
Necrotted: „Wir versuchen, mit unserer Musik die Dinge zu verarbeiten, die in der Welt passieren.“
Fronter Fabi und Gitarrist Philipp im Interview.
Julia L. ist die zweite Julia im MoreCore-Bunde und ergänzt das Team gerne mit Rezensionen, News, Live-Berichten sowie kleineren und größeren Schreibarbeiten. Als Germanistin aus dem schönen Hessen ist sie ständig hin- und hergerissen zwischen “da ist ein grammatikalischer Fehler im Satz!” und “am liebste tät isch de ganze Tach nur hessisch babbele”. Tippt sie nicht gerade wie wild auf der Tastatur rum, um irgendetwas zu Papier zu bringen, findet man sie gerne mit ihrem Hund im Feld oder auf Shows und Konzerten im Rhein-Main-Gebiet. Für einige Bands fährt sie aber auch gerne mal nach NRW, Rheinland-Pfalz, Bayern oder Baden-Württemberg. Autofahren tut sie auch besonders gerne und hat dabei am liebsten gute Musik laufen. Leider will wegen der bei ihren Freunden verhassten “Schreimusik” kaum jemand mitfahren. Umso besser, denn dann hört niemand, wie schief sie mitsingt!
Bereits seit 2008 machen Necrotted die hiesige Metalszene unsicher. Und in diesen Jahren hat die Death Metal-Kombo aus dem beschaulichen Abtsgmünd in Baden-Württemberg schon einiges erlebt. Nach einem ausgedehnten Festival-Run diesen Sommer hieß man Bassist Gregor Strunin als festes Bandmitglied willkommen, nachdem Koray Saglam, der seit 2013 Teil der Band war, die Formation verließ.
Necrotted: Death Metal made in Germany
Nach einem erfolgreichen Festival-Run war man zuletzt mit All Shall Perish unterwegs und ließ das Jahr 2025 laut ausklingen. Doch laut war es davor schon, denn die Kombo hat in den vergangenen Monaten regelmäßig neue Songs veröffentlicht. Death Metal made in BaWü, but make it international! Das dachte sich wohl auch die fünf Musiker und schnappten sich für die zuletzt erschienenen Singles Support von Mitgliedern von Distant und Aborted.
„Ich finde die Entwicklung rund um den Deathcore und Death Metal sehr geil!“, erzählt uns Gitarrist Philipp Fink im Interview. „Schon 2007/2008 war ich sowas von am Start im Extreme Metal und dass Bands wie Lorna Shore, Shadow Of Intent oder Fit For An Autopsy und noch so einige das Ganze so nach vorne bringen, ist mega. Das sind alles super Bands.“

Doch wo es mit den Songs von Necrotted und ihren Kollegen musikalisch voll auf die Mütze gibt, steckt sehr viel mehr in der Tiefe. „Es ist uns wichtig, dass Fans auch über unsere Lyrics Zugang zu uns bekommen“, erklärt Sänger Fabian Fink. Der Fronter gründete Necrotted 2008 mit dem damaligen Tobias Sturm, war anfangs allerdings noch als Bassist aktiv. „Unsere Musik war von Anfang an unser Ventil, um Gesellschaftskritik zu üben und uns gesellschaftlich zu positionieren“, erzählt er. „Mittlerweile sind wir auch anderweitig politisch aktiv, aber es war damals auch einfach der jugendliche Wahnsinn.“
„Wir nehmen die Welt nicht so hin, wie sie ist. Wir wollen kritisieren.“
Die Texte der Band behandeln komplexe gesellschaftliche Themen wie Machtmissbrauch, Konsumkritik oder mentale Gesundheit. Sind die Lyrics denn eher von persönlichen Erfahrungen geprägt oder verarbeiten sie das Weltgeschehen?
„Teils, teils“, erläutert Frontmann Fabian. „Anfangs waren es sicherlich persönliche Punkte, die unsere Musik beeinflusst haben, doch inzwischen haben wir deutlich mehr Weitblick. Ich habe Politikwissenschaften und Soziologie studiert und unser Basser ebenso. Da baut man natürlich auch weltpolitische Entwicklungen mit ein und versucht mit der Musik die Dinge zu verarbeiten, die in der Welt passieren.“
„Wir nehmen die Welt nicht so hin, wie sie ist und wollen Dinge kritisieren“, erklärt er weiter. „Das tun wir eben mit unseren Texten, auch wenn man es vielleicht nicht so direkt versteht, wenn wir sie von der Bühne runterbrüllen. Aber es gibt dann doch die Fans, die sagen, da arbeite ich mich tiefer rein und deswegen hören sie gerne Necrotted.“
Über die genaue Positionierung muss man nicht lange reden, auch wenn man sich mit den Texten der Songs von Necrotted bislang noch nicht so intensiv auseinandergesetzt hat: „Wir zeigen als Band seit jeher klare Kante für eine offene und soziale Gesellschaft und gegen jede Form von Rechtsradikalität, Ausgrenzung, Diskriminierung und was es sonst noch für eine Scheiße in der Welt gibt“, so die beiden Brüder. Grund genug, die Stücke mal auszuchecken, oder?
Musikalische Einflüsse und Wünsch-dir-einen-Feature-Gast
Einen großen Einfluss hatte die hiesige Musiklandschaft auch auf die Entwicklung von Necrotted. „Wenn ich mir einen Feature-Gast für einen Song aussuchen dürfte, wäre es Marcus von Heaven Shall Burn„, gesteht Fabian. „Sie waren immer eine Band, die uns inspiriert hat, weil sie auch von Anfang an mit einem klaren politischen Statement an die Musik herangetreten ist. Ohne Heaven Shall Burn wären wir nicht so, wie wir heute sind, zumindest, was den lyrischen Teil angeht.“
Sein Bruder Philipp hat da noch einen anderen Wunsch, was ein mögliches Gast-Feature angeht: „Will Ramos von Lorna Shore, das ist schon ziemlich krass, was der so macht“, lacht er.

Doch unabhängig von den Genre-Kollegen, mit denen Necrotted gemeinsam die Welt der Extreme Music unsicher machen: Welche Band hat den beiden Musikern denn eigentlich den Zugang zu Metal, Rock oder Artverwandtem gegeben?
„Dank des Summer Breeze Festivals, das bis 2005 in unserer Heimat Abtsgmünd stattgefunden hat, hatten wir schon sehr früh den Zugang zum Metal“, erzählt Fabian. „Meine ersten Berührungspunkte waren dann tatsächlich Bands wie Linkin Park, Slipknot, Korn, also die damals aufkommende Nu Metal-Szene. Entwickelt hat sich das Ganze dann aber natürlich auch über Bands, die schon beim Breeze Extreme Metal gespielt haben. Und da kommt Philipp ins Spiel“, leitet er über und gibt das Mikrofon seinem drei Jahre jüngeren Bruder.
„Ich bin schon sehr früh auf Black Metal gestoßen! Das find ich sehr geil“, lacht Philipp. „Aber ja, Linkin Park und Slipknot waren die ersten Bands, die wir gehört haben und ich finde es cool, dass Nu Metal gerade wieder einen Aufschwung erfährt. Das bringt viele Leute zur Gitarrenmusik.“
