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VINTA: Wenn Schmerz laut wird – und plötzlich Raum für Hoffnung bleibt
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Interview

VINTA: Wenn Schmerz laut wird – und plötzlich Raum für Hoffnung bleibt

Warum „KALYPSO“ das bisher ehrlichste Kapitel der Band ist.

Jonas Happel/7. Apr.· Aktualisiert 15. Mai/4 Min.Foto: Celine de Groot / Offizielles Pressebild
J

Jonas ist einer der Heads von MoreCore und kümmert sich hauptsächlich um die Pressearbeit, Zahlen, diverse Projekte sowie die Kommunikation mit Partnern, Labels und Bands. In seiner Freizeit vertritt er in Perfektion die kölsche Lebensart, die er nach über zehn Jahren in der Rheinmetropole nun auch im Münsterland auslebt. Dazu gehört auch, für jeden im Team ein offenes Ohr zu haben! Zudem ist er auf vielen Konzerten und Festivals anzutreffen, schwingt super gerne mal den Kochlöffel und schreibt nebenher Musik für Kinder. Beruflich arbeitet Jonas als Lehrer für Sonderpädagogik an zwei inklusiven Grundschulen in Bocholt.


Es gibt Bands, die entwickeln sich mit jeder Veröffentlichung ein Stück weiter. Und es gibt Bands wie VINTA, die irgendwann an einen Punkt kommen, an dem sie aufhören zu suchen und anfangen, genau das zu sagen, was sie wirklich fühlen. Mit „KALYPSO“ ist genau das passiert.

Anderthalb Jahre nach „Kaputt für immer“ klingt die Band nicht nur direkter, sondern vor allem klarer in dem, was sie sein will. Das beginnt schon beim Ansatz: Während das Debüt noch organisch aus einzelnen Songs gewachsen ist, war diesmal von Anfang an klar, dass ein zusammenhängendes Album entstehen soll. Ein Unterschied, der alles verändert hat.

Mehr Freiheit, mehr Druck, mehr Wahrheit

Der bewusste Fokus auf ein Album hat VINTA neue Möglichkeiten gegeben, aber auch neue Herausforderungen. „Wir hatten plötzlich einen klaren Rahmen, in dem wir uns austoben konnten“, erklärt die Band. Gleichzeitig brachte genau dieser Rahmen auch mehr Verantwortung mit sich.

Denn während sich musikalisch neue Freiheiten eröffneten, wurde auch im Hintergrund vieles intensiver: Die Band wächst, die Erwartungen steigen, und damit auch die Belastung im Alltag. „Unser Herzensprojekt nimmt immer mehr Raum ein und bringt ständig neue Aufgaben mit sich“, sagen sie. Eine Entwicklung, die sich zwangsläufig auch im Privatleben widerspiegelt. Und genau diese Realität hört man dem Album an.

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Deutsch, direkt, ungefiltert

Während viele Bands im Metalcore weiterhin auf Englisch setzen, bleibt VINTA konsequent bei deutschen Lyrics. Eine Entscheidung, die nicht immer einfach war. „Gerade am Anfang war das schwierig, weil Deutsch oft als steif wahrgenommen wird und viele skeptisch sind.“

Doch genau darin liegt mittlerweile ihre Stärke. Die Texte wirken nicht übersetzt, nicht konstruiert, sondern unmittelbar. Persönliche Erfahrungen, Erinnerungen und Emotionen werden nicht versteckt, sondern verarbeitet. Mal direkt, mal bildlich, aber immer greifbar. Und genau das kommt an.

Zwischen Dunkelheit und Hoffnung

Thematisch bewegt sich „KALYPSO“ dort, wo es weh tut: Trennungen, Abhängigkeiten, zerbrechende Freundschaften. Doch das Album bleibt nicht in dieser Schwere stehen. Gerade live hat die Band gemerkt, wie wichtig es ist, Raum zum Atmen zu lassen. „Vieles ist scheiße, aber eben nicht alles.“ Songs wie „Keine Medizin“ oder „Willst du“ zeigen eine andere Seite: nicht weniger emotional, aber mit einem anderen Fokus. Hoffnung statt Stillstand.

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Ein Album, das alles bündelt

Dass „KALYPSO“ so geschlossen wirkt, ist kein Zufall. Zum ersten Mal wurde ein VINTA-Album von Anfang an als solches gedacht und entsprechend konsequent umgesetzt. Der Schreibprozess begann direkt nach der letzten Tour, gefolgt von einer bewussten Entscheidung: weniger Shows, mehr Fokus. „Wir haben uns 2025 komplett auf das Album konzentriert“, sagt die Band.

Diese Entscheidung zahlt sich aus. Die Platte wirkt intensiver, durchdachter und gleichzeitig kompromissloser. Auch durch die Zusammenarbeit mit Produzent Yamin sowie Co-Writern wie Johannes Prautzsch (Kind Kaputt) und Tino Fahrner (Strahlemann) hat sich der Sound weiter geschärft. Ein Prozess, der nicht immer einfach war.

Der Song, der fast nicht existiert hätte

Ein gutes Beispiel dafür ist „Schwarzes Glas“. Der Track hat die Band besonders gefordert. So sehr, dass zwischenzeitlich sogar die Entscheidung im Raum stand, ihn komplett zu verwerfen. Stattdessen wurde alles noch einmal neu gedacht, umgebaut, auf links gedreht. Am Ende entstand genau der Song, der heute zu den intensivsten Momenten der Platte gehört.

Live: Das Ventil funktioniert

Während „KALYPSO“ auf Platte schon intensiv wirkt, entfaltet es live eine ganz eigene Dynamik. Die aktuelle Tour läuft bereits und die Band spürt jetzt schon, wie die neuen Songs ankommen. Vor allem bei Tracks wie „Keine Medizin“ zeigt sich, wie schnell sich das Publikum mit dem Material verbindet. „Es könnte gut sein, dass viele die Songs schon komplett mitsingen.“

Für die Band selbst bleibt es ein besonderer Moment, neue Songs ins Set zu integrieren. Gerade, wenn sie so persönlich sind. Denn live wird das Ganze zu dem, was VINTA inzwischen am besten können: Ein Ventil sein.

Angekommen, aber nicht am Ende

Vielleicht ist das die größte Veränderung im Vergleich zu früher: VINTA suchen nicht mehr nach ihrer Identität. Sie haben sie gefunden. „Früher haben wir viel ausprobiert und uns an emotionale Themen gar nicht richtig herangetraut“, sagen sie. „Heute wissen wir, dass genau das unser ehrlichster Weg ist.“

Und genau deshalb wirkt „KALYPSO“ nicht wie ein Zwischenschritt, sondern wie ein klares Statement. Eine Band, die angekommen ist. Und gleichzeitig erst anfängt, wirklich alles zu sagen.

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Foto: Celine de Groot / Offizielles Pressebild

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