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Valleyheart - Everyone I’ve Ever Loved
Review

Valleyheart

Everyone I’ve Ever Loved

Album

VÖ 14. Dezember 2018
Julia Lotz/16. Dezember 2018
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J

Julia L. ist die zweite Julia im MoreCore-Bunde und ergänzt das Team gerne mit Rezensionen, News, Live-Berichten sowie kleineren und größeren Schreibarbeiten. Als Germanistin aus dem schönen Hessen ist sie ständig hin- und hergerissen zwischen “da ist ein grammatikalischer Fehler im Satz!” und “am liebste tät isch de ganze Tach nur hessisch babbele”. Tippt sie nicht gerade wie wild auf der Tastatur rum, um irgendetwas zu Papier zu bringen, findet man sie gerne mit ihrem Hund im Feld oder auf Shows und Konzerten im Rhein-Main-Gebiet. Für einige Bands fährt sie aber auch gerne mal nach NRW, Rheinland-Pfalz, Bayern oder Baden-Württemberg. Autofahren tut sie auch besonders gerne und hat dabei am liebsten gute Musik laufen. Leider will wegen der bei ihren Freunden verhassten “Schreimusik” kaum jemand mitfahren. Umso besser, denn dann hört niemand, wie schief sie mitsingt!


Es ist die erste Full-Length-Platte, die die US-Amerikaner von Valleyheart mit „Everyone I Ever Loved“ auf den Musikmarkt bringen. Nach der 2017 veröffentlichten EP „Nowadays“ kommen die Newcomer aus Salem, Massachusetts nun kurz vor Weihnachten mit einem Album daher, das thematisch mit innerer Zerrissenheit und dem Infragestellen des eigenen Glaubens kämpft. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Sänger und Songwriter Kevin Klein sehr christlich und gläubig aufgewachsen ist. Gegenüber der Kollegen von Alternative Press lässt er verlauten, dass er in seinen frühen 20er Jahren eine Glaubenskrise durchmachte, bei der sich selbst neu finden musste. Diese Phase verarbeitete er in den Texten der Songs auf „Everyone I Ever Loved“.

Die Band veröffentlichte vor der Album-Release die Songs „Crave“ und „Friends In The Foyer“, die mitunter bezeichnend für das gesamte Album sind, wenngleich sie musikalisch zu den schnelleren und lauteren Songs gehören.

Nichtsdestotrotz ist hier bereits der typische Sound der Band zu hören, der sich auch durch die restlichen Lieder des Albums durchzieht. Ohne viel Brimborium und Unterbrechungen ist insbesondere „Friends In The Foyer“ ein gradliniger Song, bei dem die Musik lediglich das Thema unterstreichen soll. „Crave“ überzeugt zwischendrin mit unerwarteten Gefühlsausbrüchen des Fronters, was der fortlaufenden Musik und Thematik jedoch nicht abträglich ist. Diese beiden Muster ziehen sich auch durch die restlichen neun Songs der Platte. Mal geht es ruhig und melancholisch zu, mal etwas aufgewühlter.

„Agnosia“, „Maryland“ und „Heaven & Hell“ zählen zu den rockigeren Liedern, bei denen auch der Hörer seinen Gefühlen zusammen mit der Band freien Lauf lassen kann. Wenngleich die Strophen seicht und ruhig daherkommen, ist der Chorus wie in „Crave“ jeweils kraftvoll.

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Daneben stehen eher ruhig anklingende Songs wie „Dissolve“ oder „Intangile Dream“, bei denen zwar die Instrumente alle zu hören sind, die Kraft dahinter aber etwas verloren geht. Gegen Ende geht sich das Album mit sehr ruhigen Liedern wie „Your Name“ und „Paradisum“ aus, die musikalisch wiedergeben, was textlich dargestellt wird – die Fragen nach dem „Warum“ und dem „Wie“. Was dabei leider etwas zu kurz kommt, ist die kraftvolle Stimme Kleins.

Vergeblich wartet der Hörer in der zweiten Hälfte des Albums auf etwas Überraschendes. „Drowned In Living Waters“ oder „Communion“ hauen zwar gegen Ende jeweils nochmal das instrumentalische Ensemble und die Emotionen des Sängers raus; doch das, womit „Friends In The Foyer“ oder „Crave“ dienen konnten, ist hier nicht mehr zu finden. „Paradisum“ als letzter Song hebt sich dennoch von den restlichen Songs ab. Wie Klein im oben erwähnten Interview sagt, wurden die Vocals des Songs mit einem kabellosen Mikrofon außerhalb des Tonstudios in eisiger Kälte aufgenommen. Es soll bezeichnend sein für das ganze Album, in dem es darum geht, allein in der Kälte mit seinen Fragen und seinen Problemen zurecht zu kommen, um sich am Ende im besten Fall selbst zu finden.

Die elf Songs auf „Everyone I Ever Loved“ unterstreichen musikalisch, was Klein thematisch hervorbringen will. Stimmungsvoll, teilweise melancholisch, sollen sie den Hörer dazu anregen, nachzudenken. Dabei geht es laut Klein nicht um den christlichen Glauben per se, sondern eher um Identität und das Sein. In der heutigen Welt sei die Selbstdarstellung das, was das Leben beherrsche, doch so solle es nicht sein. Klein hofft, dass Valleyheart mit ihrem neuen Album die Menschen zum Hinterfragen anregt.

Das Album dem Christian Rock zuzuordnen, würde zu weit gehen. Hierfür sind christliche Themen zu wenig in die Texte integriert. Sie werden viel eher angeschnitten und auf sehr persönliche Art und Weise aufgegriffen. Die Band bezeichnet ihre Musik als „Existential Rock and Roll“ und das trifft es eigentlich sehr genau. Wenngleich der Existentialismus weitreichend ist und einer genaueren Definition bedarf, geht es letztendlich in den Songs auf „Everyone I Ever Loved“ um die Existenz des eigenen Seins. Egal ob mit dem christlichen Glauben oder ohne ihn.

Rein musikalisch muss man sagen, dass den Songs zum Teil das ganz besondere Etwas fehlt und wenig Abwechslung zu finden ist. Dies ist sicherlich auf die Thematik des Albums zurückzuführen, doch könnte das Konzept auf etwas buntere Weise umgesetzt werden. Nichtsdestotrotz muss man den vier Jungs einräumen, dass sie es schaffen, Text und Musik sehr gut miteinander in Verbindung zu setzen – eine Kunst, die vielen gestandenen Bands bis heute in solch ausgereifter Weise nicht gelingt. Vielleicht probieren sich Valleyheart in Zukunft etwas mehr aus, sodass eine vielfältigere Mischung zustande kommt und dem Hörer etwas mehr Abwechslung geboten wird.

Wertung: 7/10

Band: Valleyheart

Album: Everyone I’ve Ever Loved

Veröffentlichung: 14.12.2018

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Valleyheart

Everyone I’ve Ever Loved

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