
Phuong Ly Dao
So wie „ultraviolettes“ oder „UV-Licht“ das Motiv eines Filmnegativs in der Dunkelkammer enthüllt, so möchten uns auch As Everything Unfolds mit ihrem kommenden Album die verborgenen Spektren ihrer Gedankenwelt offenbaren.
Ob mit „Ultraviolet“ wirklich die große musikalische Erleuchtung einhergeht oder die richtige Wellenlänge eher verfehlt wird, verraten wir euch jetzt noch vor dem offiziellen Release am 21. April.
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As Everything Unfolds: Catchy, facettenreich und professioneller denn je
Sowohl der voranpreschende Opener „Ultraviolet“, der gekonnt gleich zu Beginn mit der vollen Bandbreite von Charlie Rolfes Vocals glänzt, als auch „Felt Like Home“, der Singalong-Track schlechthin, sind den Fans bereits als Singles bekannt. Ebenso zuvor ausgekoppelt wurde der dritte, etwas aggressivere Ohrwurmtitel „Slow Down“. Es wird mehr als deutlich, dass AEU ein Händchen für Singles haben, denn die mit „Blossom“ und „Flip Side“ insgesamt fünf zuvor veröffentlichten Vorboten verschaffen einen repräsentativen Einblick in die musikalische Palette, die die Gruppe mit dieser LP an den Tag legt.
Dabei mag manch eine:r versucht sein, das Album gleich nach dem ersten Hören gedanklich in die klassische „modern Post-Hardcore Newcomer“-Kiste wegzulegen. Doch ein weiterer, intensiver Spin wird sich lohnen! Besonders die qualitativ hochwertige Produktion der Songs, bei der übrigens auch Keyboarder Jon Cassidy seine Finger im Spiel hat, sticht hervor.
Für den Mix und Master wurde diesmal der US-amerikanischen Sound Engineer Taylor Larson (Periphery, Asking Alexandria, Veil Of Maya) ins Boot geholt. Dass dieser für seine Vocal-Magic sogar für einen Grammy nominiert wurde, ist nicht verwunderlich und deutlich hörbar. Schließlich steht hier wie zuvor auch Charlies beeindruckend wandelbare Stimme klar im Zentrum. Nahezu mühelos wirken ihre Wechsel zwischen Gänsehaut-Cleans und energetischen Screams, die vor allem in Tracks wie „Ultraviolet“, „Flip Side“ oder „Twilight“ faszinieren.
Elektronische Akzent und konzeptueller Tiefgang
Doch auch der Rest der Band bringt sich kohärent ein und bettet somit die Vocals in ein ausgewogenes, stimmiges Klangbild ein, ohne Instrument-Highlights zu vernachlässigen. So verpasst beispielsweise das groovy Gitarrenriff von „Saint Or Rogue“ dem Song eine eingängige Grundmelodie, die sofort ins Ohr geht. Über das gesamte Werk hinweg werden die vielschichtigen Kompositionen mit durchdachten Keyboard- und Synthesizer-Akzenten komplementiert, ohne dass diese dabei penetrant Überhand gewinnen.
Spätestens, wenn man in der Mitte der Platte angekommen ist, wird es bezüglich des Albumkonzeptes bei „Infrared“ Klick machen. Das mysteriöse, ruhige Interlude verrät uns in einer kaum hörbaren Tonspur, was es mit dem Titel der LP auf sich hat.
„If light has a slightly shorter wavelength than our eyes can see, it is invisible to us – but it is still real. We call that Ultraviolet Light.“
Somit erklärt sich Violett – die Farbe mit der kürzesten Wellenlänge innerhalb des sichtbaren Spektrums – als Key-Color des Albums, die sich in jeglichem Artwork und Videos wiederfindet. Denn die LP dreht sich um brutale Ehrlichkeit, ungefilterte Einblicke und darum, das tief Verborgene und Versteckte hervorzuholen und herauszufordern. Der emotionale und kreative Prozess spiegelt sich in der Symbolik eines Fotolabors wider. Umso spannender ist dies vor dem Hintergrund, dass Charlie selbst als professionell ausgebildete Fotografin und Kreativschaffende tätig ist. Dazu führt sie aus:
„[It] is an open work on the thoughts and feelings surrounding us at the time. The anger, the frustration, the progress, everything on show, nothing to hide. Darkroom practice is something that has been a large part of my creative path, finding links between the emotion in music, putting everything on display for all to listen and exposing a colour photograph, putting it on display for all to see. Only when you are exposed to Ultraviolet light can you see life in full colour.“
Streicher, Easter Eggs und noch ein Banger zum Schluss
Nach dem wuchtigen Track „Twilight“, der zwar kaum neue Elemente einbringt, jedoch Vorhandenes leicht verdaulich zusammenbringt, wird mit „Rose Bouquets“ ein Gang runtergeschaltet. Mit diesem Song und seinem auffälligen Streicher-Intro verabschieden sich As Everything Unfolds von ihrer vorangegangenen Album-Ära. Ihre 2021 erschienene Debüt-LP „Within Each Lies The Other“ wurde nämlich insbesondere mit roten Rosen assoziiert. Ebenso ruhig schließt sich „Daylight“ an, dessen nuancenreicher, strahlender Chorus epische Filmmomente untermalen könnte.
In Form von „All I’ve Ever Known“ entlässt uns das britische Fünfergespann mit einem Banger, der genauso gut ebenso eine Single hätte sein können. Von einem weiteren mitreißenden Opening-Riff geht es über viele Mitsing-Parts bis hin zu einer emotionalen Bridge zum Genießen. Zu guter Letzt gelangen wir mit einem leuchtenden Vocal-Effekt auch schon ans Ende der Platte.
Foto: Pearl Cook / Kreativdirektion: Charlie Rolfe // Offizielles Pressebild
Fazit
As Everything Unfolds präsentieren uns in „Ultraviolet“, wie gut sie den Spagat zwischen eingängigem Ohrwurmmaterial und technischer Finesse meistern können. Oberflächlich betrachtet könnte zunächst der Anschein generischer Genre-Muster abschrecken. Doch wer etwas tiefer gräbt, wird mit spannenden Layern, durchdachten Akzenten und einem poetischen Kreativkonzept belohnt. Im Vergleich zum Vorgänger „Within Each Lies The Other“ geht das Album nicht nur aus Produktionssicht, sondern auch kompositionell einen guten Schritt nach vorne.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Ultraviolet
- 2Felt Like Home
- 3Slow Down
- 4Saint Or Rouge
- 5Blossom
- 6Infrared
- 7Flip Side
- 8Twilight
- 9Rose Bouquets
- 10Daylight
- 11All I’ve Ever Known

