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Ich muss zugeben, dass 5 Stunden Zugfahrt an einem Sonntag ein gutes Argument waren, um es sich kurz vorher nicht doch noch einmal anders zu überlegen und sich lieber in die warme Jogginghose als in ein (überraschend) volles Zugabteil zu begeben. Jedoch ließ mich meine Neugier nicht in Ruhe, denn schließlich spielten ICE NINE KILLS und ihr Support AFFIANCE, im Zuge ihrer Europatour, ihre allerersten Shows in Deutschland. Also musste ich meine Jogginghose leider enttäuschen und machte mich auf den Weg nach Bochum in den Rockpalast.
Trotz bereits vier veröffentlichter Alben, mehrerer EPs und einer eingeschworenen Fangemeinde gelten ICE NINE KILLS aus Boston, MA, immer noch als Geheimtipp bei uns. Ihr letzter Output „Every Trick In The Book“ erschien Ende letzten Jahres, wodurch eine Tour durch Europa mehr als überfällig war.
Ein ähnlich langes Portfolio mit drei Alben können auch AFFIANCE aus Cleveland, OH, vorweisen. Ihre EP „Gaia“ erschien nach einer mehr oder weniger erfolgreichen Crowfunding-Kampagne, Anfang des Jahres. Trotz der veröffentlichten Coverversionen von The Final Countdown (Europe), Africa (Toto) und Aces High (Iron Maiden) ist die Größe der Fangemeinde bei uns eher klein.
Als dritte Band im Bunde stießen SHIELDS aus London, UK dazu, die für einige, trotz des Underdog-Status, kein unbeschriebenes Blatt sind. Durch mehrere Touren bereits als Support für Napoleon, Kingdom Of Giants und Oceans Ate Alaska konnten sie sich einen Namen bei uns machen. Ungewöhnlich für einen Sonntagabend, war der Rockpalast Bochum durchweg gut besucht. Es gab zwar noch Karten an der Abendkasse, jedoch konnten das bei der Dichte an Menschen innerhalb des Raumes nicht mehr viele sein.
Den Auftakt machten SHIELDS und glänzten mit ihrer Live-Erfahrung. Sänger Joe rief immer wieder zum Springen auf und animierte damit zum Bewegen. Schwierig für die erste Band des Abends, jedoch blieb er hartnäckig und taute das Publikum immer mehr auf. SHIELDS lieferten einen grundsoliden Sound mit dröhnenden Gitarren, einem mächtigen und treibenden Schlagzeug und sehr variablen Vocals, bei denen keine Langeweile aufkam. Gerade der Wechsel zwischen Fronter Joe und Gitarrist Sam bildete eine wunderbare Synergie. Auch wenn nicht jeder seine Hemmungen fallen ließ, sind SHIELDS vielen und auch mir im Gedächtnis geblieben. Mit dem richtigen Publikum kann die Truppe jeden Laden auseinandernehmen.
Danach betraten AFFIANCE die Bühne, auf die ich mich am meisten freute. Trotz fehlendem Bassisten war keine Stück von Nervosität zu spüren. Sänger Dennis witzelte bereits beim Aufbau mit dem Publikum direkt vor der Bühne. Ein absoluter Charmebolzen, der das Set der Amerikaner mit den Worten „First things first: I’m sorry for Donals Trump“ begann. Leider fehlte ein wenig die Erfahrung mit dem deutschen Publikum. Da wo SHIELDS die Leute zum springen und „tanzen“ anregte, fehlte es bei AFFIANCE an Aufforderungen. Wer sich daran aber nicht störte, bekam eine geniale Performance aller Musiker auf der Bühne. Der vom Band kommende Bass ging leider im Live-Sound unter und war auch deutlich leiser als die Samples. Somit war der Sound ein wenig drucklos, jedoch machte Sänger Dennis mit seinem unmenschlich guten Gesang vieles wieder wett. Alles in allem hätte ich persönlich AFFIANCE eher als Support für August Burns Red oder Killswitch Engage gesehen, da die hohe Dichte an Gitarrensolis und den überwiegenden Clean-Vocals nicht zur Eingängigkeit beitragen. Jedem Fan von hoher Gitarren- und Gesangskunst kann ich diese Band live sowie auf Platte nur wärmstens empfehlen.
Schlussendlich machten sich ICE NINE KILLS die Bühne zu eigen. Theatralisch, fast schon opernhaft dröhnte das Intro über die Boxen des Rockpalastes. Sänger Spencer betrat die Bühne, im viktorianischen Mantel, aus dem Dunkeln heraus. Beginnend mit „Communion Of The Cursed“ übernehmen ICE NINE KILLS das Thema „Horror“ gekonnt aus ihren Alben mit auf die Bühne. Große Ansagen blieben aus, um die Atmosphäre bei zu behalten. Einzig Aufrufe zu Wall Of Deaths und Circle Pits kamen durch Mikro. Diese zeigten auch ihre Wirkung, da das Publikum ohne zu zögern loslegte. Bereits beim 3. Song „The Nature Of The Beast“ wurde Spencer vom Publikum auf Händen getragen. Die Stimmung riss zu keinem Zeitpunkt ab. Als Zugabe gab es „The Coffin Is Moving“ aus dem 2014 erschienen „The Predator Becomes The Prey“. Der Sound wurde von der getriggerten Bassdrum dominiert, die einem aggressiv um die Ohren flog. Trotz insgesamt zwei Gitarrensamples und dem Live-Sound von Gitarrist Justin kam gerade die Rhythmusgitarre ein wenig schwach daher.
Nach einer mehr als ausgiebigen Autogrammstunde von ICE NINE KILLS war es alles in allem ein gelungener Abend mit drei Bands, die das Ticket für ca. 20€ auf jeden Fall wert waren. Mein persönliches Highlight AFFIANCE haben mich die lange Anfahrt schnell vergessen lassen und den anstehenden Montag versüßt.
Bericht von: Philip Linn
Konzertinfo

Ice Nine Kills
Ice Nine Kills (INK) ist eine amerikanische Metalcore-Band aus Boston, Massachusetts. 2002 gründeten die Freunde Spencer Charnas und Jeremy Schwartz die Ska-Punk Band Ice Nine. Ziemlich schnell entwic…
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