
Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.
Zugegeben, mit „The Final Episode“ hat „Where Do We Go From Here?“ nur noch wenig zu tun. Aber wie haben sich Asking Alexandria seit dem Kult Metalcore Album „Stand Up And Scream“ bis hin ins Jahr 2023 entwickelt? Insbesondere dann, wenn man die Band in den letzten Jahren nur wenig verfolgt hat?
Wie klingen Asking Alexandria 2023?
Der Opening Track überrascht mit rockiger Attitüde und bombastischem Post-Hardcore-Sound, der in groß klingenden Breaks aufgeht und im ersten Moment an den neugefundenen Sound der letzten Architects-Platte erinnert. Überraschend aber auch, dass Asking Alexandria mit Blast Beats über ihrem Refrain arbeiten und dezent sinfonische Elemente platzieren.„Bad Blood“ ist ein knüppelharter Track, der trotz seiner eingängigen Struktur und einem catchy Refrain nicht an Härte einbüßt und alle Hörer:innen der Platte direkt wachrütteln wird.
Auch „Things Could Be Different“ zeigt sich in knalligem Soundgewand, das vermehrt auf elektronische Elemente und wabernde Synthesizer baut. Zwischen tanzbaren Off Beats und prügelnden Breaks hauen Asking Alexandria bereits jetzt gewaltig nach vorne. Etwas poppiger, aber nicht weniger druckvoll agiert der ruhigere Track „Let Go“. Mit Alternative Rock Vibes brennt sich der Refrain direkt ins Gedächtnis und sorgt für Ohrwurmpotential.
Mehr als Metalcore
Mit Trap Beats bricht „Psycho“ nun gänzlich aus den Metalcore-Tagen der Band heraus. Vocal-driven hebt sich die Single schnell von den ersten beiden Tracks des Albums ab und zeigt auf semantischer Ebene, dass sich der Sound auf „Where Do We Go From Here?“ tatsächlich entwickelt. So zeigt auch „Psycho“ Aspekte der Metalcore-Wurzeln, insofern als das der Song kurzzeitig ausbricht.
„Dark Void“ führt letztlich zur Härte von „Bad Blood“ zurück, zeigt aber ebenfalls ein teils rockiges Bild. Es ist das Wechselspiel aus harten Passagen und groovigen Rockparts, die die Spannung innerhalb des Tracks aufrechterhalten. Eben diese Wechsel stehen Asking Alexandria auf diesem Album besonders gut.
Eingängiger Sound und kleine Überraschungen
Spätestens mit „Nothing Left“ wird klar, dass das dominierende Gesamtbild auf „Where Do We Go From Here?“ gleichbleibt. Ein bisschen ist auch genau das, das Problem des Albums. „Feel“ fällt kaum noch auf, da hier nur wenige neue Elemente hinzukommen. Einzig ein schneller Doublebass Part, der den poppigen Refrain kontrastiert, blitzt mit etwas Frische auf.
„Let The Dead Take Me” lässt ebenfalls kurzzeitig Blast Beats zu und baut auf schnelle Wechsel, welche die beiden Seiten Im Sound des Albums erneut klar abgrenzen. Etwas mehr Abwechslung bringt das 1-minütige „Kill It With Fire“, das mit Punk Attitüde, Up Beat Drums und schnellen Blast Beats am Ende des Albums doch noch für einen Überraschungsmoment sorgen kann.
Solide Arbeit
Der vorletzte Track sorgt nun aber wirklich nicht mehr für neue Höreindrücke, sondern reiht sich in die Solidität der vorherigen Songs ein. Mit dem Title Track des Albums zeigen Asking Alexandria nun noch eine akustische Ballade, die dem Album einen Ruhepol zum Ende beschert bevor sie in rockigem Sound dem Ende entgegen blickt. Im Fokus, wie so oft, der Gesang von Danny Worsnop – ein emotionaler Abschluss eines Albums, das Fans der Band auf voller Linie zusagen wird.
Instagram Post
Als jemand, der sich lange keine Musik der Band mehr angehört hat, lässt sich feststellen: das ist alles sehr solide, wenn auch das Attribut More of the same auf ganzer Albumlänge etwas zu sehr zum tragen kommt. Und ja: auch 2023 können Bands wie Asking Alexandria noch zu Teilen überraschen – reinhören lohnt sich.
Foto: Wombatfire / Offizielles Pressebild
Fazit
„Where Do We Go From Here?” ist ein durchweg solides Album, das vor allem durch seine starke Produktion punktet. Mit gutem Songwriting und einem guten Mix aus modernem Alternative Metal, Post-Hardcore und Rock liefern Asking Alexandria eine Platte, mit der Fans jede Menge Spaß haben können. Um ein Album für die Ewigkeit zu werden, fehlt es allerdings an dem gewissen Etwas – auch weil das, was Asking Alexandria hier bieten, schon oft zu hören war.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Bad Blood
- 2Things Could Be Different
- 3Let Go
- 4Psycho
- 5Dark Void
- 6Nothing Left
- 7Feel
- 8Let The Dead Take Me
- 9Kill It With Fire
- 10Holding On To Something More
- 11Where Do We Go From Here

