schulische Erfahrungen thematisiert, die auch schon auf „Days Of The Lost“ angesprochen wurden. Auf „March Of The Unheard“ ist aber vor allem das Gefühl des Außenseiter-Daseins vorherrschend und das Wirrwarr aus Selbstzweifeln, Aggression, Hoffnungslosigkeit und der Suche nach der eigenen Identität – ein Gefühlschaos, was uns allen aus den eigenen Jugendtagen, aber auch heute noch bekannt sein dürfte. Sehr smart, hier wieder den Bogen zu zwischen den Jahrzehnten, zwischen Vergangenheit und Präsenz, zwischen jugendlicher Rebellion und erwachsenen Selbstzweifeln zu schlagen.

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Diese Thematik findet man in jedem Song unter unterschiedlichen Aspekten. Allen voran natürlich dem namensgebenden Titeltrack „March Of The Unheard“, in dem auch die Live-Kapelle aus Göteborg einen Gast-Auftritt hat (sowohl im Video, als auch als trommelnde Untermalung im Song). Hervorzuheben ist natürlich auch die unglaubliche Stimme von Stanne, der sowohl mit nachdrücklich-fauchendem Growlen überzeugt, erst recht aber Hörer:innen mit seiner verträumten, hypnotischen Clean-Vocal-Stimme in den Halo-Bann zieht (z.B. in „Forever Astray“).

Trotz all der mitschwingenden Unsicherheit, kann man sich dennoch darauf verlassen, dass The Halo Effect ihre Fans nicht im Regen stehen lassen. Denn der feste Anker ist ein Hoffnungsschimmer, der „March Of The Unheard“ trotz seiner nordischen Härte und Melancholie zu einem warmen, umarmenden und – im Hinblick auf das Thema – auffangenden Album macht.

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Eine kleine Neuerung

Und auch wenn die Platte eine Fortschreibung ihres zwei Jahre älteren Bruders ist, finden wir eine kleine Neuerung: Das erste Mal haben The Halo Effect auch zwei Instrumentals produziert und auf dem Album platziert. Einmal „This Curse Of Silence“ als elegante Überleitung zum Titeltrack und „Coda“ zum Schluss, das in seiner Ursprungsform bereits auf der vergangenen Tour als In- und Outro diente und in seiner reichen Gesamtheit das instrumentale Resümée des gesamten Albums darstellt.

Foto: Linda Florin / Offizielles Pressebild

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Fazit

9/10
· Hervorragend

„March of The Unheard“ ist in mehrerer Hinsicht etwas, das wir gebraucht haben: zum einen, um unser inneres Kind zu heilen, ihm Verständnis zu schenken und die Hand auf die Kutten-besetzte Schulter zu legen mit den Worten "Es ist okay, anders zu sein; es ist okay, nicht dazuzugehören." Zum anderen schafft das schwedische Mega-Gespann gleichzeitig düster, wie der nordische Winter, und umarmend, wie das blumige Midsommar-Fest, zu klingen. Der in den fünf virtuosen Ex-In Flames-Mitglieder lodernde Metal-Geist ist allgegenwärtig und klingt in den schillernden Arrangements aus epischen Melodien und mächtigen Riffs und Drums durch. Die Leistung von Sänger Mikael Stanne ist erneut unvergleichlich emotional – im harten wie im zarten Sinne. Ein auf mehreren Ebenen berührendes Album, das nicht nur die Essenz des guten alten Göteborger Melo Death einfängt, sondern auch thematisch zündet. Vielleicht jetzt schon das beste Album des Jahres.

The Halo Effect - March Of The Unheard

The Halo Effect

March Of The Unheard

Album

VÖ 10. Januar 2025

cd · vinyl

Nuclear Blast Records

▶Tracklist 12 Songs
  1. 1Conspire To Deceive
  2. 2Detonate
  3. 3Our Channel To The Darkness
  4. 4Cruel Perception
  5. 5What We Become
  6. 6This Curse Of Silence
  7. 7March Of The Unheard
  8. 8Forever Astray
  9. 9Between Directions
  10. 10 A Death That Becomes Us
  11. 11The Burning Point
  12. 12Coda
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Foto: The Halo Effect / Offizielles Pressebild

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