
Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
“Fission” – Spaltung. Tagein, tagaus müssen wir uns damit beschäftigen, was zusammengehört und was man besser voneinander trennen sollte. Oft bekommen wir aber auch einfach nicht die Wahl und müssen uns schlichtweg damit abfinden, von Dingen oder Personen losgelöst zu werden. Das Ende von Beziehungen, der Bruch mit Abhängigkeiten, der aufgegebene Traum aufgrund von neuen Pflichten als erwachsene Person – all diese Themen werden von Dead Poet Society auf ihrem zweiten Album vereint. Die aus Boston stammende Band gehört aktuell zu den am heißesten gehandelten Acts des modernen Alternative Rocks.
Der starke Einstieg mit “5:29:45” und “Running in Circles” macht auch gleich klar, warum. So fackeln Dead Poet Society in beiden Songs nicht lange und stellen direkt ihre Stärken in den Vordergrund. Allen voran ihre wuchtigen und groovigen Riffs sind bereits berühmt-berüchtigt und werden durch die starke Produktion noch mit dem ausreichenden Nachdruck versehen. Der Härtegrad erinnert hier definitiv an das aktuelle Material von Bands wie Boston Manor oder Trash Boat, die darauf immer noch eingängige und gut zugängliche Songs aufbauen. Diese Gratwanderung bestreiten Dead Poet Society mit Bravour und liefern auch mit “HURT”, “Uto” und “81 Tonnes” gelungene Tracks nach dieser Formel ab.
Dead Poet Society machen ordentlich Dampf
Die US-Amerikaner schaffen es zudem, dabei noch den kleinen Schritt mehr zu gehen und reichern ihre Songs mit interessanten Harmonien und markanten Percussionpatterns an. Über all dem thront Sänger Jack Underkofler, der vor allem in den hohen Registern sein volles Potenzial entfaltet, aber auch vor expressiveren Gesangseinlagen oder hip-hop-ähnlichen Flows nicht halt macht. Dead Poet Society schaffen es generell, über den stolzen Umfang von 13 Songs immer wieder zu überraschen und dabei auch vermehrt außerhalb ihrer Komfortzone abzuliefern. Leider schwankt die Qualität dabei so stark, dass man am Ende des Tages unter anderem aus diesem Grund mit einer kürzeren Tracklist wahrscheinlich besser dran gewesen wäre.
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Eine Ausnahme bildet dabei definitiv das mit einem starken Depeche Mode-Vibe daherkommende “I hope you hate me.” Das treibende Stück fügt sich wunderbar ins Gesamtbild ein, bietet aber durch dunkle Synths und mächtige Drumsamples einen erfrischenden Moment und rundet den Song zu einem der Highlights der Platte ab. Nicht behaupten kann man das vom unangenehm aufdringlichen “My Condition”, das durch den starken Pop-Punk-Vibe mit der Stimmung der restlichen Platte bricht. Ähnliches gilt für das poppige und ins Nichts führende “Tipping Point”, das so klingt, als hätte man es nach einem Radiohit-Baukasten geschrieben. Ebenso vergesslich äußert sich “LA Queen”, das als relativ standardmäßiger Rocksong daherkommt, der jegliche Kante und die markante Gitarrenarbeit der Band vermissen lässt.
Große Probleme in der zweiten Hälfte
Auch lyrisch driften Dead Poet Society hier und da ein wenig zu sehr ins Cringige ab. “Hard To Be God” und “KOET” lassen einen im Nachhinein etwas ratlos zurück und kommen zudem über die eigenartigen Hooks ins Straucheln. So sehr man der Band ihren Mut zur klanglichen Weiterentwicklung anrechnen möchte – sie verzetteln sich an vielen Stellen und verlieren hier und da den eigentlichen Song aus dem Auge. Dies äußert sich auch nochmals in der langen Spielzeit von 45 Minuten. Selbst die stärkeren Cuts der Platte wie der Überhit “Running in Circles” oder der bluesige Closer “Black And Gold” hätten sicherlich davon profitiert, schneller auf den Punkt gebracht zu werden.
Foto: Chandler Moyer / Offizielles Pressebild
Fazit
Dead Poet Society schaffen es ohne Zweifel, ihren Status als wichtige Akteure des modernen Alternative Rocks mit ihrer zweiten Platte “Fission” zu verfestigen. Besonders Fans von Bands wie Royal Blood, Highly Suspect oder Nothing But Thieves sollten sich die Bostoner dringend auf den Schirm rufen. Über die volle Spielzeit ihres eindeutig zu lang geratenen Albums verliert sich das Quartett jedoch immer wieder in Versuchen, sich klanglich weiterzuentwickeln. Die druckvolle Produktion und die Ausnahmetracks machen ihren zweiten Langspieler trotz allem aber immer noch hörenswert.

▶Tracklist 13 Songs
- 15:29:45
- 2Running In Circles
- 3HURT
- 4How Could I Love You?
- 5I hope you hate me.
- 6UTO
- 7Tipping Point
- 8 LA Queen
- 9Hard To Be God
- 1081 Tonnes
- 11My Condition
- 12KOET
- 13Black and Gold
