
Chad Gray (Mudvayne) lamentiert über heutige Musik: „Nichts unterscheidet eine Band von der anderen“
Diskutabel.
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Nachdem sie sich 2010 aufgelöst hatten, gaben Mudvayne mit viel Getöse vor drei Jahren ihre Reunion bekannt und touren seitdem fleißig auf den internationalen Bühnen. Deutschland war bislang noch nicht darunter, wird aber in diesem Jahr mit zwei bislang exklusiven Auftritten bei Rock am Ring und Rock im Park nachgeholt. Auf neue Musik der Band um Frontmann Chad Gray hofft man trotz Reunion bisher aber noch vergebens. Wann es soweit sein soll, steht zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch in den Sternen.
Mudvayne-Frontmann ist kein Fan neuer Musik aus dem Metal und Rock
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Über heutige Musik und neue Bands kam Gray jetzt aber in einem Interview mit The Underground Australia zu sprechen – und das leider nicht gerade auf die positivste Weise. Angesprochen auf die „Wiedergeburt“ dieser und jener Einflüsse aus der Ära der Ende 90er und Anfang 00er, legte Gray vor allem eine abweisende Art an den Tag; seiner Meinung nach würden heutige Künstler nämlich vor allem so klingen: Gleich.
Hier seine umfassenden Äußerungen:
„Vielleicht sollte ich das nicht sagen, aber es ist mir scheißegal. Weil ich ich bin und ich habe etwas zu sagen, und ich werde es sagen. Für mich ist die heutige Musik und neue Bands – Gott segne sie… aber sie klingen alle gleich. Alle neue Musik erinnert mich an ein und dieselbe verdammte Sache. Es gibt nichts, was sie von anderen Bands unterscheidet. Es ist so, dass eine Band etwas macht, hundert Bands folgen dieser Band, dann macht eine andere Band etwas, dann folgen hundert Bands dieser Band und klingen genau wie diese verdammte Band.
Ich war auf dem Ozzfest 2001. Es gab da Slipknot, [Marilyn] Manson, Papa Roach, Disturbed, Mudvayne, Drowning Pool… Jede verdammte Band, jede Band, die ich gerade genannt habe, keine von ihnen klang gleich. Keine von ihnen. Und ich denke, deshalb war es so eine besondere Zeit in der Musik, weil jeder das mitbrachte, was er nun mal mitbrachte. Du hattest System Of A Down und einen Haufen anderer Bands, Mann. Alle sehr originell und alle machten ihr eigenes Ding. Wir waren ein Teil davon. Wir waren progressiver als viele unserer Kollegen aus dieser Zeit. Wir haben also unser eigenes Ding gemacht. Es gab einfach verdammt viel gute Musik und eine Menge Leute, die sich wirklich mit dem beschäftigten, was sie waren. Niemand ist jemandem nachgeeifert. Davon haben wir nicht viel gesehen. Ein paar Bands hier und da vielleicht, weißt du, was ich meine? Aber größtenteils haben die Bands ihr eigenes Ding gemacht und wirklich die Grenzen verschoben, den Hörer wirklich herausgefordert. Und darum geht es doch in der Musik, oder? Es ist Individualität.
Ich bin Chad Gray und was ich mache, bin ich. Aber die Dinge, die mich zu Chad Gray machen, sind James Hetfield, Layne Staley, Phil Anselmo, blah, blah, blah, blah, blah. Ich könnte die Liste durchgehen und dir wahrscheinlich 50 verschiedene Sänger nennen, die ich [fügt Chris Cornell noch hinzu] dazu benutzt habe, jedes verdammte Ding zu singen, das sie jemals in ihren Songs und auf ihren Alben veröffentlicht haben. Und ich habe all diese Einflüsse, die mich so sehr inspiriert haben, dass ich das tun wollte, was ich tue, in mich aufgenommen und verarbeitet. Und jetzt kommen all diese Leute, von denen ich spreche, als Chad Gray aus mir heraus. Weißt du, was ich meine? Ich habe das Gefühl, dass das jeder getan hat. Ich meine, die einzige Möglichkeit, wie man Musik so rein und wahrhaftig machen kann, ist, wenn die Leute aus ihren Einflüssen schöpfen.
All diese Einflüsse machen sie zu dem, was sie sind und was sie zu der musikalischen Gleichung beitragen. Ich habe getan, was ich getan habe, und ich habe beigetragen, was ich beigetragen habe, aber ich hätte nicht das beitragen können, was ich beigetragen habe, ohne die Leute, die mich beeinflusst haben. Und ich hätte nicht das beisteuern können, was ich beigesteuert habe, wenn ich nicht mit jedem einzelnen dieser verdammten Leute, die ich erwähnt habe, gelernt und mitgesungen hätte. (…) Ich glaube, es gab eine Menge Leute, die nicht darauf geachtet haben, wie… Was Bands machen, wenn sie sich diese neue Band ansehen und jeder dieser neuen Band folgt, das ist nicht mal wirklich ein Einfluss, weil sie aktuell sind.“
Chad Gray zog Einflüsse aus lange vergangenen Tagen
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„Meine Einflüsse, selbst als 2001 L.D. 50 herauskam, waren meine Einflüsse von 1981, 1983 – also 20 Jahre, fast 20 Jahre bevor ich mein erstes Album herausbrachte. Ich habe nicht eine Band von 1999 geklaut und mein Album 2001 veröffentlicht. Meine Einflüsse gingen weit zurück – meine Einflüsse waren 18, 19, 20 Jahre alt. Die Leute, die mich inspiriert haben – James Hetfield mit seiner ‚yellody‘, der Art, wie James im Grunde in der Tonart schreit, was ich in meiner Musik oft tue. Und mein Scream. Ich denke auf jeden Fall an all die Leute, die screamen – Philip Anselmo. Jetzt ist es mein Scream, aber anfangs war es seiner. Ich habe ihn einfach genommen und verdreht und ihn zu etwas anderem gemacht.
Ich glaube, das war es, was damals geschah. Ich glaube, dass alles, was in den späten 90er Jahren und im Jahr 2000 passierte, von einem sehr reinen Ort mit all den Musikern kam, die zu dieser Zeit Musik kreierten. Ich denke, dass alles von alten Einflüssen herrührte, die im Laufe der Zeit kultiviert und gepflegt worden waren und sich in etwas völlig anderes verwandelten. Und dazu braucht es Zeit. Ich kann mich nicht von jemandem beeinflussen lassen, der erst letztes Jahr ein brandneues Album herausgebracht hat. Ich habe keine Zeit, es so zu verarbeiten, dass es sich von dem unterscheidet, was es vielleicht vor einem Jahr war. Aber über 20 Jahre hinweg kann ich das zu 100 Prozent verarbeiten und es in etwas verwandeln, das nur mir gehört, das Chad Gray gehört, was er der Musikwelt bietet, was ich für sehr wichtig halte.
Musik ist Wahrheit. Sie sollte Wahrheit sein. Das ist sie für mich. Das ist es, was mich an der Musik erfüllt: die Ehrlichkeit und die Liebe, die ich in sie stecke. Ob es den Leuten gefällt oder nicht, ist mir also verdammt egal. Es ist, was es ist. Ich tue, was ich tue. Ich bin ehrlich bei dem, was ich tue. Ich liebe, was ich tue. Ich kümmere mich darum. Ich beschütze es. Ich hege und pflege es. Ich kultiviere es. Und dann veröffentliche ich es. Und wenn du es magst, cool. Wenn nicht, eh, egal.“
Bild: YouTube / „Mudvayne – Not Falling / Under My Skin; Pine Knob Music Theater; Clarkston, MI; 8-6-2023“


