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Sobald ein Künstler in Dauerrotation im Radio läuft, wird mancher nervös und schwingt mit der „adornoschen“ Keule. JAMES BAY ist sicherlich kein Kandidat für die böse Pop-Schublade. Dass er ein ernst zu nehmender Musiker ist, bewies er im Rahmen seiner ersten größeren Tour in Deutschland – bei seiner Show in Köln.
War die Show im Vorfeld schon ewig ausverkauft, verwundert es auch keinen, dass schon lange vor Einlass eine beachtliche Schlange vor den Türen des Kölner Palladiums auf den Startschuss wartet. Wer nicht zu spät kommt, bekommt mit RUKHSANA MERRISE eine sehr vielversprechende Künstlerin als Aufheizerin geboten. Die Britin und ihre beiden Mitmusiker vereinen Folk mit Soul und RnB und sorgen so schnell für gute Laune im Publikum. MERRISE wird eine große Zukunft vorausgesagt, die sie mit ihrer 2014 erschienenen EP September Songs, die über Communion Records, dem Label von Ben Lovett (MUMFORD & SONS) veröffentlicht wurde, schon in die richtige Richtung gebracht hatte.
Eine gute halbe Stunde später ist es dann soweit. Hinter einem weißen Banner ist kurz seine Silhouette zu erkennen, dann fällt der Vorhang und JAMES BAY legt unter tosendem Beifall los. Dem Briten, dem nachgesagt wirkt, dass er eher zu den ruhigeren und schüchternen Vertretern gehören soll, hat kaum Mühe das überwiegend weibliche Publikum in Ekstase zu bringen. Als Opener gibt es das bluesige Collide gefolgt vom eher rockigeren Craving und schnell wird klar, dass das heute Abend alles andere als eine Kuschelveranstaltung wird. Zwar hat BAY die Posen der ganz großen Rockstars gekonnt drauf, allerdings weiß er auch musikalisch zu überzeugen. So hat er neben seiner kantigen Stimme auch eine ganze Reihe an Gitarren im Gepäck, die er immer wieder wechselt.
Gefühlvoll wird es dann bei If You Ever Want To Be In Love bei dem das Publikum sich nicht zweimal bitten lässt und kräftig mitsingt. Schade ist allerdings, dass eben dieses sich auch dann einbringen will, wenn es eher unangebracht ist: vor dem schleppenden Scars steht minutenlang alleine mit seiner Gitarre, spielt wenige ruhige Töne, versucht die Atmosphäre aufzubauen, die dem Song gerecht wird. Diese kommt leider kaum auf, da das Publikum nicht die nötige Aufmerksamkeit und Ruhe mitgebracht hat, um einfach nur zuzuhören statt sich zu unterhalten.