
Mauritz Hagemann
Dass As Everything Unfolds in diesen Tagen ihr drittes Studioalbum veröffentlichen würden, war vor einiger Zeit noch nicht absehbar. Der tragische Tod von Drummer Jamie Gowers im Sommer 2024 stellt die Zukunft der Band aus dem englischen High Wycombe erst einmal in Frage. Doch ausgestattet mit einem Plattendeal bei Century Media geht es für As Everything Unfolds weiter. Wir haben uns „DID YOU ASK TO BE SET FREE?“ einmal genauer angehört.
Schwermütiger Start, bevor Tempo aufgenommen wird
Die Platte startet mit dem schwermütigen „Denial“ eher gemächlich. Der Song bietet aber vor allem der Stimme von Sängerin Charlie Rolfe direkt die Möglichkeit, sich der Hörerschaft zu präsentieren. Die Mischung aus Clean-Gesang und Shouts war schon immer ein Markenzeichen der Band und ganz offensichtlich können wir uns auch auf der neuen Platte wieder über diese besondere Variabilität freuen. Wem der Opener zu träge ist, darf sich umso mehr über das ebenfalls bereits als Single veröffentlichte „Gasoline“. Der Song kommt nicht viel Tempo und einem erfrischenden Rhythmus daher. Schon früh in der Tracklist des Albums wird so klar, dass sich As Everything Unfolds auch auf Album Nummer 3 nicht all zu sehr an bestehende oder vermeintliche Genre-Grenzen halten wollen.
As Everything Unfolds setzen sich keine musikalischen Grenzen
Das gilt auch für die weiteren Songs in der ersten Albumhälfte. Mal liegt der Fokus auf harten Riffs, mal geht es deutlich ruhiger zu. So lässt „Find Another Way“ zu, dass der Fokus fast vollständig auf dem Gesang von Charlie Rolfe liegt. Er ist es letztlich auch, der sicherstellt, dass die insgesamt doch sehr unterschiedlichen Songs zusammengehalten werden. So wird der Facettenreichtum des Albums zum Pluspunkt. Wer Sorge hatte, der Wechsel zu Century Media sei ein Vorzeichen für mehr Metal-Einflüsse, wird sich jedenfalls nicht bestätigt sehen. Hin und wieder kommen wir zwar in den Genuss entsprechender Gitarren-Riffs. In „Break It Away“ werden wir sogar von einer kurzen Solo-Einlage überrascht. Im Großen und Ganzen bleiben sich As Everything Unfolds ihren in den über zehn Jahren Bandgeschichte entwickelten Sound aber treu.
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Auf Feature-Parts verzichtet die Band auf „DID YOU ASK TO BE SET FREE?“ übrigens weitgehend. Die Ausnahme bildet „What You Wanted“. Hier durfte sich Dani Winter-Bates von Bury Tommorow austoben. Dass der Song zu den Highlights der Platte gehört, liegt dann aber doch mehr am stimmigen Gesamtkonzept und dem eingängigen Refrain. Eine nette Ergänzung ist das Feature aber in jedem Fall.
Ein Album, das bis zum Schluss Highlights bietet
Auch im letzten Albumdrittel schaffen es As Everything Unfolds, die Spannungskurve hoch zu halten. Das liegt zunächst einmal an einem Song wie „Idol“, der mit viel Tempo und eingängigen Riffs jegliche aufkommende Müdigkeit in Sekundenschnelle wegbläst. Aber auch „Reverie“, in dem deutlich mehr experimentiert wird, hat definitiv seine starken Seiten. Mit „Setting Sun“ haben As Everything Unfolds schließlich auch noch den klassischen Schlussakt für uns parat. Ähnlich wie „Denial“ zu Beginn der Platte geht es hier in Sachen Dynamik eher tragend daher. Insbesondere Charlie Rolfe steckt noch einmal alles an Emotionalität in den Gesang. Gemeinsam mit der Leadgitarre und dem Piano verabschiedet sie uns würdig, bevor der Song im Finale noch einmal Fahrt aufnimmt. Ein mehr als gelungener Schlusspunkt eines Albums, dass vor allem durch den Gesang, aber auch durch seine musikalische Vielfalt überzeugen kann.
Foto: Zak Pinchin / Offizielles Pressefoto
Fazit
As Everything Unfolds zeigen auf „DID YOU ASK TO BE SET FREE?“, dass sie den eingeschlagenen Weg tapfer und unbeirrt weitergehen. Die Band weiß auf Album Nummer Drei sehr gut, wie sie klingen will und wie sie ihre Stärken am besten ausspielt. Das ist neben der musikalischen Vielfalt und der starken Produktion vor allem die Stimme von Charlie Rolfe, mit der in dem ein oder anderen Song sogar noch mehr möglich gewesen wäre.

▶Tracklist 12 Songs
- 1DENIAL
- 2GASOLINE
- 3POINT OF VIEW
- 4FIND ANOTHER WAY
- 5CUT THE LIES
- 6BREAK IT AWAY
- 7SET IN FLOW
- 8WHAT YOU WANTED (feat. Daniel Winter-Bates)
- 9IDOLS
- 10REVERIE
- 11EDGE OF FOREVER
- 12SETTING SUN

