
Kathrin ist ein Chamäleon des alternativen Musikgeschmacks, mit einem Faible für alles, was außergewöhnlich ist. Nichts bleibt vor ihr sicher – und erst recht kein Nischengenre. Da überrascht es wohl nicht, dass sie als Allrounder das MoreCore-Team tatkräftig unterstützt. Wenn sie nicht gerade voller Inbrunst an neuen Alben- und Live-Reviews schreibt, sitzt sie entweder in einem spannenden Bandinterview, um uns auf dem neusten Stand zu halten, oder verfasst informative MoreCore-Beiträge für die Website. Möchte man das Herz unserer Münsteranerin (jetzt Kölnerin) im Sturm erobern, dann am besten mit Sci-Fi-Lektüre aus den 60ern, Star Wars - kein Star Trek! - oder Lebkuchen.
Entgegen üblicher Genrestrukturen brechen Dead Poet Society mit ihrem Debütalbum „-!-„ („The Exclamation Album“) Konventionen in vielerlei Hinsicht und folgen stur ihren eigenen Traditionen, die diesmal an der einen oder anderen Stelle vielleicht etwas über die Stränge schlagen.
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Seit ihrer Gründung im Jahr 2013 konnten sich Dead Poet Society vor allem durch ihr extravagantes Potpourri aus Metal, Rock und Pop einen Namen machen und biegen sich die Grenzen der Genre seit jeher nach ihrem eigenen ermessen.
Damit sollte bereits an dieser Stelle für alle klar sein, dass die Band in keiner Weise daran interessiert ist einem Genre zugeordnet zu werden, Musik für den Mainstream zu produzieren oder Regeln zu befolgen.
Dead Poet Society streben nach Individualität
Ihnen scheint allerdings viel daran gelegen zu sein, dass das auch wirklich jeder versteht. Und was eignet sich dafür besser, als ein Ausrufezeichen als Titel zu wählen und die Namen der einzelnen Songs durch seltsame Grammatik und Interpunktion hervorzuheben. (Und all das bevor man überhaupt den ersten Ton gehört hat.)
Aber weil das offensichtlich nicht reicht, startet der erste Track nicht wie üblich mit Musik, sondern mit einer Einleitung, die wie ein Ausschnitt aus einem Interview klingt. Darin wird ebenfalls verdeutlicht, wie egal den Jungs es eigentlich ist, was andere von ihnen halten. Als wäre das nicht schon genug, folgt im Laufe des Albums noch ein weiter Track dieser Art, sowie die Aufnahme einer Dame, die sich am Telefon kritisch über die Songs äußert. Also spätestens jetzt sollte die Massage angekommen sein.
Aber mal ehrlich: das Ganze „uns ist alles scheiß egal“-Getue hat die Band eigentlich gar nicht nötig. Diese übertriebene Art der Selbstdarstellung, auch wirklich als Individualisten wahrgenommen zu werden, wirkt in ihrem Debütalbum teilweise sogar überheblich und damit fast ein bisschen lächerlich und unsympathisch. Anstatt authentisch zu sein, geht die Authentizität damit beinahe verloren.
Dabei hat das Album ganz schön viel zu bieten und grenzt sich bereits durch das musikalische Genrehopping von vielen Mitstreitern ab. Für Songs wie „.SALT.“ oder „.beenherebefore.“ bedient sich die Kombo gerne an Elementen des Metal oder kombinieren eingängige Popmelodien wie in „.getawayfotheweekend.“ mit stark verzerrten Gitarren und Elementen des Southern Rock („.burymewhole.“).
Neben eher langsamen Beats, die sich systematisch durch das Album ziehen, überzeugt Sänger Jack Underkofler außerdem immer wieder mit seiner unglaublichen Stimme, wenn er, wie in der Ballade „.haunted.“, von einer Oktave in die nächste springt.
Darüber hinaus glänzt „The Exclamation Album“ gleich mit mehreren Highlights. Denn nicht nur der etwas ältere Song „.CoDA.“, der für das Album noch einmal grundüberholt und frisch aufgenommen wurde, darf hier sein volles Potential entfalten. Auch „.AmericanBlood.“ darf auf -!- ein Comeback feiern.
Während wir der Band entlang des Albums einer Geschichte über Liebe, gebrochene Herzen und gescheiterte Beziehungen folgen, sticht gegen Mitte des Albums plötzlich „I Never Loved Myself Like I Loved You“ ins Auge. Nicht nur, weil dies der einzige Titel ist, der ausnahmsweise der üblichen Grammatik folgt, sondern auch, weil der Songs mit seinen Indie-Vibes weniger aneckt und dadurch etwas aus der Reihe fällt.
Aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regal und wie wir mitlerweise verstanden haben, ist der Band sowieso alles egal. Ordentlich abgeliefert haben sie aber trotzdem. The Exclamation Album zeigt erfolgreich was man aus mordernen Rock so alles rausholen kann, wenn man sich rebellisch gegen Konventionen auflehnt.
Foto: Dead Poet Society / Offizielles Pressebild von Spinefarm Records
Fazit
Dead Poet Society liefern mit ihrem „Exclamation Album“ ein Debüt, das mit allen Mitteln versucht sich abzugrenzen. Dabei schießt es an der ein oder anderen Stelle etwas über das Ziel hinaus, aber überzeugt letztendlich mit einer unkonventionellen Mischung aus Metal und Rock in Kombination mit emotionsgeladenen Texten und eingängigen Popmelodien. Ein gelungener Erstling, der seinen Platz in der alternativen Musikwelt definitiv verdient hat.

-!-
Album
VÖ
cd · vinyl
▶Tracklist 16 Songs
- 1-!-
- 2.futureofwar.
- 3.burymewhole.
- 4.getawayfortheweekend.
- 5.AmericanBlood.
- 6.intodeep.
- 7.georgia.
- 8-JU-
- 9I never loved myself like I loved you
- 10.SALT.
- 11.CoDA.
- 12.loveyoulikethat.
- 13-gopi-
- 14.lovemelikeyoudo.
- 15.beenherebefore.
- 16.haunted.
