
Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.
Mit ihrem Beitrag zum Eurovision Song Contest namens „Promise“ gelang der australischen Prog Metal Band Voyager weltweite Aufmerksamkeit. Doch bestätigt sich der Ruhm auch auf ganzer Länge? Mit ihrem neuen Album „Fearless In Love“ legt die Band nun ein weiteres Zeugnis ihrer Musik vor.
Instagram Post
Voyager mit besten Intentionen…
…beginnt „Fearless In Love“, das nun schon das achte Album der australischen Band Voyager markiert. „The Best Intentions“ eröffnet das Album mit groovigen Riffs und dem tragenden Gesang von Sänger Danny Estrin. So richtig poppig ist der Opener des Albums noch nicht, kann aber dennoch im Kopf hängen bleiben. Besser funktioniert „Prince Of Fire“, der direkt mit eingängigen Synthies und einer guten Portion Groove beginnt.
Der typische Voyager-Sound setzt sich aus eben diesen Komponenten zusammen. Vertrackte Grooves, Lead-Synthies und eingängige Hooks. Natürlich wäre das etwas zu sehr vereinfacht, denn zwischen diesen Hauptmerkmalen finden sich viele verspielte Details. So etwa wechselnde Drumbeats, komplexe Riffs und verspielte Basslines.
Highlights
So auch auf „Ultraviolet“, das sich einen Ticken poppiger entpuppt als die ersten beiden Tracks des Albums. Den ersten richtigen Hit markiert aber „Dreamer“, der mit treibendem Beat sogar tanzbar ist. Irgendwo zwischen Achtziger Jahre Disco und modernem Prog avanciert der Track zum ersten Highlight des Albums.
Auch die Bridge von „The Lamenting“ kann überzeugen, während sich die Komplexität der Musik in einem ungewöhnlich akzentuierten Verse versteckt. Ein Verse, der dennoch nachvollziehbar bleibt und wie so oft vom Gesang getragen wird. „The Lamenting“ endet in einem Break, der sich mit voller Breitseite aufschlägt und dabei an das 2017er Album „Ghost Mile“ erinnert.
Im Vergleich zu anderen Prog Bands wie Haken und Leprous sind Voyager die softere Variante, die musikalisch weniger verspielt und vertrackt, dafür poppiger agiert. Für wahre Prog-Fans mag eben genau das auf „Fearless In Love“ etwas fehlen. Für Musikfans, die es gerne poppig und eingängig haben, mag hingegen genau das der Grund sein, warum der Zugang zu Voyager so viel einfacher fällt.
Party-Vibe
„Submarine“ beispielsweise ist ein Track, der nach vorne treibt und für gute Laune sorgt. Dieser gute Laune Aspekt ist bei Voyager omnipräsent – so auch im ESC-Beitrag „Promise“. Warum die Wahl auf eben diesen Song fiel wird schnell klar. „Promise“ ist catchy, hat einen guten Groove und eine einprägsame Hook, die sich schnell hängen bleibt.
Darüber hinaus ist es die dezente Komplexität, die den Track spannend hält und mit dem harten Break zweifelsohne für einen Überraschungsmoment gut ist. Dass Australien beim ESC so gut abgeschnitten hat, liegt an der Stärke dieser Elemente, sowie einer guten Inszenierung, von der sich andere Länder eine Scheibe hätten abschneiden können.
Ist mit „Promise“ bereits alles gesagt?
Im Schatten des Über-Songs zeigt sich „Twisted“ etwas melancholischer und nachdenklicher. Mit Doublebass-Einlage und einer bedrückenden Harmonie entsteht ein großer Kontrast, der aber vom groovigen Drive genug Parallelen zum Rest des Albums aufbaut. Mit einer Prog Metal-Brille betrachtet ist „Twisted“ vielleicht einer der stärksten Tracks des Albums und überzeugt insbesondere was das Riffing betrifft.
Die letzten drei Tracks des Albums sorgen für keine großen Überraschungen. „Listen“ zeigt sich in Retro-Prog Sphären, während „Daydream“ sich in den typischen Voyager-Sound einreiht. „Gren (Fearless In Love)“ markiert letztlich den Abschluss des Albums. Von Synths-getragen agiert der Song erst poppig, findet dann aber in harten Gitarrenintermezzi seinen Meister. Mit großem Momentum ist „Gren (Fearless In Love)“ letztlich ein klassischer Song um ein Album zu beenden und hat seine Funktion bestens erfüllt.
Instagram Post
Foto: Mike Dann / Offizielles Pressebild
Fazit
Der Sound von Voyager wird über große Strecken vom Gesang getragen. Wer Estrins Stimme mag, wird lieben, was „Fearless In Love“ bietet. Wer mit dem Gesang wenig anfangen kann, dem könnte eben dieser etwas im Weg stehen. Mit „Dreamer“ und „Promise“ gelingt es Voyager, zwei Hits zu schreiben, die sich auch mit dem versteckten „Twisted“ von ihrer besten Seite zeigen. Insgesamt wirkt „Fearless In Love“ stellenweise aber zu vorsichtig, um auf großer Fläche zu überzeugen. Das kann der Band aber egal sein, da sie nach dem erfolgreichen ESC und mit acht Alben in der Tasche so viel Repertoire zusammen hat, dass sie jede Crowd von Synth-geladenem Pop Rock bis hin zu vertrackten Prog-Metal mit einem lächelnden Gesicht zurücklassen werden.

▶Tracklist 11 Songs
- 1The Best Intentions
- 2Prince Of Fire
- 3Ultraviolet (feat. Sean Harmanis)
- 4Dreamer
- 5The Lamenting
- 6Submarine
- 7Promise
- 8Twisted
- 9Daydream
- 10Listen
- 11Gren (Fearless In Love)