
The Narrator im Interview zum neuen Album: „Unser Sound ist reifer und zusammenhängender geworden!“
The Narrator haben vor Kurzem ihr neues Album "Phosphor" veröffentlicht. Wir haben uns mit Sänger Jochi und Gitarrist Tom über das Album und die Pläne der Band unterhalten.
Mauritz Hagemann
Die Rüttenscheider Straße in Essen ist ohne Frage ein passender Ort für ein Interview mit The Narrator. Immerhin gehören beide – die „Rü“ und die Band – in ihrem Metier zu den Aushängeschildern der Ruhrgebietsstadt. Die Rüttenscheider Straße als Flaniermeile und The Narrator als eine der interessantesten Modern Metal-Bands, die es hierzulande derzeit gibt. Anlässlich des in der vergangenen Woche erschienenen Albums „Phosphor“ haben wir uns mit Sänger Jochi und Gitarrist Tom unterhalten.
Keine zwei Jahre zwischen zwei Alben
Mit „Phosphor“ legen The Narrator nur etwa anderthalb Jahre nach ihrem Debütalbum „Lore“ schon die zweite LP vor. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass zwischen Bandgründung und dem Erstlingswerk ungefähr sieben Jahre lagen. Vergleichen kann man die Zeiträume aber natürlich nur sehr eingeschränkt. Schließlich – so berichtet die Band – habe es in den ersten Jahren wenig Sinn ergeben, ein Album zu veröffentlichen. Lange Zeit sei man mit Singles gut gefahren. Schließlich habe man sich als Band erst einmal eine gewisse Bekanntheit erspielen müssen.
Nachdem „Lore“ überaus positive Reaktionen hervorgerufen habe, sei dann aber einiges in Bewegung geraten, berichtet Tom. „Wir haben zum Beispiel mit der Booking-Agentur über die anstehende große Headliner-Tour im Herbst gesprochen. Eine solche Tour ergibt mit einem neuen Album natürlich mehr Sinn.“ Auch das neue Label Nuclear Blast habe eine Rolle gespielt.
Und so mussten innerhalb weniger Monate Songs geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht werden. Eine Erfahrung, die The Narrator einerseits nicht missen, andererseits aber auch nur ungern wiederholen möchten. „Es war schon eine intensive Zeit.“, gestehen Tom und Jochi ein. Mit dem Druck habe man gut umgehen können, doch bis zum nächsten Album darf und soll gerne mehr Zeit vergehen.
The Narrator über den zunehmenden Erfolg der Band
Dennoch weiß die Band, dass das Momentum derzeit auf ihrer Seite ist. Und das will man ausnutzen. Können sich The Narrator selbst erklären, wie es von einer Local Band zu einer Szenegröße geworden sind? Die Antworten klingen ebenso simpel wie einleuchtend. „Ich denke, wir haben ganz einfach sehr viel in die Band investiert und hart gearbeitet. Und natürlich haben wir auch oft die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit getroffen.“, erläutert Jochi.
Tom spricht das gemeinsame Mindset der Band an. „Von Anfang an wollten wir alle gleichermaßen, dass die Band funktioniert und wir uns weiterentwickeln.“ Gerade in den ersten Jahren als Band sei man sehr fleißig gewesen, habe eine Show nach der anderen gespielt. Dass harte Arbeit allein nicht alles ist und man auch neben guten Entscheidungen immer wieder das nötige Glück braucht, ist der Band sehr bewusst.
Ein wichtiger Faktor seien aber auch die vielen guten Kontakte innerhalb der Szene, gibt Tom zu bedenken. „Wir haben kein bewusstes Networking betrieben oder uns bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund gestellt. Aber wenn man viel unterwegs ist, kommt man immer wieder mit Leuten ins Gespräch.“ Übrigens: Dass sich die Mühe gelohnt haben und dass man auf einem guten Weg ist, sei Tom erstmals beim „Curtain Call“-Festival Ende 2023 in Essen aufgefallen. „Da haben wir nicht nur die Zeche Carl ausverkauft, es sind auch viele Leute, die wir vorher nie gesehen haben, in unserem Merch zur Show gekommen.“
Instagram Post
Dieses Phänomen wird sich ziemlich sicher auch im Herbst wieder ereignen, wenn The Narrator auf große Europatour gehen. Vorfreude und Anspannung sind auch einige Monate vorher schon vorhanden, wobei die Freude, eine solche Tour als Headliner spielen zu dürfen, bei Jochi und Tom eindeutig überwiegt.
„Dass wir in einer Stadt wie Helsinki spielen und dort Menschen nur für uns zu einer Show kommen, ist schon krass.“ Auch wenn die Shows im europäischen Ausland etwas kleiner ausfallen als in Deutschland, so ist die Chance, einige Wochen lang auf Tour zu sein, fraglos, ein Meilenstein für die Band. Geht die Kurve in Zukunft noch weiter nach oben?
The Narrator sind sich da ziemlich sicher. „Wir genießen gerade, dass es gut bei uns läuft. Aber ich glaube, wir sind alle davon überzeugt, dass wir noch mehr Potential haben“, ist sich Jochi sicher.
Reifer, zusammenhängender und wie aus einem Guss
Das gelte nicht nur für die Live-Shows, sondern auch für zukünftige Songs und Alben. Im Songwriting-Prozess zu „Phosphor“ habe man jedenfalls wenig Sorge gehabt, nicht mehr an das Niveau von „Lore“ heranzureichen. „Für uns war sehr schnell klar, dass wir uns in den letzten Jahren noch einmal weiterentwickelt haben und deshalb auch bessere Songs schreiben und aufnehmen können“, erklärt Tom. Vor allem im Sound habe man einen Schritt nach vorne gemacht.
„Auf dem ersten Album haben wir viel herumexperimentiert, jetzt sind wir reifer, zusammenhängender und trotzdem facettenreicher geworden. Es wirkt insgesamt mehr wie aus einem Guss.“, ergänzt er. Die Band sei sich im Klaren darüber, dass man sich immer noch im Bereich des Metalcore oder Modern Metal bewege und es dort jede Menge „Konkurrenz“ gäbe. Und doch haben The Narrator mit „Phosphor“ ihren ganz eigenen Sound konsequent und mit einer klaren Vision auf ein neues Level gehoben.
Durch den Erfolg und das neue Label erregen The Narrator auch in den Sozialen Medien mehr Aufmerksamkeit. Ein Phänomen, mit dem die Band grundsätzlich gut umgehen kann – auch wenn es zuletzt hin und wieder äußerst problematische Kommentare gab.
„Wir sprechen mit unserer Musik sicher nicht das absolut traditionelle Metal-Publikum an. Wenn jemand etwas anderes hören will, bitteschön. Und wenn jemand meint, er müsse irgendwelche homophoben Kommentare abgeben - was sollen wir dazu sagen? Man ist gewillt, mit einer Beleidigung zu antworten – lässt es dann aber doch. Was können wir für die rückständigen Ansichten anderer Leute.“, gibt sich Tom sehr gelassen.
The Narrator 2026: Album-Release, Festivals und Headliner-Tour
Zwischen Album-Release und Headliner-Tour stehen übrigens erst einmal einige Festival-Shows an. Auf das Summerbreeze Open Air freuen sich The Narrator schon ganz besonders. Schließlich war die Band schon im vergangenen Jahr und ist jetzt im Line-Up ein ganzes Stück nach oben gerückt.
Wer den Abriss beim letzten Mal miterlebt hat, weiß, weshalb sich Jochi und Tom vor allem auf diese Festivalshow freuen. Und wer kein Ticket fürs Summerbreeze hat, sollte sich besser schon jetzt mit Tickets für den Herbst eindecken. Wer weiß schon, in welchen Sphären die schon jetzt beeindruckende Reise von The Narrator noch weitergeht.



