
Grüße aus der Krypta.
Die Uhr schlägt 12 um Mitternacht, die Geister sind vom Schlaf erwacht – so beginnt nicht nur der Song „Geister-Rock ´n´ Roll“, sondern bildlich gesprochen auch das Streaming-Konzert der Extreme Metaller Cradle of Filth. Denn eine Uhr zählt die Zeit bis 12 Uhr, bis zum Start des Streams, herunter und bringt den Zuschauer in das passende Mindset.
Der Chat neben dem Video verrät, dass weltweit Filthlings, wie die Fans der Kombo liebevoll genannt werden, auf den Beginn der Show warten. In Deutschland haben wir Glück, denn los geht’s um 23 Uhr und das vor einem Feiertag. Die besten Bedingungen für einen düster-entspannten Abend.
Cradle of Filth lassen das Herz schwarzer Seelen höherschlagen
Nebelschwaden ziehen über den Boden der noch spärlich beleuchteten Halle, während im Hintergrund eine große LED-Wand leuchtet. Schemenhaft taucht die Band scheinbar aus dem Nichts auf und richtet ihre Grüße in Richtung Kamera. Da kommt selbst auf dem heimischen Sofa dieses leichte Kribbeln und ein bisschen Nervosität auf – das Gefühl, was man sonst von „richtigen“ Live-Konzerten kennt.
Wer sonst gerne mit den Musikern bei Konzerten quatscht, hatte übrigens die Möglichkeit, ein Ticket-Bundle samt Chat mit der Band zu ergattern.
Lord Filth betritt die Bühne mit einer Fackel in der Hand und tritt vor bis zu seinem aufwendig gestalteten Mikrofonständer. Stimmlich ist er den ganzen Abend über top und seine Bandmitglieder liefern ebenso sauber ab. Es entsteht der Eindruck, dass sie wirklich Bock auf die Show haben und sich freuen, endlich mal wieder auf einer Bühne zu stehen.
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Über die Live-Szenen werden immer wieder Bilder, Symbole und Videoausschnitte gelegt. Was anfangs etwas ungewohnt ist, zieht einen im Laufe der Zeit immer mehr in seinen Bann. Als Location hat sich der Trupp um Frontmann Dani Filth die St. Mary’s Church in Colchester in ihrer Heimat England ausgesucht.
Warme Worte zwischen filthigen Vocals
Zwischendurch richtet Filth, als einzig verbliebenes Gründungsmitglied, ein paar Worte an die Leute zu Hause. Auch wenn es für ihn bestimmt merkwürdig ist, auf eine Bühne zu stehen und mit jemandem zu sprechen, dessen Reaktion er nicht sehen kann, fühlt es sich für mich dadurch doch ein Stück weit mehr nach einem Konzert an.
Später nutzen die Mannen die Gunst der Stunde und stellen die neue Frau hinter dem Keyboard vor. Anabelle Iratni ersetzt die Ende letzenden Jahres gegangene Lindsay Schoolcraft und haut von nun an nicht nur in die Tasten, sondern ist auch für die Backing Vocals zuständig. Laut Dani Filth ist sie außerdem die Köchin der Truppe.
Mit dem Auftritt besteht sie ihre Feuerprobe. Allerdings ist die Keyboarderin kein unbeschriebenes Blatt, denn sie arbeitet bereits zusammen mit dem Cradle of Filth-Fronter in der Gothic-Metal-Band Devilment.
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Die Kameras rücken die Extreme Metaller gut in Szene. Einzig Drummer Martin „Marthus“ Skaroupka ist nie von vorne zu sehen. Klar, ein schöner Rücken kann auch entzücken, aber ihm mal ins Gesicht schauen zu können, wäre auch eine gute Kamera-Perspektive gewesen.
Cradle of Filth: Seh- und Hörvergnügen trotz Rauschen im Äther
Nachdem bekannt wurde, dass sich Cradle of Filth im Studio ausgetobt haben, hatte so mancher Fan wohl auf neues Material gehofft. Diesbezüglich wurden die Filthlings zwar enttäuscht, dennoch kann die Setlist überzeugen. Mit „The Principle of Evil Made Flesh“ gibt die Kombo etwas aus älteren Tagen zum Besten und Klassiker wie „Nymphetamine Fix“ gehen direkt ins schwarze Herz.
Zwischendurch gibt es feinste Gitarren-Soli zu hören und die langhaarigen Herren an den Saiteninstrumenten lassen es sich auch nicht nehmen, mal ordentlich zu propellern. Darüber hinaus sind auch die zwischendurch zum Einsatz kommenden Feuerelemente was fürs Auge.
Gegen Ende des eineinhalb stündigen Gigs durften auch Songs wie „Her Ghost in the Fog“, „Saffron’s Curse“ und „From the Cradle to Enslave“ nicht fehlen.
Kurzzeitig bricht die Verbindung zum Stream ab, was zwar zu einem Aufschrei im Chat führt, schnell aber wieder behoben ist. Und nachdem das Livestream-Event bereits im Vorfeld zweimal verschoben werden musste, überwiegt die Freude, Cradle of Filth live sehen zu können. Zum Abschied heißt es nicht nur bleibt gesund, sondern vor allem „Stay fucking filthy!“.
Setlist:
1. At the Gates of Midian 2. Cthulhu Dawn 3. Blackest Magick in Practice 4. Lilith Immaculate 5. Nymphetamine Fix 6. The Principle of Evil Made Flesh 7. Honey and Sulphur 8. Heartbreak and Seance 9. Mannequin 10. Malice Through the Looking Glass 11. Creatures That Kissed In Cold Mirrors 12. Her Ghost in the Fog 13. Saffron’s Curse 14. The Twisted Nails of Faith 15. Born in a Burial Gown 16. From the Cradle to Enslave
Beitragsbild: „Dracula Spectacular“ Livestream (12.05.2021)
Konzertinfo
Foto: Alexander Trinitatov / Offizielles PromobildCradle of Filth
Cradle of Filth ist eine Extreme Metal-Band aus dem englischen Suffolk, die im Jahr 1991 von Sänger Daniel Lloyd Davey alias Dani Filth gegründet wurde. Foto: Alexander Trinitatov / Offizielles Pro…
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