
Kevin stellt den nördlichen Teil von MoreCore dar. Seitdem er zum Team gestoßen ist, ist er fester Teil der Redaktion und wird liebevoll "Redaktionsrambo" genannt, da er einfach überall am Start ist. Seien es Reviews, Konzert-Berichte, Interviews oder Unterstützung im MoreCore.TV Team, Kevin ist gerne dabei. Ursprünglich im Hardcore und Punkrock zu Hause, interessiert er sich für die unterschiedlichsten Genre und entdeckt gerne neue Künstler. Wenn es für MoreCore gerade einmal nichts zu tippen gibt, nimmt er auch selbst die Gitarre in die Hand und schrammelt etwas vor sich hin. Neben der Musik, Festivals und Konzerten begeistert Kevin sich für American Football und schlägt sich dafür mit Freude die ein oder andere Nacht um die Ohren.
Neues aus der Schreckenskammer des Ruhrgebiets. Mit „Hollywood Suicide“ liefert Ghøstkid sein zweites Studioalbum. Das Vorgängeralbum, welches ebenfalls „Ghøstkid“ hieß, wurde im Jahr 2020 veröffentlicht. Die neue Scheibe erscheint am 22. März 2024 und beinhaltet elf Tracks. Wie der 2024er-Sound des Geisterjungen klingt, erfahrt ihr in unserer Rezension.
Ghøstkid legt sein neues Album vor
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Generell ist zu sagen, dass „Hollywood Suicide“ an den bereits bekannten Sound von Ghøstkid anknüpft. Es ist spürbar, dass die Jahre zwischen den beiden Releases genutzt wurden, um sich dem eigenen Sound zu widmen und gleichzeitig den Markt nach den derzeit aktuellen Richtungen zu scannen. So ist es kaum verwunderlich, dass man den ein oder anderen Einschlag auf der neuen Ghøstkid-Platte vielleicht schon einmal etwas abgewandelt gehört hat.
Einzigartig, oder doch nicht?
Dies beginnt mit dem titelgebenden Song, gleich zu Beginn des Albums. Die elektronischen Synthesizer und Beats bauen eine wabernde Stimmung auf, welche durch eine Mischung aus Sprechgesang und wütenden Screams unterbrochen wird. Besonders die gesprochenen Passagen erinnern dabei stark an die Richtung, welche Bands, wie LANDMVRKS, oder Stray From The Path bereits eingeschlagen haben. Der Unterschied besteht darin, dass besonders erstere Band einen starken südfranzösischen Grundton im Rap aufweisen, dieses markante und einzigartige Kriterium fehlt Ghøstkid hingegen.
Der Song „Murder“, welcher ein Feature mit dem Künstler Inhuman ist, weist durch seine starken und eingängigen elektronischen Einflüsse und allen voran durch die hochgepitchte Zweitstimme Spuren von aktuellen Stücken von Bring Me The Horizon auf. Zusätzlich ziehen sich die Zwischenparts, welche ohne Gesang aufkommen und eigentlich das Ziel haben, Spannung aufzubauen – doch dies funktioniert leider nicht ausreichend. Zu guter Letzt ist es auch die ungewöhnliche Gesangsmelodie, die das Hörgefühl verstimmt.
Last, but not least weist auch der Song „Heavy Rain“ markante Elemente auf, die man bereits von anderen Künstlern gehört hat. Ein ruhiges Intro, bedrohlich-wabernde Soundteppiche im Retro-Gewand und eine gehörige Portion Drama? Das könnte der eine oder die andere in einer ähnlichen Form bei Motionless In White gehört haben. Vergleichbar wäre beispielsweise hier der Song „Werewolf“.
PSSSST!
Ja, Ghøstkid versucht es, er versucht musikalische Varianz auf „Hollywood Suicide“ zu etablieren. Hierfür nutzt der Musiker Stilmittel, die sich im Laufe des Albums allerdings wiederholen. Ein zentrales Merkmal sind dabei sehr leise gesprochene, bzw. nahezu geflüsterte Vocals, die einen nahezu manischen Effekt erzielen sollen. ASMR-Fans aufgepasst: Songs wie „Valerie“ oder „Ugly“ sind definitiv Tracks für euch! Allen außerhalb dieser Vorliebe könnte dieses Mittel ein wenig auf die Laune schlagen, da es über die Dauer mehrerer Songs durchaus belastend wirkt. Positiv hervorzuheben ist, dass besonders bei „Ugly“ der gesangliche Wechsel zwischen Drama und Wut außerordentlich gelungen ist.
Ghøstkid liefert eine Spannungskurve
Sucht man musikalische Highlights auf „Hollywood Suicide“, dann findet man diese auch. Besonders das letzte Drittel des Albums weist Schmuckstücke auf, die einen starken Wiederhörfaktor besitzen. So beginnt es mit „Bløød“, einem aggressiven, schnellen und treibenden Song, der besonders durch die Variationen an den Drums eine unterschwellige Vielfältigkeit besitzt und so manch ein Circle Pit mit sich ziehen wird! Zwar wirkt im Vergleich dazu der Refrain beinahe abschwächend, die Grundstimmung zieht sich hingegen über den gesamten Track hinaus.
Auch die letzten beiden Songs auf Ghøstkids neuster Veröffentlichung, „Dahlia“ und „Helena Drive“, besitzen eine herausstechende Qualität. Auf „Dhalia“ spielt der Musiker seine Stärken gekonnt aus. Es sind die cleanen Vocals, starke Screams und ein bisschen musikalischer Wahnsinn, die die optimale Ghøstkid-Mixtur darstellen. Hinzu kommt ein fesselnder Refrain, der auch über die Songlänge hinaus im Ohr bleibt.
„Helena Drive“ bietet dann den fulminanten Abschluss. An dieser Stelle wird die Dramatik-Schraube noch einmal angezogen, wodurch ein schöner, bittersüßer Song entsteht, welcher nicht unbedingt dem klassischen Ghøstkid-Gewandt entspricht, jedoch catchy klingt und auch über die Szene hinaus ein Potenzial besitzt. Alles in allem muss jedoch gesagt werden, dass diese drei Highlights nicht ausreichen, um aus „Hollywood Suicide“ ein Album zu machen, das mit einer herausstechenden Qualität oder einem besonders scharfen Geist besticht.
Foto: Benjamin Klose / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit seinem zweiten Studioalbum „Hollywood Suicide“ knüpft Ghøstkid zwar an seinen ursprünglichen Sound an, enttäuscht jedoch in Summe. Zahlreiche Einflüsse des Albums weisen wenig Neues auf und wurden in der Vergangenheit von anderen Bands deutlich druckvoller umgesetzt. Weitere Stilmittel besitzen durchaus ihre Daseinsberechtigung, wiederholen sich auf den elf Tracks allerdings und nutzen sich dadurch ab. Highlight-Songs findet man auf diesem Album im letzten Drittel, damit schafft es Ghøstkid sein Potenzial anzudeuten. Wir hoffen, dass es beim nächsten Release effizienter ausgeschöpft wird.

▶Tracklist 11 Songs
- 1Hollywood Suicide
- 2S3x
- 3FSU
- 4Heavy Rain
- 5Valerie
- 6Black Cloud
- 7Ugly
- 8Bløød
- 9Murder Feat. Inhuman
- 10Dahllia
- 11Helena Drive
