Live
Alternative Pop-Punk Rap
Live bei: Grandson in Köln (24.02.2026)
Am 24.02.2026 zog es die Fans von Grandson in das Carlswerk Victoria nach Köln – und das, obwohl es ein ...
VON
Saskia Schollenberg
AM 05/03/2026
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Am 24.02.2026 zog es die Fans von Grandson in das Carlswerk Victoria nach Köln – und das, obwohl es ein Dienstag war und ein Großteil vermutlich den nächsten Tag mit Arbeit verbringen würden. Schon vor 18 Uhr bildete sich eine Schlange vor der Halle und trotz kühler Temperaturen lag statt Müdigkeit die pure Vorfreude in der Luft. Die Verlegung des Konzerts aus dem etwas größeren E-Werk in die etwas kleinere Location schien auch der Atmosphäre zu Gute zu kommen, der Saal war gut gefüllt, jedoch keineswegs überfüllt und Platz zum Bewegen gab es genügend.
Pinkshift
Pünktlich um 19 Uhr starteten Pinkshift ihr Set und setzten bereits hier ein starkes Statement für den folgenden Abend. Auch wenn ein Teil der Crowd zunächst noch vorsichtig wirkte und die Band offenbar nicht durchweg kannte, dauerte es nicht lange, bis der Funke übersprang.
Mit energiegeladenen Performances zu „BURN THE WITCH“ und „Blood“ bewiesen Pinkshift nicht nur ihre musikalische Vielseitigkeit, sondern auch eine beeindruckende Bühnenpräsenz. Es wurde mitgeklatscht, getanzt, gejubelt und schon bald öffneten sich die ersten, zunächst zaghaften Moshpits im Saal. Einziger Wermutstropfen: Die Vocals waren stellenweise etwas zu leise abgemischt, was die Wucht einzelner Momente leicht abschwächte und dem ansonsten kraftvollen Auftritt etwas von seiner Durchschlagskraft nahm. Zwischen den Songs suchte die Band immer wieder das Gespräch mit dem Publikum. Mit motivierenden Botschaften schufen sie eine Bindung zum Publikum.

Auch Politik fand ihren Platz, kaum verwunderlich, denn man befindet sich ja immerhin auf einem Grandson Konzert – die Band sprach über die schrecklichen Ereignisse rund um das Vorgehen von ICE-Agents in den USA und das Publikum entgegnete mit lautstarkem Support. Ein Zeichen dafür, dass es an diesem Abend nicht nur um Musik ging, sondern auch um Haltung.
Bei ihrem letzten Song fiel leider ein Teil der Technik aus, die Stille wurde von ohrenbetäubendem Jubel übertönt und bewies hier, dass die Band das Publikum zu 100 Prozent für sich gewonnen hatte.
Woraufhin sich Vocalist:in Ashrita Kurma prompt das Mikro von ihrem Gitarristen schnappte und den Song zu Ende spielte und die Band unter lautem Applaus die Bühne verließ.

Grandson
Um 20 Uhr verdunkelte sich der Saal erneut, ehe Grandson unter tosendem Applaus die Bühne betrat. Mit „AUTONOMOUS DELIVERY ROBOT“ und „BURY YOU“ als Opener setzte er direkt ein Ausrufezeichen – der gesamte Raum geriet augenblicklich in Bewegung. Springende Körper, erhobene Fäuste, erste Crowdsurfer: Die Energie war vom ersten Moment an greifbar.
Auch in seinen ersten Worten ans Publikum wurde deutlich, dass es an diesem Abend um mehr ging als nur Musik. Grandson betonte, dass seine Shows ein Safespace für alle sein sollen. Auf seine Nachfrage Richtung Moshpit, ob sie das einhalten könnten, antwortete ein Meer aus erhobenen Daumen. Gleichzeitig fand er klare Worte gegen Intoleranz und machte unmissverständlich deutlich, dass für LGBTQ+-feindliche, rassistische oder ableistische Haltungen kein Platz sei. Der Saal reagierte mit lautstarken „Nazis raus“-Rufen, und auch ein deutliches „Fuck the AfD“ seitens des Künstlers blieb nicht aus.

Bei „BELLS OF WAR“ sprang Grandson dann von der Bühne und suchte das erste Mal die Nähe zur Crowd. Es sollte jedoch nicht das letzte Mal sein, dass er sich zur ersten Reihe gesellt. Auch die Band ließ sich nicht lange bitten: Während „6:00“ landeten Bassist und Gitarrist mitten in einem Circlepit und heizten die ohnehin brodelnde Menge weiter an. Die Moshpits wurden größer, die Zahl der Crowdsurfer stieg kontinuierlich und so manch einer durfte sich nach seiner Reise nach vorne noch ein High-Five von der Bühne abholen.
Passend zum Namen der Tour wurden an diesem Abend alle Lieder von dem Album „INERTIA“ gespielt, doch auch darüber hinaus warteten besondere Momente. Nicht nur wurde „Masters of War“ von Bob Dylan gecovert und brachte den Saal regelrecht zum Beben, Grandson packte auch einen seiner weniger gespielten Tracks aus und als das Wort „Identity“ fiel, war die Freude des Publikums greifbar.

Wie tief die Verbindung vieler Fans zu diesen Songs geht, zeigte sich besonders, als die Band die Bühne verließ und Grandson allein mit Gitarre zurückblieb. Mit „Heather“ verwandelte sich die zuvor explosive Atmosphäre in eine beinahe zerbrechliche Stille. Zahlreiche Stimmen sangen leise mit, vereinzelt flossen Tränen. Der abrupte Übergang zurück zu energiegetriebenen Songs fühlte sich absolut falsch an, doch als dann das große Finale mit „Blood//Water“ losging, geriet das schnell in Vergessenheit.
Der Saal sang, sprang und schrie jede Zeile mit. Ein Abschluss, der für sich bereits genügt hätte. Doch natürlich blieb es nicht dabei. Lautstarke „Zugabe“-Rufe hallten durch das Carlswerk und Grandson kehrte für drei weitere Songs zurück, bevor „Stick Up“ den gelungenen Abend endgültig beendete.

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