
Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.
The Zenith Passage dürften für viele hierzulande noch ein weitestgehend unbekannter Name sein. Das mag daran liegen, dass die US-Amerikaner noch nie nach Europa gekommen sind, oder eben daran, dass der Sound der US-Amerikaner nicht zwingend dem Gusto der Allgemeinheit entspricht.
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The Zenith Passage: Tech Death wie aus dem Lehrbuch
„The Axiom Of Error“ macht direkt und unmissverständlich klar, in welchen Gefilden sich die Musik von „Datalysium“ bewegt. Zwischen klinischen Tech Death und progressiven Ansätzen kennen The Zenith Passage sich auf ihren Instrumenten bestens aus. Bereits auf früheren Releases der Band war ein Vergleich zu The Faceless angebracht – Bassist Brandon Giffin und Sänger Derek Rydquist waren einst Teil der Band um Gitarrist Michael Keene.
The Zenith Passage ist aber mehr als bloß eine The Faceless Epigone. Mit „Algorithmic Salvation“ gelingt es der Band, einen Tech Death Song zu schreiben, der gleichermaßen proggy als auch catchy ist, was sich durch ein rhythmisch einprägsames Mainriff und eine nachvollziehbare Struktur ergibt. Dazu gesellt sich vertracktes Drumming, das die wechselhaften Gitarrenriffs perfekt akzentuiert.
Keine Zeit für Pausen
Zwischen wilden Riffings und schnellen Blast Beats bleibt kaum Zeit zum atmen, was sich auch in den schnellgetakteten Growls von Sänger Rydquist wiederspiegelt. Ein Track wie „Lexicontagion“ wirkt subjektiv wie purer Stress für die Musiker, knallt dabei aber mit dezenten Slam-Elementen und komplexen Riffs umso mehr. Darüber hinaus zeigt sich mit einem verhältnismäßíg ruhigen Cleanpart eine ruhige, spacige Seite, die Platz für ein dezent gehaltenes Gitarrensolo schafft und sich mit einer atmosphärischen Komponenten über das technische Gemetzel hinwegsetzt.
Wie pompös der Sound auf „Datalysium“ klingt, wird in den Synthesizer-befüllten Sphären von „Synaptic Depravation“ klar. Synthetische Klänge und Atmosphäre werden fast ebenbürtig den Gitarren und dominieren den Sound zum Ende gänzlich. Mit cineastischen Elemenenten wie dem Ende dieses Stückes bauen The Zenith Passage auf eine dystopische Stimmung.
Tech Death gone Prog
Rhythmische Verkettungen zeigen sich auf „Deletion Cult“, das mit seinem hohen Tempo kaum Zeit zum Ausruhen gibt. Dass sich die Band auch als Prog-Band versteht, zeigt sich im Zweiteiler „Divinertia“. Vertrackte Rhythmen und ein gewisser Djent-Aspekt finden sich im getragenene Beginn des ersten Teils bevor Riffs und Blast Beats übernehmen.
Mit dem Aufgreifen eines Riffs aus dem ersten Part startet auch „Divinertia II“ groovig. Mit einem starken Basssound erinnert die Band stellenweise an Job For A Cowboy aber auch Beyond Creation, klingt dabei jedoch durchweg moderner.
Überraschungen zum Ende
Dass auf „Automated Twilight“ plötzlich Cleanvocals zu hören sind, kommt unerwartet. Der Kontrast tut dem Album aber unfassbar gut. So ist die Atmosphäre des vorletzten Tracks ähnlich düster, wie zuvor, aber getragen von einem cleanen, Synthie-lastigen Sound, der sich perfekt mit dem Tech Death Metal vereint. Mit 7 Minuten Länge stellt neben „Automated Twilight“ auch der Titletrack „Datalysium“ einen monumentalen Abschluss des Albums dar.
„Datalysium“ ist ruhiger als der Beginn des Albums, überzeugt aber mit Groove, düsterer Atmosphäre und einer gewissen kompositorischen Reife, die über komplexe Riffs hinausgeht. Im Grunde genommen fasst der Titletrack all das zusammen, was auf den vorherigen Tracks zu hören war. Dabei kommt auch die Melodie nicht zu kurz bevor der Track in einem melancholischen Piano-Outro endet.
Nichts für schwache Nerven
Am Ende ist „Datalysium“ ein heftiger Ritt. Die Grundidee der Musik, die The Zenith Passage spielen, ist dabei schnell erzählt. Es ist der Band dennoch gelungen, ihr Album durchweg spannend zu halten. Auch wenn von Emotion in den wenigsten Aspekten etwas spürbar ist, kann das Album durchaus mitreißend sein. So steril wie andere Tech Death-Platten zeigt sich „Datalysium“ nämlich nicht. Für Fans, die von den Lorna Shore-Riffs nicht genug bekommen können und sich mit extremer Musik auseinandersetzen möchten, kann The Zenith Passage eine wahre Goldgrube sein. Vorausgesetzt man stellt sich auf einen Sound ein, der durchweg als Metal zu verstehen ist.
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Foto: Stephanie Cabral / Offizielles Pressebild
Fazit
Zugegeben, um ein Album wie „Datalysum“ zu mögen, muss man Fan des Genres sein. Wer weder mit Tech Death noch mit Prog Metal etwas anfangen kann, der sollte wohl besser einen Bogen um The Zenith Passage machen. Wer in Bands wie Obscura, Necrophagist oder The Faceless jedoch große Musik sieht, der wird „Datalysum“ lieben. Nicht nur weil es das klanglich stärkste Album der Band bisher ist, sondern auch weil es kompositorisch noch mehr zu bieten hat als zuvor. Tech Death wird 2023 nicht mehr sehr viel besser werden können.

▶Tracklist 9 Songs
- 1The Axiom Of Error
- 2Algorithmic Salvation
- 3Lexicontagion
- 4Synaptic Depravation
- 5Deletion Cult
- 6Divinertia I
- 7Divinertia II
- 8Automated Twlight
- 9Datalysium