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NOFX - Single Album
ReviewPunkrockSka

NOFX

Single Album

Single

VÖ 26. Februar 2021Fat Wreck Chordscd · vinyl
Li Smilgies/23. Februar 2021
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L

Die junge Berlinerin ist buchstäblich in die Musikindustrie hineingeboren worden. Wenn sie nicht selbst mit verschiedensten Bands auf der Bühne steht, schreibt und interviewt sie mit Freude für uns als Redakteurin. Sie singt in Bands von Indiepop bis Rockabilly und spielt momentan Bass in einer Berliner Deathcoreband. Neben ihrer Ausbildung bei einem Indielabel geht sie normalerweise wöchentlich auf Konzerte und Festivals und möchte auch ihre Zukunft der Musikbranche verschreiben. So nahm sie vor einiger Zeit selbst das Zepter in die Hand und ist seitdem als Bookerin und Bandmanagerin tätig. Falls sie gerade nicht im Pit steht, findet man sie in der Hauptstadt vor und hinter der Bar oder am Adriatischen Meer als Reiseleiterin. Die kühle Blonde greift am Wochenende zum Gin Tonic und im Plattenregal nach Thornhill, Malevolence, Parkway Drive und Deez Nuts.


Nach einem kinky Interview freuen wir uns jetzt nur noch mehr: „Single Album“, die vierzehnte Scheibe von NOFX, erblickt am 26. Februar 2021 das Licht der Welt.

Fünf Jahre sind vergangen, seit Fat Mikes Label Fat Wreck Chords ihr letztes Album „First Ditch Effort“ herausbrachte. Falls ihr zur Neuerscheinung weitere Hintergrundinfos und Anekdoten herausfinden wollt, solltet ihr hier beim Interview que(e)rlesen!

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Wir legen jetzt aber die Nadel auf und erfahren einen Introsong aus dem Lehrbuch – oder? „The Big Drag“ erzählt uns eine lange Geschichte. Es gibt keinen Refrain und das einzige, was sich wiederholt, ist die Zeile „Nothing is ever gonna change, nothing will ever be ok“, zu Deutsch: „Nichts wird sich jemals ändern, nichts wird jemals in Ordnung sein“.

Der Song ist bei genauerem Hinhören musikalisch nicht alltäglich: So ist er gespickt mit unregelmäßigen Rhythmus- und Akkordwechseln und dementsprechend so kompliziert, dass nicht einmal die Band ihn bis jetzt von vorn bis hinten zusammen durchgespielt hat. Fast sechs Minuten geht dieser Auftakt und stimmt uns schon jetzt schwermütig.

NOFX schlagen ernste und düstere Töne an

Die erste Zeile „You‘d cover my face when you‘d fuck me“ und NOFX-typischere Klänge bringt „I Love You More Than I Hate Me“. Dass das Album etwas düster ist, sagte die Band schon im Voraus und an seinen Titeln kann man dies auch bereits ohne Blick auf die Lyrics selbst erahnen. Hier bekommen wir einen tieferen Einblick in Fat Mikes Gedanken in Sachen Liebe.

Kurz und knackig geht es danach weiter: Burketts Lieblingslyrics finden wir in „Fuck Euphemism“. Der mit seinem Sexleben sehr offene Mike ist queer und beschäftigt sich in diesem Song, der nicht politisch korrekt klingen mag, es aber 100%ig sein soll und ist, mit Euphemismen. Im Interview sagte er dazu: „Ich sage nicht, sie ‚ging von uns’, sondern sie ‚ist tot’. Scheiß auf diese Euphemismen.“ Das dazugehörige Video ist mit den vollständigen Lyrics ausgestattet, damit jeder hinterherkommt, bei all den „neuen“ Wortschöpfungen.

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„Fish In A Gun Barrel“, der nachfolgende Track, hat eine musikalisch unübliche Mood für die besungene Thematik. Der ausdrücklich weit vor der tragischen Schießerei in Vegas geschriebene Song hat leichte Reggae-Vibes und handelt dabei von einer Massenschießerei. Weibliche Backingvocals begleiten das Philosophieren über einen solchen Täter.

Wie es ist, in einem klaren Moment, “a moment of clarity,” zu realisieren, dass man drogensüchtig ist, davon erfährt man im nächsten Song. „Birmingham“ untermalt eine Drogen-Story mit NOFX-typischen Drums und Schrammelgitarre.

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Der folgende Titel wurde bereits als Single veröffentlich. Wem es bis dato noch nicht aufgefallen ist: das Wort „Linoleum“ ist im NOFX-Universum nicht ganz unbekannt. Es ist der Name eines Liedes des 1994 erschienenen Albums „Punk in Drublic“ und das hat in den vergangenen 20 Jahren seine Runde um die Welt gezogen und viele Musiker inspiriert. Hunderte Bands veröffentlichten Coverversionen, welche sich Mike eines Nachts be- und entgeistert ansah. Für ihn war dieser Song einfach kein Hit.

Er beschloss, diesen Bands etwas zu widmen und die Idee für „LinNEWleum“ war geboren. Unter anderem Avenged Sevenfold haben sich nicht lumpen lassen, Unterstützung zu leisten und in den Videos sieht man Einspieler vieler besagter Coverbands. Was für eine schöne Idee!

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Zu Song Nummer 7 stellt sich eingehend eine Frage: Was ist das Erste, das einem in den Sinn kommt, wenn man Krebs hat und sich dank des amerikanischen Gesundheitssystems keine Chemotherapie leisten kann? Richtig. Man geht zu meistmöglichen Shows von Fat Wreck Chords und schafft es am Ende, einen Abend mit Fat Mike zu verbringen und ihn zu bitten, einen Song über einen zu schreiben. Diese Story wird zumindest im Song erzählt und natürlich gibt es wieder einen literarischen Twist im Titel: „My Bro Cancervive Cancer“. Ein kürzerer Song, aber auch das bleibt nicht unkommentiert.

Fat Mike und Co. zeigen sich von ihrer melancholischen Seite

Thematisch rund um das Lebensende verharren wir auch für den nächsten Song. „Grieve Soto“ handelt vom Bandgründer der Adolescents, Steve Soto, welcher vor einigen Jahren mit nur 54 Jahren verstarb. Der Text nimmt eine Wendung, als Gitarrist Eric Melvin das Singen übernimmt und Mike warnt, „respektvoller und weniger unausstehlich“ zu sein.

Nach thematisch bedrückenden allgegenwärtigen Themen gibt es nun düstere Rückblicke auf die 80er Jahre der L.A. Punk-Szene. Damals starben etliche Menschen, darunter viele Freunde von Mike, an der Kombination zweier verschreibungspflichtiger Medikamente, die gemeinsam einen ähnlichen Rausch wie Heroin auslösen sollen. Das Video zu „Doors & Fours“ enthält Szenen der Band aus den frühen 80ern und ist dadurch ein historischer Hingucker. Musikalisch bleibt es nach einem langen Intro eher ruhig und eine besonders melancholische Stimmung belegt das Hören.

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Abgerundet wird das Album dann von einer – ihr lest richtig – Pianoballade. Das Ganze natürlich weitestgehend in NOFX-Manier. Mike singt von einer toxischen Beziehung und möchte wissen, ob er nur der letzte Ausweg, der letzte Hafen, seines Gegenübers war. „Quitting drugs was the easiest part, the hardest thing was detoxing from you!“ singt er, das Beiseitelegen der Drogen war einfach im Vergleich dazu, von dieser Beziehung loszukommen.

Dass er mittlerweile eine neue Partnerin hat, erzählte er mir im Interview freudestrahlend. Es scheint, als könnte man so ziemlich alles schaffen, wenn man sich nur traut, über seinen Schatten zu springen.

Damit haben wir dann das 14. Album der Kalifornier durchgehört. Falls euch das noch nicht genug war, könnt ihr euch aber freuen. Mike erwähnte, dass noch für dieses Jahr bereits eine weitere Platte geplant wird – jetzt haben wir ja aber erstmal das wortwörtliche „Single Album“.

Foto: Jonathan Weiner / Offizielles Pressebild

Fazit

7/10
· Gut

Man muss es der Band anrechnen, dass sie einen auch mit einer zweistelligen Albumhistorie noch überraschen können und Sänger Fat Mike auch weiterhin Neues zu besingen hat. Es ist ein NOFX-Album der anderen, der düsteren, Art und allein für einige lyrische Spielereien sowie Denkanstöße lohnt sich das Hören definitiv. Natürlich wurde das Rad nicht neu erfunden, aber es gibt auf jeden Fall eine Menge Melancholie zu entdecken.

NOFX - Single Album

NOFX

Single Album

Single

VÖ 26. Februar 2021

cd · vinyl

Fat Wreck Chords

▶Tracklist 10 Songs
  1. 1The Big Drag
  2. 2I Love You More Than I Hate Me
  3. 3Fuck Euphemism
  4. 4Fish In A Gun Barrel
  5. 5Birmingham
  6. 6Linewleum
  7. 7My Bro Cancervive Cancer
  8. 8Grieve Soto
  9. 9Doors And Fours
  10. 10Your Last Resort
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Foto: Joe Leonard / Offizielles Pressebild

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