
Mauritz Hagemann
Die Diskographie der britischen Grindcore-Veteranen von Napalm Death umfasst inzwischen unter anderem stolze 16 Studioalben, was beweist, dass den Herren aus Birmingham in über 40 Jahren Bandgeschichte nie die Puste ausgegangen ist. Doch dass mit „Resentment is Always Seismic: A Final Throw Of Throes“ nur etwa 18 Monate nach dem bisher letzten Studioalbum, dem einhellig positiv rezensierten „Throes of Joy in the Jaws of Defeatism“ direkt neues Material am Start ist, überrascht dann doch etwas.
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Doch der Reihe nach: Tatsächlich ist „Resentment is Always Seismic: A Final Throw Of Throes“ kein neues Studioalbum, sondern – wie der Name erkennen lässt – eine Art Resteverwertung. Songs, die für das letzte Album durchgefallen, aber doch zu schade sind, um sie für immer ins Archiv zu packen. Man darf also gespannt auf die Reste aus dem Hause Napalm Death sein.
Resteverwertung oder Zugabe?
„Narcissus“ – bereits vorab als Single veröffentlich – ist in jedem Fall ein Opener, der diesen Namen mehr als verdient. Der Sound ist wenig überraschend ebenso so wuchtig und differenziert wie auf „Throes of Joy in the Jaws of Defeatism“ und auch der Song selbst steht seinen Vorgängern in Sachen Energie und Geschwindigkeit in nichts nach.
In „Resentment Always Simmers“ geht die Band dann ein wenig vom Gaspedal und zeigt sich von einer eher düsteren Seite. Der insgesamt etwas langatmige Song lässt zumindest erahnen, weshalb er es im zweiten Anlauf auf eine Napalm Death-Platte schafft. Alles, was in „Resentment Always Simmers“ in Sachen Geschwindigkeit gefehlt hat, holt „By Proxy“ dann wieder rein. Durch den schon weiter oben gelobten differenzierten Sound wird dies aber keineswegs zum Verhängnis, sondern vielmehr zu einer Headbang-Garantie.
Die erste Überraschung der Platte ist dann aber die Coverversion des über 30 Jahre alten Songs „People Pie“ von Slab! Das Arrangement wurde im Vergleich zum Original wenig verändert, stattdessen wurde dem Song lediglich das Napalm Death-Soundgewand übergestülpt. Hier hätte man sicher mehr draus machen können, denn so plätschert der Song über 4 Minuten dahin, ohne dass das Cover sich selbst legitimiert – schade.
Da lohnt es schon mehr, sich den folgenden Eigenkreationen zu widmen. Ein Song wie „Man Bites Dogged“ hätte es jedenfalls auch verdient gehabt, direkt beim ersten Mal einen Platz in der Diskographie zu erhalten. Und auch Coverversion Nummer 2 – „Don’t Need It“ (im Original von Bad Brains) verdient sich ihren Platz auf „Resentment is Always Seismic“. Mit nur einer Minuten und fünf Sekunden Spielzeit unterbietet er das Original um zwei Sekunden und auch wenn man sich hier erneut sehr am ursprünglichen Arrangement orientiert, passt der Song letztlich besser zur Band und ihrem Sound. Den ersten Platz bei Kreativ-Contest bekommt man damit nicht, aber gefällig ist es in jedem Fall.
Napalm Death überzeugen zum Großteil
Das gilt leider nur sehr eingeschränkt für „Resentment is Always Seismic“. Der Titeltrack verdient sich durch seinen düsteren und brachialen Sound zwar den Titel aus Rausschmeißer, doch es hätte gerne auch mit etwas mehr Energie auf die Zielgerade gehen können. Oder ist Napalm Death beim Ausmisten dann doch die Puste ausgegangen?
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Ob „Resentment is Always Seismic: A Final Throw Of Throes“ allein den Einschränkungen der Pandemie geschuldet ist, ist nicht bekannt. Für Sänger Mark “Barney” Greenway ist die Platte vielmehr ein Partner oder eine Erweiterung des letzten Studioalbums. Die Verbindung der beiden Alben ist ohne Zweifel hörbar und schon das allein ist ein ganz dicker Pluspunkt – über die relativ uninspirierten Coversongs kann man dann auch generös hinwegsehen.
Foto: Gobinder Jhitta / Offizielles Pressebild
Fazit
Resterampe oder Zugabe? Auf jeden Fall Letzteres. Auch wenn nicht alles auf "Resentment is Always Seismic" überzeugen kann, wäre es doch zu schade um die Songs gewesen, hätten sie niemals den Weg auf eine Napalm Death-Platte gefunden. Die Setlist für die auf nächstes Jahr verschobene Europatour darf gerne um den ein oder anderen Song anwachsen – die beiden Coverversionen müssen aber nicht unbedingt dazugehören.

▶Tracklist 8 Songs
- 1Narcissus
- 2Resentment Always Simmers
- 3By Proxy
- 4People Pie
- 5Man Bites Dogged
- 6Slaver Through A Repeat Performance
- 7Don't Need It
- 8Resentment Is Always Seismic (Dark Sky Burial Dirge)