Review

EmoPop-Punk

Kritik: Knuckle Puck - "20/20"

Jeder hat gewisse Bands, die man immer ein wenig auf dem Schirm hat, aber trotzdem nie dazu kommt, sich ruhig ...

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Jeder hat gewisse Bands, die man immer ein wenig auf dem Schirm hat, aber trotzdem nie dazu kommt, sich ruhig hinzusetzen und die Platten richtig bewusst anzuhören. Bei mir gehören unter anderem Knuckle Puck zu diesen unentdeckten Perlen. Und was gäbe es für eine bessere Gelegenheit, in die Diskografie der fünfköpfigen Pop-Punk-Band aus Chicago einzutauchen, als eine Review zur neuesten Platte mit dem fast schon unheilvollen Namen „20/20“ zu verfassen?

Mit dem energiegeladenen Titeltrack startet die Platte, die insgesamt elf Songs enthält, direkt mit treibendem Schlagzeug, Mitsing-Chorus und einem Gefühl, dass vielleicht doch alles irgendwie gut wird. „We’ll never get a second chance, so what’s the point in holding back”, singt Frontmann Joe Taylor umrahmt von farbigen, mehrstimmigen Backing Vocals.

So gibt bereits der erste Track dem Hörer sofort einen richtigen Motivationsschub, den Rest dieses Jahres nochmals richtig in Angriff zu nehmen.

Knuckle Puck liefern den Gute-Laune-Soundtrack für den Herbst

Das Album ist ein Mix aus nachdenklicheren Tracks wie „Tune You Out“ oder „Miles Away“ und fröhlichen Mitsinghymnen, vollgepumpt mit wunderbar ineinandergreifenden Gitarrenlines und knackigen Bassriffs. Es ist der Sound einer junggebliebenen Band, die aber doch zehn Jahre nach der Gründung mit dem dritten Album musikalisch gesehen erwachsener geworden sind.

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Die Songs und die Produktion kommen geordneter daher als die Vorgänger und die Energie, die sie aus ihren Amps dröhnen lassen, wirkt kontrollierter. Besonders die mehrstimmigen Gesangsparts geben den Lyrics noch mehr Tiefe, wobei es dann schade ist, wenn manche Zeilen zu abgeschmackt (bei „Earthquake“) oder zu repetitiv (Chorus von „What Took You So Long“) rüberkommen.

Eines der Highlights ist der Gastauftritt von Mayday Parade-Sänger Derek Sanders, dessen Einsatz einen guten Kontrast bildet zu den sonst so hellen, klaren Vocalparts auf dem ganzen Album, die sicherlich auch nicht jedermanns Sache sind. Gerade als Freund der härteren Klänge wünschte ich mir doch den einen oder anderen Song, der weniger clean und glatt daher kommt.

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Nach Umherstöbern durch ältere Veröffentlichungen von Knuckle Puck findet man doch gewisse Tracks, die vor allem gesanglich angezerrter daherkommen. Doch Knuckle Puck bleiben auf „20/20“ ihrem Gute-Laune-Sound stets treu, bei dem man bereits beim zweiten Mal hören gut mitsummen kann.

Die Zelebrierung des „Hier und Jetzt“

Gitarrist Nick Casasanto kommentiert den Release des Albums treffend folgenderweise: „Es gibt so viele Dinge, über die man wütend sein kann momentan, und anstatt dazu beizutragen, wollten wir den Leuten einen Grund geben, sich gut zu fühlen“.

Und tatsächlich fühlt sich das Album wie eine Zelebrierung dessen an, was man zwischen Zukunft und Vergangenheit oft vergisst, nämlich das Hier und Jetzt.

Foto: Anam Merchant / Offizielles Pressefoto

Knuckle Puck auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für Knuckle Puck. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
20/20
Künstler: Knuckle Puck

Erscheinungsdatum: 18.09.2020
Genre: ,
Label: Rise Records
Medium: CD, Vinyl

Tracklist:
  1. 20/20
  2. Tune You Out
  3. Sidechain
  4. Earthquake
  5. RSVP
  6. Breathe
  7. What Took You So Long?
  8. Into The Blue
  9. Green Eyes (Polarized)
  10. True North
  11. Miles Away
Knuckle Puck 20/20
Knuckle Puck 20/20
7.5
FAZIT
Natürlich erfinden Knuckle Puck mit „20/20“ den Pop-Punk nicht neu, bieten aber trotzdem viel Erfrischendes. Mitsing-Tracks mit einer geballten Ladung guter Laune reihen sich neben nachdenklichere Songs, die aber alle etwas gemeinsam haben: Knackige Basslines, wunderbare mehrstimmige Gesangszeilen, schön ineinandergreifende Gitarrenlines und treibende Schlagzeugrhythmen.

Mit so sorgfältiger, breiter Instrumentierung kann man auch teils zu helle Vocalparts und lyrische Ausrutscher problemlos verzeihen.