News

Story

Solence: „Wir wollen das Gefühl der 80er zurückbringen“

Warum Rock wieder Spaß machen darf

VON AM 13/01/2026

In einem Raum des Kölner Clubs, 19 Uhr. Die MoreCore Party beginnt erst in vier Stunden, aber Marcus und David von Solence sind bereits da. Die Schweden sitzen entspannt in der Ruhe vor dem Sturm – vor der Nacht, in der sie auf drei Floors eine Surprise Show spielen werden, von der die Gäste nichts ahnen. „Wenn auf der anderen Seite des Raums der Soundcheck läuft, denke ich nur: Ich will spielen, lasst mich da rauf“, sagt David und schaut ungeduldig zur Tür.
Es ist September 2025, eine Woche bevor ihr neues Album „ANGELS CALLING“ erscheint. Die schwedische Band, die mittlerweile zum Teil in Kalifornien lebt, wird heute Nacht zum ersten Mal überhaupt Songs von der neuen Platte live spielen – in wenigen Stunden, wenn die Party auf drei Floors in vollem Gange ist und niemand eine Band erwartet. Eine Surprise Show um halb zwei morgens. Für Solence ist das der perfekte Moment.

„Eins Uhr ist eigentlich meine Prime Time“, lacht David. Wenn ich Musik schreibe, bin ich um diese Zeit am wachsten. Also werde ich heute Nacht Feuer und Flamme sein.“

Bild: Michelle Serindag für MoreCore.de

Die Essenz von Solence auf einem Album

„Angels Calling“ ist für Solence mehr als nur ein neues Album – es ist die Quintessenz dessen, was die Band in den letzten Jahren aufgebaut hat. „Das ist die kompletteste Solence-Erfahrung, die du bekommen kannst“, erklärt Marcus.

„Alle anderen Platten waren wie ein Tagebuch. Am Anfang haben wir hart dafür gekämpft, überhaupt einen Song zusammenzubekommen. Dann ging es darum: Was wollen wir sagen? Wie wollen wir uns durch die Musik ausdrücken?“

Bei „Angels Calling“ haben sie einen anderen Ansatz gewählt: Die Band nahm die besten Parts ihrer bisherigen Alben und kombinierte sie zu etwas Neuem. „Wir haben einfach die Teile genommen, die wir am meisten mochten, und alles zusammengeworfen“, sagt Marcus. „Deshalb hat quasi jeder Song einen massiven Breakdown in der Middle-Eight.“

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

David fügt hinzu: „Wir wollten, dass Marcus extrem hoch singt – fast schon höher als wir dachten, dass er kann. Er war nicht so begeistert davon.“ Marcus lacht: „Ja, das war ’ne Herausforderung.“ Aber genau diese Kombination aus hohen Vocals, elektronischen Breakdowns und der Verschmelzung von Techno und Drum & Bass mit Rock macht den Sound von „Angels Calling“ aus.

Wenn ein Breakdown keine Gitarre ist

Die Produktionsarbeit von Solence ist Detail-verliebt und gleichzeitig täuschend einfach. „Wenn du die Platte nebenbei hörst, denkst du vielleicht: ‚Oh, das ist eine Gitarre‚“, erklärt David. „Aber wenn du genauer hinhörst, merkst du: Nein, das ist ein zerhackter Synth, der wie ein Gitarren-Breakdown klingt.
David, der einen Großteil der Produktion übernimmt, liebt es, Sounds zu kombinieren. „Für ‚All of the Pain Must Go‘ haben wir uns gefragt: Wie würde Avicii klingen, wenn er Rock machen würde? Es sollte majestätisch klingen, catchy sein, aber auch Drama und epische Melodien haben. Und dann die Gitarren – alles pumpt. Das liebe ich.“
Sein Lieblingssong vom Album ist genau dieser Track, zusammen mit „Where Were You“ – zwei Songs, die sich vom Rest abheben und zeigen, wie vielseitig Solence sein können. Marcus hingegen hat eine klare Präferenz: „Angels Calling“, der Titelsong. „Für mich funktioniert da einfach alles perfekt.“

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die Rückkehr des Rock-Feelings

Wenn man mit Solence über ihre Musik spricht, fällt schnell ein Wort: Fun. Aber „Fun“ bedeutet für die Band etwas anderes als für viele andere. „Fun ist für uns kein oberflächliches Ding“, erklärt Marcus.

„Es geht darum, ein Gefühl zurückzubringen, das die Musik früher hatte. Denk an die 80er – AC/DC, Mötley Crüe, Twisted Sister, KISS. Wenn du zu einer dieser Shows gegangen bist, wurdest du unterhalten. Kids kamen raus und dachten: ‚Das ist die großartigste Band der Welt.'“

Diese Energie, dieses „Hell Yeah“-Gefühl – genau das will Solence zurück auf die Bühne bringen. „Du gehst zu unserer Show und hast eine geile Zeit“, sagt Marcus. „Du stehst nicht da und denkst: ‚Oh Gott, alles ist so dunkel und langweilig.‘ Du gehst raus und fühlst dich gut.“
Das bedeutet nicht, dass Solence keine ernsthaften Themen ansprechen. „Die Lyrics können traurig sein oder – nicht traurig, sondern eher auf eine negative Art empowernd“, erklärt Marcus. „Wie bei ‚I Still Wish You The Worst‘. Du kannst diesen Satz singen und fühlst dich dadurch stärker. Diese Kombination aus Power und Energie – das ist es, was wir mit ‚Fun‘ meinen.“
David stimmt zu: „Es ist ein ehrliches Gefühl. Im Internet gibt es so viel, worüber man traurig sein kann. Also warum gibst du den Leuten nicht etwas Positives, das ihnen weiterhilft? Weil es uns weiterhilft.“

Electric Callboy und die neue Generation

Der Vergleich mit Electric Callboy liegt nahe – und Solence nehmen ihn gerne an. „Die machen das auf einem extrem hohen Level“, sagt David. „Sie sind so nette Leute, und ihre Shows sind mit die besten, die ich je gesehen habe. Sie schaffen es, dieses pure Gefühl von Spaß zu vermitteln. Es ist eine Party, und genau deshalb funktioniert es.“
Solence haben als Support für Electric Callboy in den USA gespielt und dabei gelernt, wie man eine Show zu einem Event macht. Diese Erfahrung fließt direkt in ihre eigene Bühnenpräsenz ein.
Für Marcus ist die aktuelle Szene ohnehin interessant zu beobachten: „Es gibt gerade so einen Extremfall. Entweder ist alles super traurig und melancholisch – und die Bands werden riesig damit. Oder es ist das komplette Gegenteil. Es gibt kaum etwas dazwischen.“

Vom DIY zum Label-Deal

Interessanterweise startete Solence als DIY-Band. Ihre ersten beiden Alben veröffentlichten sie komplett selbst, Song für Song alle drei bis vier Wochen. „Wir haben alles selbst gemacht“, sagt David. „Aber dann wächst du und hast immer noch diesen Traum: ‚Ich will gesignt werden.‘ Das ist einfach cool, und es bedeutet auch, dass wir hier bei euch sein können. Diese Industrie ist eine große Maschine, und es ist schwierig, ein Teil davon zu sein, wenn du kein Label hast.“
Der Wechsel zu Better Noise Records kam zur richtigen Zeit. „Als ‚Good Fucking Music‘ abging – 50.000 Streams pro Tag, nur durch uns – wussten wir nicht, wie wir das auf das nächste Level bringen sollten“, erklärt Marcus.

„Wir hatten nicht die Maschinerie hinter uns, um zu den Radiostationen zu kommen, die wir wollten.“

Für die Band war der Label-Deal eine Business-Entscheidung, aber auch eine Learning-Experience. „Das Größte, was ein Label dir geben kann, ist Guidance“, sagt Marcus. „Du lernst Dinge, an die du nie gedacht hättest. Man weiß nicht, was man nicht weiß – also muss man schnell sein und Informationen aufsaugen.“
David ergänzt: „Selbst wenn du später wieder ohne Label arbeitest – du lernst und wirst besser. Das ist das Wichtigste.“

Bild: Michelle Serindag für MoreCore.de

Die Show muss weitergehen

Während wir uns unterhalten, wird der Soundcheck auf der anderen Seite lauter. David schaut ungeduldig zur Tür. „Ich will endlich spielen“, sagt er. In wenigen Stunden wird die Party beginnen, und die Gäste werden nicht wissen, was sie erwartet – auch wenn die Schweden es noch nicht verraten.
Marcus lächelt: „Wir gehen in unser Studio jeden Tag. Wenn wir morgens aufstehen würden und denken ‚Oh mein Gott, alles ist so schlimm‘ – das würde einfach scheiße sein. Also machen wir Musik, die sich gut anfühlt. Pop-Pop-Pop. Das ist es.“

Eine Woche später erscheint „Angels Calling“ über Better Noise Records – und wird genau das, was Solence versprochen haben: Ein Album, das sich gut anfühlt, das Energie gibt und das zeigt, dass Rock nicht immer ernst sein muss. Die Schweden bringen das Gefühl der 80er zurück, aber mit einem Sound, der in die heutige Zeit gehört.

Das komplette Interview mit Marcus und David von Solence gibt es hier zu sehen:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

More

Feature

In einem Raum des Kölner Clubs, 19 Uhr. Die MoreCore Party beginnt erst in vier Stunden, aber Marcus und David …