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Killswitch Engage: Jesse Leach im Interview über Leidenschaft auf und hinter der Bühne

Schon an diesem Freitag melden sich Killswitch Engage mit einem brandneuen Album zurück. „Atonement“ heißt der jüngste Output der 1999 ...

VON AM 12/08/2019

Schon an diesem Freitag melden sich Killswitch Engage mit einem brandneuen Album zurück. „Atonement“ heißt der jüngste Output der 1999 gegründeten Metalcore-Veteranen aus den Vereinigten Staaten.

Mit „Unleashed“ und „I Am Broken Too“ gab es bereits zwei erste Singles auf die Lauscher; bis zum Release wird es sicherlich noch einen weiteren Vorgeschmack geben.

Wir haben uns mit Frontmann Jesse Leach über die Thematik des Longplayers, das Feature von Ex-Sänger Howard Jones sowie die kommende Headliner-Tour in Deutschland unterhalten.

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Philip: Hey Jesse! Danke, dass du dir heute die Zeit für uns nimmst.
Jeese: Danke für die Einladung!

Philip: Euer neues Album erscheint schon bald am 16. August und ihr habt Ende letzten Monats die erste Single “Unleashed” veröffentlicht. Wie war das bisherige Feedback?
Jesse: Soweit ich das beurteilen kann, ist es überwiegend positiv. Aber muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich aktuell sehr aus dem Internet raushalte. Ich bin sehr zufrieden mit dem Album und ich hoffe, das es auch den Fans gefallen wird.

Philip: Auch dein persönliches Umfeld mag den Song?
Jesse: Aktuell lebe ich sehr wie eine Einsiedler und kriege nur wenig mit. (lacht) Ich kann es dir wirklich nicht sagen.

Philip: Was können wir aus deiner Sicht von “Atonement” erwarten?
Jesse: Ich denke es ist das wohl musikalisch abwechslungsreichste Album, das wir als Band geschrieben haben. Wir haben unseren Sound nicht zu sehr in irgendeine Richtung verändert. Es hat aber genug Ecken und Kanten, sodass jeder irgendetwas darauf finden wird, was ihm gefällt. Den Fans des “Killswitch”-Sounds wird es ganz sicher gefallen. Lyrisch fängt “Atonement” Geschehnisse in der Welt oder in der Geschichte ein, die mich sehr geprägt haben und darauf bin ich persönlich sehr stolz.

Philip: Da du gerade über die Dinge sprichst die deine Texte beeinflussen: Gibt es auf “Atonement” einen roten Faden oder ein allgemeines Thema?
Jesse: Es gibt kein zusammenhängendes Thema. Es geht um die Reise, auf der wir uns befinden, das Leben, welches wir leben, unsere Kämpfe und Prüfungen die wir bestehen, der Umgang mit Schmerz und Frustration. Um es zusammenzufassen: Menschliche Emotionen und Erfahrungen. Mein Ziel war es möglichst viele Themen und Perspektiven wiederzugeben.

Philip: Ich habe gelesen, dass die ersten Ideen und Demos für “Atonement” bereits 2017 unter euch ausgetauscht wurden und du auf dem Weg zum finalen Album Probleme mit deiner Stimme bekommen hast. Du wurdest sogar operiert und musstest in Reha. Hat diese Zeit auch Einfluss auf deine Texte gehabt?
Jesse: Nicht direkt, jedoch durfte ich während meiner Reha gar nicht oder nur sehr wenig sprechen. Das hat mich dazu veranlasst, vieles eher als stiller Beobachter zu erleben. Ich lernte wie kostbar unsere Fähigkeit zu sprechen ist und wie sehr dieses Geschenk damit verschwendet wird, negativ zu sein und schlecht über andere Menschen zu reden. Dadurch, dass ich eine weitere Chance bekam, wurde mir der Wert meiner Stimme noch einmal bewusster. Die Idee, meine Botschaft durch Musik und Gesang zu verbreiten, wurde wieder gestärkt. Ich möchte mich einfach mehr öffnen und auch meine verletzliche Seite öfter zeigen.

„Also nahm ich den Track auf und dachte dabei ‚Hey, der Song ist beeinflusst durch Howard und Light The Torch, warum holen wir ihn nicht für den Song mit an Bord?'“

Philip: Um mal auf die geschäftliche Seite der Musik zu kommen: Mit “Atonement” veröffentlicht ihr zum ersten Mal ein Album bei Metal Blade Records. Wie kam es zu diesem Wechsel?
Jesse: Es ist erfrischend. Veränderung ist ab und zu gut. Es ist einfach schön, mit neuen und motivierten Leuten zu arbeiten. Das große Plus bei Metal Blade Records ist, dass sie alle Metalheads und vor allem leidenschaftliche Musikfans sind. Brian Slagel, der Chef von Metal Blade Records, ist ein guter Freund von uns und auch ein echter Metal-Fan, der Konzerte besucht. Er und Metal Blade Records kümmern sich um diese Subkultur, unsere Kultur. Es ist wirklich schön, weil es nicht ums Geld geht, sondern darum, wie wir als Band diesen nächsten Schritt machen. Deshalb war es für uns ohne Überlegung klar, dass wir zu Metal Blade Records gehen.

Philip: Kommen wir wieder zurück zum Album. Auf welchen Song bist du am meisten stolz oder auf welchen der Song freust du dich am meisten live?
Jesse: Es ist wirklich schwer zu sagen. Aufgrund des Textes würde ich sagen “I’m Broken Too”, weil es dort um das Thema „Mental Health“ geht und ich den Song für eine Person geschrieben habe, die mir viel bedeutet. Ich finde das Thema sollte wesentlich offener besprochen werden. Nicht nur in der Musikbranche, sondern in der Gesellschaft an sich. Es gibt einfach viel zu viele Stigmata, die damit in Verbindung gebracht werden und auch der Kampf mit psychischen Problemen muss einfach als Krankheit in unserer Gesellschaft angesehen werden.

„Ich denke es hat damit zu tun, dass uns allen bewusst ist, dass die Chancen die wir als Musiker bekommen, nicht selbstverständlich sind. Wir können dankbar dafür sein, unser Geld mit dem zu verdienen, was wir am liebsten machen.“

Philip: Da stimme ich dir voll und ganz zu. Nun durfte ich bereits in das Album reinhören und war schon beim zweiten Song ein wenig überrascht. Ihr habt ein Feature mit Howard Jones (Ex-Killswitch Engage, Light The Torch). Wie war es, wieder mit ihm zusammenzuarbeiten?
Jesse: Nun, wir waren immer schon gute Bekannte und sind erst seit kurzem wirkliche Freunde geworden. Seine Band Light The Torch hat mich wirklich beeindruckt und beim letzten Treffen, bevor wir den Song mit ihm geschrieben haben, spielte er uns ein paar Demos seiner Band vor, die wirklich gut waren. Daraus nahm ich die Idee, einen Song über Zusammenhalt und Solidarität zu schreiben. Also nahm ich den Track auf und dachte dabei “Hey, der Song ist beeinflusst durch Howard und Light The Torch, warum holen wir ihn nicht für den Song mit an Bord?”. Er war sofort mit dabei und lieferte diesen phänomenalen Gesang bei den Aufnahmen ab. Die Arbeit mit ihm war auf jeden Fall unvergesslich.

Philip: Wo wir gerade über Feuer und Flammen sprechen. Killswitch Engange ist eine Band, die seit 20 Jahren existiert und ihr habt bisher bereits sieben Studioalben veröffentlicht. Wie behaltet ihr nach all der Zeit immer noch diese Motivation und das Feuer in euch, um weiter zu machen?
Jesse: Ich denke es hat damit zu tun, dass uns allen bewusst ist, dass die Chancen die wir als Musiker bekommen, nicht selbstverständlich sind. Wir dürfen dankbar sein, unser Geld mit dem zu verdienen, was wir am liebsten machen. Natürlich gibt es Momente, in denen wir etwas als gegeben sehen, das ist nur menschlich. Nur gibt es da immer jemanden innerhalb in unserer Band und Crew, der uns wieder auf den Boden zurückholt und uns daran erinnert, dass dieses Leben nicht selbstverständlich ist und wie wichtig unsere Arbeit für die Fans ist.

Im Endeffekt ist dieser Beruf mit all seinen Schikanen und den Opfern, die man bringen muss, unglaublich belohnend. Wir sind einfach dankbar, dass wir dieses Band-Ding nach all diesen Jahren immer noch machen dürfen. Dazu kommt, dass es meiner Meinung nach wichtig ist, die Motivation und das Feuer zu behalten. Nichts ist schlimmer als eine Band, die ihren Biss verliert und ein Schatten ihres alten Ichs wird. Das ist auch das, was wir mit “Atonement” ebenfalls zeigen möchten: Dass wir immer noch aus allen Zylindern feuern und uns nichts bei dem, was wir machen, egal ist.

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Philip: Okay, nachdem wir nun über die Motivation nach all den Jahren gesprochen haben, was hast du in dieser Zeit als Musiker gelernt?
Jesse: Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, sorgfältig zu sein. Als Sänger heißt das vor allem auf seine Gesundheit zu achten und dafür zu sorgen, dass deine Performance auf der Bühne stimmt. Das habe ich nach meinem Wiedereinstieg bei Killswitch Engage 2012 auf die harte Art gelernt. Du trinkst viel, du feierst viel und schläfst zu wenig. Das hat auf so vielen Ebenen Einfluss auf deine Stimme. Deshalb ist diese Sorgfalt das Wichtigste, was ich gelernt habe, um den Fans das zu geben, wofür sie bezahlt haben. Sie unterstützen einen und sind der Grund dafür, dass wir unsere Leidenschaft verfolgen können. Deshalb sollte wir alle in der Band in der Lage sein, auf den Shows unsere vollen 100% geben zu können.

„Alles was ich will, ist, dass die Fans Spaß und wir eine gute Zeit haben. Ehrlich, zu touren kann so hektisch und stressig sein.“

Philip: Mit dem Releasetermin für “Atonement” habt ihr ebenfalls eine EU-Tour für Oktober und November angekündigt. Habt ihr, nachdem ihr mit Bands wie Parkway Drive und Iron Maiden unterwegs wart, eine aufwändigere Produktion für diese Termine geplant?
Jesse: Nein, ich glaube, dass wir wohl schon in irgendeiner Form unseren eigenen Weg gehen. Unser Licht-Setup wird definitiv größer und teurer, aber wir sind nicht wirklich Fans von diesen Pyro- und CO2-Effekten. Es soll einfach nur eine gute Metal-Show werden. Während wir uns sowieso schon wie Wahnsinnige über die Bühne bewegen und das verbesserte Show-Licht seine Arbeit macht, versuchen wir einfach das Momentum bei jedem Gig hoch zu halten. Ich denke, dass da unsere vergangenen Shows auch für uns als Live-Band sprechen und das neue Material auch mehr Abwechslung bringen wird. Ich freue mich einfach darauf, die neuen Songs live zu spielen.

Philip: Wünschst du dir etwas bestimmtes für die Tour?
Jesse: Alles was ich will, ist, dass die Fans Spaß und wir eine gute Zeit haben. Ehrlich, zu touren kann so hektisch und stressig sein. Es holt dich komplett aus deiner Komfortzone und ist teilweise sehr ermüdend. Was das alles aber wieder wett macht, sind die Fans. Diese Interaktionen mit ihnen sind das, was ich liebe. Abseits der Shows bin ich ein großer Fan von Architektur und Geschichte. Also freue ich mich schon Orte wie Museen und historische Gebäude zu besuchen.

Philip: Dann als letzte Frage etwas, das wir bei MoreCore.de jeden Musiker fragen: Welche Künstler oder Bands hörst du im Moment?
Jesse: Ohne nachzudenken wären da zwei. Einmal eine Industrial-Grime-Hip Hop-Gruppe namens Ho99o9 (“Horror”). Die Jungs haben so eine krasse GG Allin-Bühnenpräsenz. Einfach nur wahnsinnig und total durchgedreht. Die Musik hat einfach kein festes Genre und es ist einfach nur pures Chaos. Ich habe sie live gesehen und das war einfach nur geil. Ansonsten im Metal-Spektrum: Die letzte Rivers Of Nihil Platte “Where The Owls Know My Name”. Dieses Album ist zu einem Dauergast in meiner Playlist geworden. Wenn jemand ein Metalhead ist und dieses Album noch nicht kennt, sollte er es auf jeden Fall anhören. Ich kann es nur jedem empfehlen.

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