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Interview

KMPFSPRT im Interview: „Euphorie und Panik ist wahrscheinlich unsere poppigste Platte. Sie klingt aber nicht so.“

Gitarrist David Schumann über Konzerte, Drummer und die neue Platte.

VON AM 26/03/2022

Mit „Euphorie und Panik“ haben Kmpfsprt am 19.03.2022 Album Nr.4 veröffentlicht. Schon in unserer Review zur Platte konnten wir feststellen, dass die Platte definitiv mehr Anlass zu Euphorie als zur Panik bietet. Das gilt grundsätzlich auch für die im April anstehenden Konzerttermine. Unter anderem darüber, dass für die Tour angesichts hoher Corona-Zahlen ein mulmiges Gefühl bleibt und darüber, ob Schlagzeuger Jan Gruben (der 4. Drummer beim 4. Album) auch bei Album Nr. 5 dabei ist, sprachen wir mit Gitarrist David Schumann.

KMPFSPRT Gitarrist David Schumann im Interview

Mauritz | MC: Passend zu unserem Interview halte ich gerade eure CD in den Händen. Wie seid ihr denn an dieses wunderschöne Flachdachgebäude als Kulisse für das Cover gekommen?

David: Das steht tatsächlich in Holland. Wir waren auf der Suche nach einem Coverfoto, das zum Titel des Albums passt und dann hat einer von uns dieses Bild auf der Seite von Patrick Essex, einem Fotografen, gefunden und ihn angeschrieben. Daraufhin sind dann auch die weiteren Fotos entstanden, also auch das von uns vor dem Gebäude.

Mauritz | MC: Ihr geltet als „vernünftige“ Band, die sich viele Gedanken, vor allem auch um die Fans macht. Jetzt startet in einem Monat eure Tour. Hat man da angesichts der hohen Corona-Zahlen ein mulmiges Gefühl?

David: Ein mulmiges Gefühl habe ich eigentlich immer, solange die Zahlen so hoch sind und wir uns in dieser pandemischen oder endemischen Phase befinden. Aber ich glaube schon, dass wir bei unseren Konzerten in einem „safe space“ sind, weil ich davon ausgehe, dass die Leute, die zu unseren Shows genauso wie wir geimpft sind. Man muss sich irgendwann auch ein gewisses Maß an Normalität zurückkämpfen, auch wenn es schwerfällt. Aber ich denke, es wird Zeit, dass auch die Kultur wieder öffnet, denn ich denke schon, dass wir Menschen das brauchen und extrem vermisst haben. Es besteht ein Restrisiko, aber ich denke, es ist ein vertretbares Maß.

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Mauritz | MC: Ich habe beobachtet, dass viele Leute sehr zurückhaltend auf Konzertankündigungen reagieren, weil sie im Laufe der letzten zwei Jahre unsicher oder auch träge geworden sind. Macht euch diese Entwicklung Sorge?

David: Ja durchaus, aber ich kann es auch niemandem verdenken, noch etwas abzuwarten. Es hat sich eine gewisse neue Normalität eingestellt, aber das kann ja auch keine Lösung sein. Ich gehe aber schon davon aus, dass zumindest bei den kommenden Konzerten weniger Leute als sonst zu den Shows kommen werden. Wir sind jetzt auch so eine Art „Test-Band“; viele befreundete Bands schauen sehr gespannt darauf, wie es bei uns läuft.

Mauritz | MC: Ich habe euch im letzten Jahr in Essen auf einem „Abstands-Konzert“ mit zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen gesehen. Mir ist es als Zuschauer sehr schwer gefallen, bei den Umständen in Stimmung zu kommen. Wie war es für euch auf der Bühne?

David: Eigentlich hatten wir als Band dagegen entschieden, bei „Abstands-Konzerten“ oder Live-Streams mitzumachen, weil es für uns einfach nicht dasselbe ist. Bei einigen Konzerten im letzten Jahr war es dann so, dass sie eigentlich als normale Konzerte gebucht wurden, dann aber kurzfristig doch zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden mussten. Es war natürlich cool, wieder unterwegs zu sein und mit der Band abzuhängen, aber es ist einfach nicht dasselbe.

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Mauritz | MC: Du hast dir ja inzwischen mit deinem Einstieg bei Hammerhead eine Art zweites musikalisches Standbein aufgebaut. War dir während der Pandemie langweilig oder wie bist du dazu gekommen?

David: Das hat tastsächlich nichts mit Corona zu tun. Hammerhead kommen so wie ich aus Bonn; ich war schon mit 15 auf ihren Konzerten. Nachdem ein Gitarrist ausgestiegen ist, haben sie mich gefragt und ich habe natürlich zugesagt. Da konnte ich nicht nein sagen.

Mauritz | MC: Wie haben deine Kmpfsprt-Kollegen reagiert?

David: Total positiv, weil sie die Band ja auch kennen und mögen. Wäre es jetzt irgendeine andere Band gewesen, hätten sie wahrscheinlich schon nachgefragt, warum ich das mache. Hammerhead ist wahrscheinlich eine der drei Bands, für die ich eine Art Joker hatte.

Mauritz | MC: Dann wollen wir natürlich auch die anderen beiden Bands hören. Vielleicht können wir ja vermitteln.

David: Deutsche Bands gibt es da außer Hammerhead nicht. Aber für Lifetime für ich auch in die USA pendeln und für die Ging Nang Boyz nach Japan.

Mauritz | MC: Kommen wir zum neuen Album. Hat die Pandemie das Songwriting und Recording für „Euphorie und Panik“ sehr beeinflusst?

David: Ja, das kann man schon sagen. Als wir uns entschlossen haben, auf ein neues Album hinzuarbeiten, durften wir uns gar nicht mit der ganzen Band treffen. Ich saß viel zuhause herum, weil ich nirgendwo hinkonnte. Und weil ich ohnehin gerne Gitarre spiele und Song schreibe, sind in dieser Zeit viele Songs entstanden. Im Sommer habe ich mich dann oft mit unserem Schlagzeuger Jan im Proberaum getroffen und diese vielen Ideen, die ich hatte, weiterentwickelt. Das war schon anders als bei den vorherigen Alben und wieder etwas mehr wie ganz früher. Als wir uns dann wieder zu viert treffen konnten, hat Richard auch noch viele Songideen mitgebracht und plötzlich hatten wir genug Songs für ein Album.

Mauritz | MC: Das Album klingt wieder deutlich rauer, punkiger und mehr nach „live“ als frühere Alben. Ist das eine Folge des veränderten Songwritingprozesses?

David: Ja, wahrscheinlich schon. Ich glaube, entscheidend ist aber das Recording und der Mix. Was die Songs angeht, ist „Euphorie und Panik“ wahrscheinlich unsere poppigste Platte. Aber es klingt nicht so. Die Songs klingen natürlicher und mehr nach „live“. Wir haben zum ersten Mal mit Kurt Ebelhäuser als Produzent zusammengearbeitet und waren zunächst auch etwas nervös, wie die Platte klingen wird. Kurt ist schließlich ein namhafter Produzent. Die Arbeit mit ihm und auch das Ergebnis sind aber überragend. Wir haben im Studio noch so viel an den Songs verändert und verbessert. Kurt ist ein „oldschool dude“ und genau das hört man auch.

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Mauritz | MC: Zum Ende noch eine besonders schwierige Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass euer Schlagzeuger Jan beim nächsten Album noch dabei ist?

David: (lacht) Also statistisch völlig unwahrscheinlich, er ist immerhin Schlagzeuger Nr.4. Aber davon abgesehen gehe ich davon aus, dass er noch lange dabeibleibt. Jan ist jemand, der Musik liebt und atmet. Musik steht bei ihm ganz oben und er bremst uns nicht, sondern schiebt uns an, was auch wichtig ist, wenn man schon so lange dabei ist wie wir. Daher bin ich mir sehr sicher, dass er nicht nur beim nächsten, sondern auch beim übernächsten Album dabei ist.

Mauritz | MC: Eine allerletzte Frage, die nichts mit Musik zu tun hat, sondern mit Fußball. Ich bin Werder-Fan, du bist Schalke-Fan. Wer steigt denn am Saisonende in die Bundesliga auf?

David: Ich denke, Werder ist nicht aufzuhalten. Das ist ein Erstligist, der unter Zweitligisten spielt. Wenn sich bei Schalke niemand verletzt, haben wir aber auch noch eine Chance. Die Zweite Liga ist in diesem Jahr schon cool, aber Clubs wie Werder, Schalke und der HSV gehören einfach in die erste Liga.

Foto: Patrick Essex / Offizielles Pressebild

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