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Interview

Dead Poet Society-Gitarrist Jack Collins: „Gitarrenmusik ist verdammt nochmal zurück“

DPS-Gitarrist Jack Collins über emotionale Songs, freie Entfaltung und den Grund, warum er nachts gut schlafen kann.

VON AM 17/03/2021

Zum Release des Debütalbums „-!-“ („The Exclamation Album“) ließen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen Jack Collins, Gitarrist der Band Dead Poet Society, ein paar Fragen zum ersten Longplayer der Kombo zu stellen und herauszufinden, was er und die Jungs eigentlich sonst noch so zu sagen haben.

Dead Poet Society-Gitarrist Jack Collins im Interview

Kathrin | MC: Hey Jack, die obligatorische Frage zuerst. Wie geht es dir und dem Rest der Band während der aktuellen eher schweren Zeiten?

Jack: Uns geht es gut. Jeder von uns hat seinen persönlichen Scheiß am Laufen, aber wir sind bereit das Album zu veröffentlichen. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, seit wir das Album angekündigt haben.

Kathrin | MC: Wie fühlt ihr euch, da ihr nun endlich euer erstes richtiges Album veröffentlichen könnt?

Jack: Ängstlich. Nervös. Aufgeregt. Aber vor allem bereit, endlich weiterzumachen. Das Veröffentlichen an sich, ist etwas das nur Musiker wirklich verstehen, denke ich. Sobald etwas veröffentlicht ist, liegt es schon in der Vergangenheit. Die Fehler, die du nie behoben hast, die Dinge, von denen du dir gewünscht hättest, du hättest sie geändert, sind letztendlich okay. Du merkst, dass du getan hast, was du konntest und kannst mit einem frischen Geist neustarten. Ich hoffe zumindest, dass es so sein wird.

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Kathrin | MC: Wie war die Produktion des Albums für euch? Gab es spezielle Herausforderungen, die ihr meistern mustet oder besondere Momente, auf die ihr gerne zurückschaut?

Jack: Wir wollten unseren Sound pushen. Wir wollten, dass er relevant ist, aber auch, dass er unser eigener bleibt. Ich glaube das haben wir geschafft.

Die Herausforderungen waren die Selbstzweifel und die Meinungen anderer. Wenn du aus dem Nichts einen Plattenvertrag unterschreibst, gibt es plötzlich 15 weitere Meinungen, die es vorher nicht gab und die Umsetzung eigener Ideen belasten. Zuerst willst du sagen, scheiß auf die Meinung eines anderen, aber dann merkst du, dass sie ja eigentlich auf deiner Seite stehen. Das Gleichgewicht, sich selbst zu vertrauen, aber offen für die Ideen dieser neuen Leute zu sein, war eine Herausforderung. Letzendlich haben wir aber so ziemlich alles gemacht, was wir wollten und das hilft mir, nachts zu schlafen.

Kathrin | MC: Wie würdet ihr euren Sound jemanden beschreiben, der eure Musik noch nie gehört hat.

Jack: Ich würde sagen, es ist nichts, was du jemals zuvor gehört hast. Wir wollten nicht anders sein, um der Anderartigkeits Willen. Aber wir wollten ein Statement setzten: Das sind wir und nur wir. Wir haben keinen einzigen Song gemacht, um die Ordnung eines anderen durcheinander zu bringen oder die Ansprüche eines anderen zu erfüllen. Macnhmal war es auch hart, weil die Songs so unterschiedlich sind. Wir haben auf unseren Instinkt vertraut und einfach nicht zurückgeblickt.

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Kathrin | MC: Der Sound ist die eine Sache aber worum geht es in eurer Musik?

Jack: Ich glaube ich bin nicht der Richtige, um das zu erklären aber jeder Song bedeutet mir etwas. Lyrics sind ein massiver Teil unserer Musik, und Jack und ich versuchen, nie einen schlechten Text einfach wegfallen zu lassen. Manchmal verbringen wir mit einer Zeile ganze Stunden und Tage. Es war qualvoll. Aber die Reise jedes einzelnen Songs und dann das Kollektiv aller Songs zusammen, war für uns das Wichtigste in der Welt.

Ich habe zu jedem Text eine persönliche Beziehung und identifiziere mich mit jedem auf meine eigene Art und Weise. Bruce Springsteen sagte mal so etwas wie, „das Schönste an 80.000 Menschen, die zu deiner Musik mitsingen ist, dass sie es alle auf ihre eigene Art und Weise tun“. Dieses Album ist für Euch. Es liegt an euch, wie ihr es interpretieren möchtet und damit könnt ihr nicht falsch liegen.

Kathrin | MC: Wer sind eure Idole und woher nehmt ihr eure Inspiration?

Jack: Das ist für jeden von uns anders. Für mich ist es eine Mischung aus Klassikern und neuen Künstlern. Die New Rock Mafia Bewegung ist eine Inspiration und die Bands, die daran beteiligt sind, sind Homies von uns. Zig Mentality, Ready the Prince und Cleopatrick inspirieren mich im Moment am meisten. Sie haben die gleiche Botschaft. Fuck the fake shit. Sie treiben das Genre voran und schaffen endlich eine kompetitive Atmosphäre für Rock, die mich immer wieder dazu bringt, uns selbst zu übertreffen. Gitarrenmusik ist verdammt nochmal zurück.

Dead Poet Society: „Das Symbol (-!-) ist für uns zu einer Ikone geworden“

Kathrin | MC: Wir sind neugierig: Was hat es mit dem Ausrufezeichen auf sich? Warum habt ihr es als Titel für euer Album gewählt?

Jack: Als wir uns gegenseitig Ideen über den Albumnamen hin und her warfen, schlug unser Schlagzeuger Will es plötzlich vor. Es klang sofort bei uns an. Wir entschieden, dass keine Worte die Emotionen und Gefühle beschreiben konnten, die wir mit diesen Songs erzeugten. Das Symbol ist für uns zu einer Ikone geworden. Es fast alles zusammen und steht für den verdammten Bullshit, den wir über Jahre durchgemacht haben, um an diesen Punkt zu gelangen.

Kathrin | MC: Auf welchen Song des Albums seit ihr besonders stolz oder welcher Song bedeutet euch besonders viel und warum?

Jack: Zunächst einmal haben wir keinen einzigen Song auf das Album gesetzt, den wir nicht lieben. Das ist auch einer der Gründe, der es uns so schwer gemacht hat dieses Album zu machen. Jeder von ihnen ruft eine andere Emotion hervor. Auch wenn es nicht unser üblicher Sound ist, ist „I Never Loved Myself Like I Loved you“ für mich der emotionalste. Ich erinnere mich, als Jack zum ersten Mal in mein Zimmer kam und es für mich auf seiner Akustikgitarre spielte. Innerhalb weniger Stunden nahmen wir eine Demo auf und wir wussten, dass es das Beste war, was wir je gemacht haben. Die Hook am Ende des Chorus bedeutet mir sehr viel und ich denke das geht den anderen genauso. Wir stehen uns alle häufig selbst im Weg, und wir brauchten einen Song, der das auf die ehrlichste Art und Weise vermittelt.

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Kathrin | MC: Habt ihr schon Pläne wie es jetzt weiter geht?

Jack: Yeah. Wir schreiben Album Nummer zwei.

Kathrin | MC: Gibt es etwas von dem ihr als Band träumt? Irgendetwas, das ihr gemeinsam erreichen wollt?

Jack: Also ich visualisiere ständig den Tag, an dem wir im Madison Square Garden spielen. Teilweise, weil ich einen Shoutout für meinen Vater machen muss, aber vor allem, weil ich dann weiß, wenn wir jemals dort ankommen, dass absolut alles möglich ist.

Kathrin | MC: Habt ihr Pläne nach Europa zu kommen, wenn die Pandemie vorbei ist?

Jack: Europa ist eigentlich für diesen Sommer geplant. Das wird verdammt episch. Es werden noch ein paar große Ankündigungen kommen.

Kathrin | MC: Eine letzte Frage hätte ich da noch. „Dead Poet Society“ oder zu Deutsch „Der Club der toten Dichter“, assoziiert man normalerweise nicht direkt mit Musik. Warum habt ihr euch für diesen Namen entschieden?

Jack: Es ist eine typische Bandgeschichte. Als ich die Band im College gegründet habe, war die Besetzung noch eine ganz andere. Ich saß mit meinen alten Bandmitgliedern am Tisch in der Cafeteria und der Name viel uns irgendwie ein. Wir haben etwa drei Sekunden darüber nachgedacht und dann war es entschieden. Ich, als der verrückte Bandleader, der ich war, ließ im Laufe der Jahre niemals zu den Namen zu ändern. Obwohl ich mit mittlerweile verdammt wünschte, ich hätte… haha.

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Kathrin | MC: Das letzte Wort gebührt dir.

Jack: Dieses Album soll nicht predigen, es soll niemandem eine Lektion erteilen und es gibt keine versteckte Ordnung. Es ist einfach eine Reise in unseren Geist. Einige werden es verstehen, andere nicht. -!-

Foto: Dead Poet Society / Offizielles Pressebild von Spinefarm Records

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