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Måneskin: Headliner bei Rock am Ring & Rock im Park statt Eintagsfliege

Wie kam es zu diesem rasanten Aufstieg?

VON AM 03/12/2023

Selten hat es eine Band geschafft, in so kurzer Zeit einen so nachhaltigen Erfolg und Einfluss auf Musik- und Popkultur zu haben, wie Måneskin. Das Quartett aus Italien zählt derzeit zu den wohl wichtigsten neuen Rockbands und ist ein weiterer Beweis dafür, dass Gitarrenmusik auch im Mainstream absolut am Leben ist.

Måneskin: Die Karriere vor dem ESC

Es ist der 23. Mai 2021, irgendwann nach Mitternacht, als in Rotterdam Musikgeschichte geschrieben wird. Måneskin gewinnen mit ihrem Song “Zitti e buoni” nach einem souveränen Auftritt den Eurovision Song Contest für ihr Heimatland Italien und sorgen zunächst für einen Skandal. Sänger Damiano David wird vorgeworfen, vor laufenden Kameras Drogen konsumiert zu haben, was später nicht nur die TV-Bilder, sondern auch ein freiwilliger Drogentest widerlegen werden. Es ist der Auftakt einer Karriere, die eigentlich viel früher begann und schon einmal durch das Fernsehen führte.

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Nach ihrer Gründung 2016 in Rom sammelten Måneskin (dänisch für Mondschein) mit Sänger Damiano David, Bassistin Victoria De Angelis, Gitarrist Thomas Raggi und Schlagzeuger Ethan Torchio erste Live-Erfahrungen als Straßenmusiker:innen und im Rahmen eines Bandcontests, den sie auf Anhieb gewinnen konnten. Schon ein Jahr später wurden sie dem breiten italienischen Publikum bekannt, indem sie bei der dortigen Variante der TV-Show X-Factor den zweiten Platz erreichten. Damals mit Cover-Versionen von Songs wie “Take Me Out” (Franz Ferdinand), “Somebody Told Me” (The Killers) und “Beggin’” von den Four Seasons war schnell klar, wie viel Potential in der Band als Live-Act steckt, was Måneskin schon früh eine internationale Fanbase einbrachte.

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Eröffnete das Quartett im Sommer 2018 noch als Opener die White Stage beim Hurricane Festival, so gingen sie anschließend auf Europa-Tour und sorgten unter anderem in England, Deutschland, Schweiz und Frankreich für ausverkaufte Shows, wobei sie immer noch überwiegend italienische oder Cover-Songs performten. Im März 2021 überraschten Måneskin dann beim renommierten Sanremo Music Festival, als sie den dortigen Wettbewerb mit “Zitti e buoni” gewinnen konnten und sich damit auch als Starter für den späteren Eurovision Song Contest qualifizierten. Auch diesen, diesmal als Favorit:innen der Buchmacher:innen, konnten Måneskin für sich entscheiden – genau 15 Jahre nach Lordi.

Rock am Ring-Headliner statt Eintagsfliege

Dass der Gewinn des ESCs zwar ein Katalysator, aber eben keine Garantie für eine nachhaltige Weltkarriere ist, zeigen so viele Beispiele aus der Geschichte des Wettbewerbs. Måneskin aber schafften es sehr schnell, im Gespräch zu bleiben und sich als ernstzunehmende Band zu etablieren. Ihr Mix aus modernem Glam-Rock mit einer ordentlichen Prise Indie und Punk konnte ein weltweites Publikum begeistern, was dazu führte, dass sich die Band in den Streaming Charts diverser Länder festsetzte. Kein Wunder: noch vor dem ESC veröffentlichten sie mit “Teatro d’ira: Vol. I” ihr zweites Studio-Album, das unter anderem “I Wanna Be Your Slave” enthielt, welcher sich unaufhaltsam zur populärsten Single (neben dem Cover von “Beggin’”) entwickelte.

Es folgten TV-Auftritte bei Jimmy Fallon und Ellen DeGeneres und der Gewinn diverser MTV Music Awards, Support Shows für die Rolling Stones, aber auch eine GrammyElvis-Biopic, 2023 dann eine ausgiebige Welt-Tour mit zahlreichen ausverkauften Shows, wie in Hannover vor rund 25.000 Fans und nun, durchaus ein Ritterschlag, die Ankündigung als Headliner von Rock am Ring und Rock im Park 2024. Doch was ist der Grund für diesen steilen Aufstieg?

Mehr als eine Band: Stilikonen und Social Media Stars

Måneskin fesseln nicht nur durch ihre Musik, sondern auch durch ihre unkonventionelle Ästhetik und rebellische Attitüde. Nicht nur Sänger Damiano David sondern auch die übrigen Mitglieder haben einen hohen Wiedererkennungswert, der sie aber nicht als Einzelpersonen, sondern immer als ein starkes Kollektiv darstellt. Måneskin schaffen es dabei nicht nur als Musiker:innen zu funktionieren, sondern zugleich auch als Kunstfiguren, als Erscheinungen, als Rockstars, die auch oder vor allem in der bildhaften Welt von Instagram und TikTok so gut funktionieren. Ausgestattet mit einem selbstbewussten Auftreten und Charisma, das nach Hollywood aussieht, aber eben auch gut klingt und nicht inszeniert wirkt. Ein Blick auf die Anfänge ihrer (Social Media)-Karriere beweist, dass die Band ihrem Stil seither treu geblieben ist.

 

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So gehören Måneskin wie auch Palaye Royale, Yungblud oder Static Dress zu einer neuen Generation von Bands und Künstler:innen, die auch sehr von ihrer Ästhetik und Authentizität leben, die Wert auf Selbstausdruck und Diversität legen und die sowohl auf den Covern von Musik- als auch Fashion- und Lifestyle-Magazinen landen. Kein Wunder, dass Måneskin 2021 mit Gucci kollaborierten, aber auch schon die Titelseiten der GQ, Vanity Fair und Vogue zierten. Stilikonen eben, die es verstehen, sich aufmerksamkeitswirksam zu verkaufen.

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Schon das Video zu “I Wanna Be Your Slave”, der ersten Single nach ihrem ESC-Sieg, zeigt die Band äußerst provokant und freizügig. Nichts für konservative Augen, aber eben eine Seite von Måneskin, die die Band auch in der Öffentlichkeit und auf der Bühne von sich zeigt. Gitarristin Victoria De Angelis und Schlagzeuger Ethan Torchio fühlen sich zudem der LGBTQ+-Community zugehörig.

Måneskin als Gatekeeper des Rock

Natürlich erfindet das Quartett das Rad mit seinem Sound nicht neu. Tatsächlich finden sich viele Elemente aus dem 70er Rock, gepaart mit einem leichten Garage-Sound in ihren Songs wider – mal etwas poppiger, mal etwas lauter, aber immer mit einer gewissen rohen Energie als Hommage an die Wurzeln des Genres im modernen Gewand verpackt.

Kooperationen mit Iggy Pop und Tom Morello passen daher wie die Faust auf’s Auge und unterstreichen das Prestige, das sich die Band in so kurzer Zeit erarbeiten konnte. Mit mehr als 40 Millionen verkauften Platten weltweit und unzähligen Gold- und Platin-Auszeichnungen können Måneskin den Eindruck auch numerisch unterstreichen.

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Viel spannender dürfte aber der Einfluss der Band auf das Genre, nachfolgende Artists und das Hörverhalten der jungen Generation sein. Schon jetzt gehören sie zu den meist gestreamtesten Bands im Rock – und das mit einem vergleichsweise kleinen Backkatalog an Songs. Durch ihre hohe Präsenz in den Mainstream- und sozialen Medien werden Måneskin allerdings auch von einem Publikum wahrgenommen und gehört, das vermutlich sonst weniger Anknüpfungspunkte mit Gitarrenmusik gehabt hätte. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn Damiano David, Victoria De Angelis und Co. als Gatekeeper fungieren würden oder wie es der Sänger nach dem Sieg beim Eurovision Song Contest selbst ins Mikro rief “We just want to say to the whole of Europe, to the whole world. Rock and Roll never dies!” Wer dies noch nicht live erleben konnte, wird 2024 in Deutschland nur zwei Chancen dazu erhalten: bei Rock am Ring und Rock im Park 2024.

Foto im Auftrag von MoreCore.de: Sarah Soria-Galvarro (soga.focus)

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