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Istanbul verbietet Konzerte von Behemoth & Slaughter To Prevail

Die Shows wurden wegen der „Unvereinbarkeit mit gesellschaftlichen Werten" abgesagt.

VON AM 11/02/2026

Die Bezirksverwaltung von Beşiktaş hat die für gestern und heute geplanten Konzerte von Slaughter To Prevail und Behemoth im Zorlu Performing Arts Center in Istanbul kurzfristig verboten. Grund für die Absage: Die Events seien „unvereinbar mit den gesellschaftlichen Werten“ der Türkei, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Man wolle „gesellschaftliche Sensibilitäten“ und moralische Werte schützen.

Kampagne gegen die Bands wegen Satanismus

Auslöser war eine Kampagne des regierungsnahen, islamistischen Senders Akit TV. Moderator Erkan Tan warf beiden Bands vor, Satanismus zu verbreiten und die Jugend zu gefährden. Ihre Auftritte würden eine Gefahr für die öffentliche Moral darstellen.

„Bands namens ‚Slaughter To Prevail‘, die Satanismus predigen und jungen Menschen den Glauben stehlen, und ‚Behemoth‘, die mit ihrer satanischen Kleidung offen gegen Religion auftreten, kommen in die Türkei“, so der TV-Moderator. Nach der Sendung forderten zahlreiche User in sozialen Medien die Absage – mit Erfolg.

Istanbuls Gouverneur Davut Gül stellte sich hinter die Entscheidung: „Keine Aktivität, die die Gesellschaft korrumpiert, wurde jemals in Istanbul erlaubt und wird auch in Zukunft nicht erlaubt werden.“

Die Maßnahme stehe im Einklang mit langjährigen moralischen Grundsätzen.

STP-Frontmann weist Satanismus-Vorwurf zurück

Slaughter-To-Prevail-Sänger Alex Terrible reagierte auf Instagram auf die Vorwürfe. „Wir sind nicht satanisch. Wir sind eine Brutal-Death-Metal-Band“, schrieb er und betonte seinen persönlichen Glauben. In einem Video fügte er hinzu, ein geplantes Meet-and-Greet mit Fans sei ihm als „zu gefährlich“ untersagt worden.

Von Behemoth liegt bislang kein Statement vor.

Slaughter To Prevail: Rechte Symbolik und Putin-Support

Dass ausgerechnet Slaughter To Prevail nun zum vermeintlichen Opfer staatlicher Zensur werden, wirkt angesichts der der Band entgegengebrachten Kritik fast ironisch. Die russische Deathcore-Band steht seit Jahren wegen scheinbarer rechtsextremer Verbindungen und vermeintlicher Unterstützung von Russlands Angriffskrieg in der Kritik.

So trug zum Beispiel Frontmann Alex Terrible lange ein Black-Sun-Tattoo – ein von den Nationalsozialisten vereinnahmtes Symbol, das heute eng mit der White-Supremacy-Ideologie verknüpft ist. Erst nach öffentlichem Druck ließ er es überstechen und relativierte später, es sei „dummes Teenager-Zeug“ aus esoterischem Interesse gewesen.

Und auch darüber hinaus kommt Terrible von diversen Seiten Kritik entgegen: So soll er 2022 noch die russische Invasion verurteilt und Russland daraufhin verlassen haben, später jedoch zurückkehrt sein und vor Gericht erklärt haben, er unterstütze inzwischen die „Kämpfer der SVO“. SVO steht in diesem Kontext für den offiziellen Euphemismus, den die russische Regierung nutzt, um die Invasion in der Ukraine seit Februar 2022 zu beschreiben.

Beim Tuska Open Air Festival 2025 stießen Slaughter To Prevail auf Widerstand der Ukrainischen Vereinigung in Finnland. Diese kritisierte scharf die Einladung der Band. Anastasiia Diudina, eine der Organisatorinnen des Protests, sagte, es sei „absurd“, dass, während Russland Militärbasen an Finnlands Grenzen baue, einer Band unter der Leitung von Alex Terrible, der „die russische Aggression gegen andere Länder unterstützt“, erlaubt werde, in der finnischen Hauptstadt aufzutreten.

Ebenfalls bei einigen sauer aufgestoßen: Auf der Warped Tour in Washington schwenkte Terrible eine russische Flagge und erklärte, er sei dankbar, sein Land weltweit zu repräsentieren.

Muster sich wiederholender Verbote in der Türkei

Die türkische Regierung hat in den vergangenen Jahren wiederholt Konzerte verboten. 2022 traf es unter anderem das langjährige Zeytinli Rock Festival sowie mehrere regierungskritische Artists.

Die türkische Rockband Moğollar mit über 50-jähriger Karriere schrieb damals auf Twitter (heute X): „Was hier verhindert werden soll, ist nicht ein Festival, sondern die Freiheit und das Wahlrecht der Jugend des Landes.“

Foto: Sylwia Makris und Christian Martin Weiss / Offizielles Pressebild

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