
Wherever/Whenever: Doku zeigt ungeschönten Blick auf das Tour-Leben 2021
In den Hauptrollen: Kali Masi aus Chicago.
Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Mussten zuletzt diverse Touren, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, abgesagt werden, so war es 2020 und 2021 lange generell kaum möglich, Shows zu spielen. Entgegen aller Widrigkeiten entschlossen sich Kali Masi im Winter 2021 ihre Europa-Tour mit über 20 Shows dennoch zu spielen und sich dabei auf ein einmaliges Abenteuer einzulassen. In ihrer eindrucksvollen Dokumentation gewähren die US-Amerikaner einen Einblick hinter die Kulissen und zeigen dabei, wie chaotisch das Tourleben einer Band in der Hochzeit der Pandemie war.
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Kali Masi: Abenteuer Europa-Tour
Könnt ihr euch noch an Autokino-Konzerte erinnern? An Hardcore-Shows vor einem sitzenden Publikum? Oder an aufgemalte Bereiche, in denen man sich innerhalb eines Saals nur aufhalten durfte? Vor allem die Jahre 2020 und 2021 werden uns mit Blick auf die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auswirkungen und Herausforderungen für den Kulturbetrieb in Erinnerung bleiben. Auch wenn es keine drei Jahre her ist, so wirken einige der genannten Lösungsansätze heute doch arg bizarr.
Nachdem die Emo Punks von Kali Masi im Frühjahr 2021 ihr zweites Album „[laughs]“ veröffentlichten, war lange nicht klar, ob der Release auch im Rahmen einer Europa-Tour zeitnah gefeiert werden konnte. Gab die Band aus Chicago ihr Debüt bei uns im Sommer 2019, wurde die Rückkehr ganze drei Mal verschoben, ehe man sich entschloss, die für November und Dezember 2021 angesetzte Tour trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zu spielen. Dass Kali Masi diese in einer vierteiligen Dokumentation (á rund 30 Minuten) festgehalten haben, ist nicht nur ein tolles Geschenk für Fans der Band. Vielmehr zeigt es auch das Chaos, das Tourbands in den vergangenen Monaten durchleben mussten, um das zu tun, was ihnen am Herzen liegt: Konzerte zu spielen.
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Unklare und vor allem alles andere als einheitliche Bestimmungen, teils sogar innerhalb eines Landes, der Spagat zwischen Spaß und Vorsicht und die damit verbundene Angst vor einer Infektion waren nur einige der vielen Hürden, die Kali Masi auf Tour überwinden mussten. In der Dokumentation “WHEREVER/WHENEVER” nehmen die Bandmitglieder kein Blatt vor dem Mund, als es zum Beispiel darum geht, dass Regeln, wie das Tragen von Masken, nicht eingehalten werden und damit Crew und Band gefährden. Eine Corona-Erkrankung hätte nämlich das Aus vieler Shows und damit auch einen erheblichen finanziellen Schaden bedeutet. Dass Kali Masi ihre Tour am Ende doch vorzeitig beenden müssen, liegt letztendlich an der diffusen Situation kurz vor Weihnachten 2021, als immer mehr Regionen in Deutschland die Notbremse ziehen. Dabei hatten sie lange Zeit das Glück auf ihrer Seite.
Der ungeschönte Blick auf die Live-Situation 2021
“WHEREVER/WHENEVER” dokumentiert wunderbar, was den meisten Fans normalerweise verborgen bleibt. Das Anmieten von Tour-Equipment auf dem Weg zur ersten Location, das erste Kennenlernen mit dem eigenen Tour-Manager, die Reisestrapazen zwischendurch und auch die Entromantisierung des Lebens im Van. “Es ist nicht so, dass wir zu den Shows kommen und jedes Mal beste Freunde fürs Leben finden. Am Ende sind wir dann doch wieder unter uns”, erklärt einmal Schlagzeuger John Garrison. Es ist diese Isolation, die gar paradox erscheint, wenn man überlegt, dass die Band Tag für Tag neue Städte entdeckt, aber immer auf der Hut sein muss, um vor allem die eigene Gesundheit nicht zu gefährden. Entsprechend nervös sind die Jungs, als sie in München im Backstage spielen, das teilweise zu einer Corona-Teststation umfunktioniert wurde. Zu dem Zeitpunkt werden in Deutschland rund 70.000 Krankheitsfälle gemeldet, während Bayern auf Ebene der Bundesländer an zweiter Stelle steht.
Dass Europa, aber vor allem Deutschland ein beliebtes Ziel internationaler Bands ist, liegt unter anderem auch an der Gastfreundlichkeit der hiesigen Locations. So spricht John Garrison auch über die Wertschätzung von Bands in Deutschland und dass dies durchaus ein Unterschied zu den USA sei. Gerade unter dem Aspekt ist “WHEREVER/WHENEVER” besonders spannend, wenn Kali Masi später in Italien, der Schweiz und nach Großbritannien reisen und immer wieder neue Herausforderungen zu bewältigen haben, die am Ende sogar den Abbruch der Tour zur Folge haben.
So legt die Doku einen großen Wert auch auf die Gedanken der einzelnen Akteure, streut dabei aber immer wieder auch Szenen von der Bühne ein und funktioniert sowohl für Fans von Kali Masi, die musikalisch irgendwo zwischen The Menzingers, Basement und Alkaline Trio tanzen, aber auch für Leute, die einen ungeschönten Blick auf die Live-Situation 2021 erhalten wollen. Das Ganze gibt es in vier Teilen und kostenlos auf dem YouTube Channel-der Band zu sehen.
Dass Kali Masi aber vor allem ihr Handwerk verstehen, könnt ihr in unserer Review zum Album nachlesen. Dieses könnt ihr übrigens auch gerade in einem unschlagbar günstigen Bundle erhalten.
Bild: YouTube / „‚It’s All About Communication‘ | WHEREVER/WHENEVER [2/4]“ – Kali Masi


