
Two and a Half Girl: Das nächste Brett aus den Niederlanden
Ein ziemlich vielversprechendes Ausrufezeichen.
Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Rund 17,5 Millionen Menschen leben in den Niederlanden – in etwa so viele wie in Nordrhein-Westfalen. Dass unsere Nachbarn allerdings eine überproportional talentierte Musikszene besitzen, lässt sich anhand von Bands wie 18 Miles, John Coffey, Tusky, For I Am King, Hawser oder Mayleaf nicht von der Hand weisen. In diese Fußstapfen könnten auch Two and a Half Girl treten, die mit ihrem Debüt-Album “Evidence Of A Broken Mind” ein erstes, aber richtig fettes Ausrufezeichen setzen.
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Die Talent-Schmiede der Niederlande
“Nun ja. Es ist immer schön, wenn die Leute sagen, dass ihnen die Platte gefällt. Wenn man so lange daran gearbeitet hat, neigt man dazu, den Überblick zu verlieren”, erklärt Gitarrist Daan Lutgerink. Wie viele andere Bands hatten Two and a Half Girl eine verlängerte Zeit zur Verfügung, um ihr Material fertigzustellen, was auf Dauer die Objektivität beeinträchtige. Der frische Blick von außen sei nun eine Wohltat.
Two and a Half Girl haben sich 2018 in Utrecht gegründet. Nachdem sie ihre Debüt-EP “Prove You Wrong” im Folgejahr veröffentlicht hatten, legte die Band einen für die Niederlande nicht unüblichen Werdegang hin. “Ich denke, die musikalische Infrastruktur in den Niederlanden ist relativ gut organisiert. Als Newcomer Band kann man schnell in einem lokalen Pub spielen. Wenn man das oft genug gemacht hat und die Kneipen inzwischen voll sind, kann man immer noch einen kleinen Schritt nach oben machen und anfangen, in kleinen Locations zu spielen. So kann man sich ganz gut hocharbeiten“, berichtet Lutgerink.
Schnell konnte das Quintett Shows mit Memphis May Fire, Tiny Moving Parts oder auf einer “After-Show-Show” von Alter Bridge in Amsterdam spielen. Zudem gäbe es Initiativen wie das Popronde, das Newcomer-Bands quer durchs Land und auf diverse Bühnen bringe. Letztendlich ein weiterer Beweis, welche Bedeutung die Talententwicklung in den Niederlanden besitzt. Dazu passt auch, dass zum Beispiel das Jera On Air Festival regelmäßig noch unbekannte, aber besonders spannende nationale Bands ins Rennen schickt.
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Dennoch scheinen sich Two and a Half Girl darauf nicht allzu sehr auszuruhen und agieren stattdessen proaktiv und vor allem kreativ: Neben einem eigenen Fanschal, der eine Verbundenheit ähnlich wie bei Fans von Fußball-Teams symbolisieren soll, hat die Band auch schon ihr eigenes Bier gebraut, was passend zur Release Show der neuen Platte verkauft wurde. Hierzu habe man die örtliche Brauerei vandeStreek direkt angefragt, die sofort dabei gewesen sei. Bei der Release Show sei es entsprechend feuchtfröhlich zugegangen.
Two and a Half Girl: Bockstarkes Debüt
Musikalisch reihen sich die Niederländer:innen grob in die Tradition von Bands wie John Coffey oder Tusky ein – also irgendwo zwischen Punkrock und Hardcore mit einer Prise Rock‘n’Roll, während Sängerin Juliët van de Laak mit ihrer rauen und eindringlichen Stimme überzeugen kann. Die unterschiedlichen Einflüsse der Band, von den Foo Fighters bis Pierce The Veil, seien manchmal nicht ganz einfach unter einen Hut zu bringen, was dafür aber die Chance bereithalte, etwas Einzigartiges und Frisches zu erschaffen. Generell könne man sich aber auf Bands wie Comeback Kid, Paramore, The Story So Far und Every Time I Die einigen.
Diese Einflüsse lassen sich durchaus auch in “Evidence Of A Broken Mind” wiederfinden. So sind Songs wie “Fire” oder “Black Sheep” eher langsam und hymnenhaft, letzterer sogar mit leichtem Country Vibe, gehen “Self Made Suffering”, “Problems That Do Not Exist” und vor allem “70” dagegen gut nach vorne und lassen Moshpit-Enthusiasten vor Freude tanzen.
Mit “70” positioniert sich die Band zugleich auf Seiten der LGBTQ+ Community: “I still can’t be myself in 70 countries”. Das Video dazu wurde auf der Utrecht Pride Parade gedreht. “Man kommt natürlich mit den Menschen dort ins Gespräch und wir hatten das Gefühl, dass viele Leute dankbar waren, dass wir unsere Plattform für diese Botschaft genutzt haben. Ich habe das Gefühl, dass unsere Fans ziemlich aufgeschlossen sind und das könnte eine Erklärung dafür sein, warum wir bisher keine negativen Reaktionen erhalten haben. Aber wie auch immer die Reaktionen ausfallen würden, dies ist etwas, das uns wichtig ist. Wir hätten also so oder so über dieses Thema diskutiert”, erklärt Lutgerink.
Two and a Half Girl auf Tour 2022
Inwieweit sich Two and a Half Girl dauerhaft etablieren können, wird sich zeigen. Mit ihrem Debüt-Album “Evidence Of A Broken Mind” hat das Quintett allerdings einen mehr als ordentlichen Grund in der Hand, das man in der Zukunft mit ihnen rechnen sollte.
Wer sich das Ganze mal live anschauen möchte, hat Anfang November die Chance dazu, wenn die Band für vier Konzerte nach Deutschland kommt:
01.11.2022 – Hamburg, Astra-Stube
02.11.2022 – Berlin, Wild At Heart
04.11.2022 – Regenstauf, Waldeslust
07.11.2022 – Mainz, Caveau
Foto: Lisanne Lentink / Offizielles Pressebild


