Kevin stellt den nördlichen Teil von MoreCore dar. Seitdem er zum Team gestoßen ist, ist er fester Teil der Redaktion und wird liebevoll "Redaktionsrambo" genannt, da er einfach überall am Start ist. Seien es Reviews, Konzert-Berichte, Interviews oder Unterstützung im MoreCore.TV Team, Kevin ist gerne dabei. Ursprünglich im Hardcore und Punkrock zu Hause, interessiert er sich für die unterschiedlichsten Genre und entdeckt gerne neue Künstler. Wenn es für MoreCore gerade einmal nichts zu tippen gibt, nimmt er auch selbst die Gitarre in die Hand und schrammelt etwas vor sich hin. Neben der Musik, Festivals und Konzerten begeistert Kevin sich für American Football und schlägt sich dafür mit Freude die ein oder andere Nacht um die Ohren.
Hört ihr das auch? Es klingt nach dem Rauschen des Meeres, nach dem Klirren der kühlen Bierflaschen und den Skateboard-Rollen auf dem Asphalt. Den Soundtrack hierzu liefern die Jungs von The Sewer Rats aus Köln.
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Mit ihrem Longplayer „Magic Summer“ beschert uns die Band mit 12 neuen Songs alles, was man für einen punkigen Sommer auf dem Skateboard oder beim Roadtrip braucht. Mit über 100 Konzerten in den letzten zwei Jahren haben sich die Jungs auch international einen Namen gemacht, spielten unter anderem mit Bands wie The Jukebox Romantics, Tiger Army und den Broilers. Die neue Platte wurde sowohl im TUP Studio in Italien, als auch im Blasting Room von Bill Stevenson aufgenommen.
Darüber hinaus übernahm das Mastering kein anderer als Jason Livermore, der unter anderem an Produktionen der Descendents, Rise Against und A Day To Remember mitwirkte.
The Sewer Rats liefern mit „Magic Summer“ den Soundtrack ihres persönlichen Sommers
Während das letzte Album „Heartbreaks and Milkshakes“ die große Zuneigung des Pop-Punks zu Liebesliedern bediente, widmet sich „Magic Summer“ dem großen Themenfeld des Erwachsenseins und hier beleuchtet die Band die unterschiedlichsten Blickwinkel und nimmt uns mit auf eine nostalgische Reise.
Das Hauptthema des Albums wird bereits im Titel des ersten Songs „Rejuvenate“ klar und deutlich. Dieser startet gleich mit der einprägsamen Zeile des Samples „Yes, growing up is a problem“.
Der Song beginnt daraufhin schlagartig mit einer Art Call and Response zwischen Sänger Chris Gin und dem Gitarrenspiel. Das Stück geht definitiv nach vorne, erinnert gleich an den handgemachten Pop-Punk der 90er Jahre und versprüht eine melancholisch-positive Grundstimmung.
Diese wird zusätzlich durch den Background-Gesang verstärkt, der dem Song die notwendige Fülle im Gesamtsound verleiht. Inhaltlich behandelt die Band die Sehnsucht nach der Zeit, in der die einzige Frage war, wann man sich das nächste Mal mit den Freunden zum Skaten trifft. Text und Musik verschmelzen hier zu einer Einheit, die allerdings stilistisch keine großen Experimente wagt.
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Die Melancholie, die dem Song, trotz des Pop-Punk-Stils innewohnt, wird ebenfalls im Stück „Down for Life“ aufgegriffen. Die Musik besteht hauptsächlich aus heruntergespielten Akkorden, die zwar druckvoll präsentiert werden, die Aussagen des Textes aber eher unterstützen und einen begleitenden Charakter aufweisen.
Die Band erzählt vom Start ihrer Bandgeschichte, von der Zeit als das Skateboard und die Gitarre die beiden wichtigsten Dinge auf der Welt waren. „When I was 16 years old, I thought the two coolest things in the world were skateboarding and music, I still feel the same“. Seien wir einmal ehrlich, wer hat diese Sehnsucht nicht auch schon einmal verspürt?
Jedoch gehört zur guten alten Zeit nicht nur sorgenloses Skaten unter der Sonne, sondern auch der ein oder andere negative Punkt. Hierzu haut die Band dem Hörer gleich ein ganzes Trio um die Ohren. Dieses besteht aus den Songs „I Don’t Wanna Go To The Dentist No More“, „I Don’t Wanna Go To The Shrink No More“ und „I Don’t Wanna Leave My Room No More“. Während die ersten beiden Songs alltägliche Ängste vor dem Zahnarzt oder dem Psychologen behandeln, diese mit einer ordentlichen und gut gelungenen Portion Humor anreichern und in ein knackiges 4-Chord-Pop-Punk-Gewand kleiden, das sogleich zum Pogo animiert, sticht „I Don’t Wanna Leave My Room No More“ hervor.
Der Song beginnt spürbar ruhiger, weckt aber in seinem Verlauf die innere Springwut und greift dabei auf ein klassisches Punk-Schema zurück, welches bestens funktioniert. Inhaltlich behandelt das Stück den Drang danach, die eigenen vier Wände nicht mehr zu verlassen, da die Welt dort draußen nur noch nervt!
The Sewer Rats schaffen es es, den jugendlichen Trotzgedanken und den Überdruss auf den Punkt festzuhalten und die Gedanken aus der eigenen Jugend zu konservieren.
Mit „My Sweet Chun-Li“ stellen die Jungs dann doch eine Verbindung zum vergangenen Album her und widmen der Kämpferin des Arcade-Klassikers „Street-Fighter“ einen eigenen Lovesong, wie er auch aus der Feder der Ramones hätte stammen können. Mit zuckersüßem Punk und einer ordentlichen Portion 80s-Vibes wird die Nostalgie-Maschinerie fleißig angekurbelt und bringt den Hörer gedanklich zurück in die Spielhallen dieser Welt.
Nach all der Nostalgie schlagen die Jungs zumindest thematisch auch ernstere Töne an und behandeln Felder, die nach wie vor mehr als präsent sind. So ist das auch bei „I’m Quitting My Job“, der mit nervigen Chefs und schlechten Jobs abrechnet. Durch seine Wut hat man sogleich das Gefühl, dass dieses Stück einen besonders persönlichen Charakter aufweist und das liegt daran, dass die Idee des Songs auf einer wahren Begebenheit beruht.
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So kam es 2018 dazu, dass Sänger Chris Gin seine Arbeitsstelle aufgab, um die bevorstehende US-Tour bestreiten zu können. Musikalisch orientiert sich der Song ebenfalls an den Punk-Größen der 80er Jahre, wirkt durch die Erhöhung des letzten Refrains um einen Halbton noch einmal dynamischer und geht gleich ins Ohr.
„Choices“ ist ebenfalls ein sehr persönlicher Song, der sich für Tierrechte einsetzt. Damit wagen The Sewer Rats das erste Mal den Schritt, auch einen politischen Song auf ihr Album zu packen und dieser steht den Kölnern sehr gut. Sänger Chris bestreitet sein Leben bereits seit 17 Jahren vegetarisch und seit vier Jahren vegan.
„Mir liegt dieses Thema wirklich sehr am Herzen und so bin ich total glücklich, dass wir uns dazu jetzt auch als Band zu Wort melden und für Tierrechte einstehen. Dabei ist mir wichtig, ohne moralischen Zeigefinger daherzukommen, sondern positiv klarzustellen: Jeder Tag ist eine neue Chance. Du hast die Wahl und kannst empathischere Entscheidungen treffen, als noch am Tag vorher. Jeder Schritt zählt!“
Von musikalischer Seite wirkt der Song deutlich eindringlicher und härter. In der Summe sorgen die zweistimmig gespielten Zwischenspiele, der teilweise etwas untypischen Rhythmus und die unterschiedlichen Gesangsspuren dazu, dass „Choices“ etwas überladen wirkt. Allerdings kommt die Botschaft trotz allem beim Hörer an.
„Magic Summer“ stellt das Ende des gleichnamigen Albums dar und bildet gemeinsam mit „Rejuvenate“ einen gelungenen, thematischen Rahmen. Der Song weckt sowohl musikalisch als auch inhaltlich die Wehmut und Nostalgie in den Köpfen der Hörer, lässt den ein oder anderen College-Film im Kopf ablaufen und ist generell etwas ruhiger gehalten.
Definitiv ein Song, der zum Soundtrack eines perfekten Sommers werden kann.
Foto: The Sewer Rats / Offizielles Pressebild
Fazit
Mit „Magic Summer“ nehmen uns die Jungs von The Sewer Rats mit auf eine Reise in unsere Vergangenheit. Von der Leichtigkeit des Seins, kindlichen Ängsten bis hin zur Fuck-Off-Trotzhaltung der Jugend ist definitiv alles dabei. Zusätzlich wagt die Band den Schritt mit „Choices“ auch eine politische Haltung zu äußern, verpackt diese darüber hinaus in einer sympathisch-motivierenden Form. Generell strotzen die Songs vor Energie, vor guter Laune und einer ordentlichen Portion Humor und Selbstironie. Durch den klassischen Pop-Punk Sound und die eingängigen, eher schnörkellosen Texte bewegt sich das Album fest in den Genregrenzen, macht kaum Unternehmungen, diese aufzubrechen oder das musikalische Rad neu zu erfinden. Die Frage ist allerdings, ob das überhaupt nötig ist. Die Authentizität und Stimmung des Albums ist durchgängig vorhanden, wird durch rotzige Soli noch weiter verstärkt und wird einer Menge Hörer aus der Seele sprechen. „Magic Summer“ ist für all diejenigen, die ihren eigenen, punkigen Soundtrack für den Sommer suchen, in Nostalgie schwelgen und sich einfach einmal nicht so ernst nehmen wollen.

▶Tracklist 12 Songs
- 1Rejuvenate
- 2I'm Quitting My Job
- 3I Don't Wanna Go To The Dentist No More
- 4I Don't Wanna Go To The Shrink No More
- 5My Sweet Chun-Li
- 6Nasty Cut
- 7My Baby Is at Groezrock (And I Am Not)
- 8Total Creep
- 9Choice
- 10I Don't Wanna Leave My Room No More
- 11Down For Life
- 12Magic Summer
