Live

Hardcore

Live bei: H2O in Essen (28.05.2024)

Still here - after all these f*cking years.

VON AM 01/06/2024

H2O – fast schon mehr Phänomen als Band. Immerhin hat die Band um Frontmann Toby Morse inzwischen seit fast neun Jahren kein neues Album veröffentlicht. Und auch abgesehen davon würde sich wohl jeder Marketing-Experte die Zähne an H2O ausbeißen. Keine Social Media-Präsenz, kein Dresscode auf der Bühne und auch keine besondere Gestaltung dieser. Doch schadet diese Einstellung der Band? Keineswegs. Denn die Popularität von H2O ist wohl auch gerade wegen ihrer Haltung ungebrochen groß. Und so muss die Show, die eigentlich im kleinen Don’t Panic stattfinden sollte, nach nebenan ins Turock verlegt werden. Das finden viele Fans nicht ganz so toll, was einerseits verständlich ist. Andererseits kann man sich ja auch einfach einmal darüber freuen, dass so noch mehr Leute in den Genuss der Show von H2O kommen können.

Ground2A

Den Anfang machen an diesem Dienstagabend aber erst einmal Ground2A. Die Band kann sich, als sie gegen 20.15 Uhr die Bühne betritt, schon über ein ziemlich gut gefülltes Turock freuen. Diese Steilvorlage nutzt das Quintett aus Hessen dann auch direkt. Es folgen 40 Minuten, in denen schnell klar wird, dass Ground2A in den letzten Jahren jede Menge Bühnenerfahrung gesammelt haben. Die Band ist zwar erst seit 2021 dabei, macht das Ganze aber fast so routiniert, als würden sie wie H2O schon seit 30 Jahren auf der Bühne stehen. Auch musikalisch weiß die Band zu gefallen. Gerade im Hardcore besteht bekanntlich immer mal wieder die „Gefahr“, dass junge Bands sehr stark in Richtung Metal und damit weg vom Hardcore-Punk abdriften. Ground2A hingegen weiß die Balance zwischen Oldschool und New School sehr gut zu halten. Ein sehr gelungener Start dieses Abends!

Ground2A
Ground2A
Ground2A
Ground2AFotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

H2O

Kommen wir zu den Stars des Abends – wobei sich ohne Frage jedes einzelne Bandmitglied von H2O gegen die Bezeichnung „Star“ wehren würde. Die Band spielt in Essen das fünfte Konzert ihrer Tour, die ohne Ruhetag auskommt. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Toby Morse mit seinen 54 Jahren nicht das älteste Mitglied der Band ist. Aber während man bei anderen Bands (hat jemand NOFX gesagt?) irgendwann froh ist, sie in den wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden, ist von Altersmüdigkeit bei H2O nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Die Band ist auf der Bühne des Turocks agil wie eh und je. Auch der Sound genügt allerhöchsten Ansprüchen. Und so reiht sich ein Highlight an das nächste. Das textsichere Publikum kommt auf seine Kosten und auch der Band selbst ist die Freude anzusehen. Ob es wirklich das bis dahin beste Konzert der Tour ist, wie Toby Morse sagt? Wie dem auch sei, es macht jedenfalls richtig Spaß.

H2O
H2O
H2OFotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

Hochzeitstag in Essen

Wenn man in Los Angeles und damit der wohl schönsten Stadt des Universums wohnt, kann man sich vermutlich schönere Städte als Essen vorstellen, um den Hochzeitstag zu feiern. Aber weil H2O ein family business ist und nicht nur Tobys Sohn Max seit zwei Jahren am Schlagzeug sitzt, sondern seine Ehefrau Moon für den Merch-Verkauf zuständig ist, sind die beiden an ihrem 28. Hochzeitstag zumindest zusammen unterwegs. Und so schlecht wie das Ruhrgebiet gemacht wird, ist es ja bekanntlich auch gar nicht. Vor allem nicht, wenn man eine solche Show im Turock spielen kann. Für seine Frau gibt es als Hochzeitsgeschenk dann auch noch eine etwas wackelige, weil wenig geprobte Version ihres Lieblingssongs „Phone Song“. Was will man mehr? Vielleicht werden Hochzeitsreisen nach Essen jetzt ein großer Trend in L.A.?

H2O
H2O
H2OFotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

H2O: Kompakt, aber gut

Aber nicht nur Moon Morse darf sich Songs wünschen. Auf Bitte eines Fans wird spontan auch noch „Memory Lane“ gespielt. Auch etwas wackelig, aber mit viel Herzblut. Letzteres gilt aber ohnehin für das gesamte Set der Band, die sich ansonsten gewohnt sicher und routiniert zeigt. Wahrscheinlich hätten sich einige Fans über etwas mehr als die knappe Stunde Spielzeit gefreut. Aber zum einen war das bei H2O noch nie anders und zum anderen gehört eine kompakte, aber energiegeladene Setlist irgendwie auch zu einer Hardcore-Show dazu. H2O zeigen an diesem Abend in Essen jedenfalls, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen der Szene gehören. Im August kommt die Band noch einmal für einige Shows zurück – wer jetzt die Chance verpasst hat, sollte sie dann nutzen. Ganz besonders wie dieser Abend in Essen wird es aber vielleicht nicht noch einmal.

Titelbild im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)

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