Review

Punkrock Rock

Kritik: ENGST - "Irgendwas ist immer"

„Irgendwas ist immer“. Das ist nicht nur der Titel des neuen und bereits dritten Albums von ENGST, der Band um ...

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„Irgendwas ist immer“. Das ist nicht nur der Titel des neuen und bereits dritten Albums von ENGST, der Band um Fronter Matthias Engst. „Irgendwas ist immer“ ist wohl auch eine äußerst passende Umschreibung der Situation, in der wir uns alle derzeit wiederfinden. Gefühlt schlittert die Welt von einer Krise in die nächste. Wird eine Baustelle beendet, beginnt irgendwo die nächste. Ist „Irgendwas ist immer“ also der perfekte Soundtrack für den Herbst 2023? Wir hören mal rein.

Ein Start, der Laune macht

Das Album startet mit einer von ENGST schon bekannten Mischung als Punkrock und Deutschrock. „Digitale Liebe“ bietet nicht nur einen musikalischen äußerst energischen Einstieg, sondern wird auch textlich mit einem mitreißendem Refrain seiner Aufgabe als Opener voll und ganz gerecht. Schnell wird klar, dass wir von ENGST auch auf „Irgendwas ist immer“ genau das bekommen, was uns die Band seit inzwischen acht Jahren bietet.

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Straighte Musik, straighte Texte. Dass es dabei sowohl auf der musikalischen als auch auf der lyrischen Ebene hier und da auch mal etwas zu trivial zugeht, zeigt ein Song wie „Geschichte schreiben“. Eine Mischung aus „Haben wir schon oft gehört“ und „Funktioniert immer“. Zumindest sorgen die Synthie-Klänge im Intro für den Überraschungseffekt – ob dieser zu gefallen weiß, ist sicher Geschmacksache.

ENGST – Mehr als ein Soloprojekt

„Irgendwas ist immer“ macht in jedem Fall schnell deutlich, dass ENGST inzwischen eine eingespielte Band ist. Das Quartett weiß, was es kann und will. Auch wenn der Name es vermuten ließe, will Matthias Engst die Band nicht als sein Soloprojekt verstanden wissen. „Ich glaube, das funktioniert auch nur genauso. Mit mir, Ramin Tehrani, Yuri Cernovolov und Chris Wendel. Wenn da einer gehen würde, wärs das glaube ich mit ENGST.“, ist sich Matthias Engst der Bedeutung seiner Bandkollegen für den Erfolg von ENGST sehr bewusst.

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Dass es sich bei allen vieren um versierte Musiker handelt, wird aufgrund der enormen musikalischen Bandbreite, die uns auf „Irgendwas ist immer“ geboten wird, mehr als deutlich. Dennoch übertreiben es ENGST mit dieser Vielfalt nicht, sondern dosieren ihre musikalischen Variabilität so, dass am Ende immer noch ein klar strukturierter (Punk)rocksong im Mittelpunkt steht.

Mehr Giesinger als Fjørt

Während „Irgendwas ist immer“ also musikalisch durchaus und auch durchweg zu gefallen weiß, sind es die Texte, die hin und wieder ein paar Bauchschmerzen bereiten. Klar, wir hören bei deutschen Texten wohl alle kritischer hin als bei englischen. Da wird man gerne schon mal unterbewusst und vielleicht sogar ungewollt zum Deutschlehrer. Doch es nützt ja nichts. Wenn man sich einmal mit den Texten beschäftigt, dann bleibt man auch dabei.

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Und um eines klarzustellen: Von Fremdschämen sind die Texte auf „Irgendwas ist immer“ weit entfernt. Aber sie schaffen es nicht immer, die schwierige Gratwanderung zwischen Max Giesinger und Fjørt beziehunsweise zwischen dem Meister der Belanglosigkeiten und dem Streber-Trio mit dem Thesaurus unter dem Arm erfolgreich zu meistern. Irgendwo in der Mitte würden sich die Texte von ENGST sicher gut machen. Tatsächlich tendieren sie mehr in Richtung Süddeutschland als nach Aachen, um mal bei den gerade genannten Beispielen zu bleiben.

45 Minuten beste Unterhaltung

Aber auch Texte sind bekanntlich in erster Linie Geschmacksache. Und dass ein Song wie „Idiot“ vor allem dank es klaren Textes ein Gänsehaut-Kandidat ist, zeigt, dass die Band definitiv ein Gespür für den richtigen Text zur rechten Zeit hat. Ein weiterer Pluspunkt auf „Irgendwas ist immer“? Passend zum Albumtitel hat jeder Song irgendetwas an sich, dass ihn zu einem Song macht, den man gerne hört. Lückenfüller findet man jedenfalls vergeblich. Die musikalische Vielfalt, die gute und variable Stimme von Matthias Engst, die verschiedenen Themen, die lyrisch angegangen werden. All das sind die Zutaten für 45 Minuten beste Unterhaltung und die Gelegenheit, in diesen turbulenten Zeiten einmal abschalten zu können. „Irgendwas ist immer“? – Manchmal muss auch Zeit für Musik sein.

Foto: Jürgen Cernovolov / Offizielles Pressebild

ALBUM
Irgendwas ist immer
Künstler: Engst

Erscheinungsdatum: 20.10.2023
Genre: ,
Label: Arising Empire
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Digitale Liebe
  2. Geschichte schreiben
  3. Drei Uhr nachts
  4. Wir werden alle sterben
  5. Nie wieder Alkohol... vielleicht
  6. Umtausch ausgeschlossen
  7. Idiot
  8. Kopf hoch
  9. Fette Jahre
  10. Nachbar
  11. Blut auf dem Asphalt
  12. Erwachsen werden
  13. Die letzte Runde
Engst Irgendwas ist immer
Engst Irgendwas ist immer
7
FAZIT
ENGST machen auf „Irgendwas ist immer“ genau das, was die Band seit ihrer Gründung 2015 ausmacht. Eingängige und dennoch facettenreiche Songs, gepaart mit ebenso eingängigen Texten. Dass gerade lyrisch aus „eingängig“ mitunter „einfältig“ ist, wirft zwar einen Schatten auf die Platte. Doch „Irgendwas ist immer“ bekommt in der Gesamtschau immer noch eine ganze Menge Licht ab.