Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Amy Taylor schafft eine Gratwanderung, die wirklich einmalig scheint. Die australische Sängerin kreiert durch ihr Auftreten einen Charakter, der aber immer noch zu 100 Prozent authentisch sie selbst repräsentiert. Angesiedelt zwischen schonungsloser Ehrlichkeit, Kratzbürstigkeit, Lebensfreude und Feminismus entsteht eine Person, die möglicherweise in uns allen drin steckt. Mit ihrem dritten Album “Cartoon Darkness” wollen Amyl and The Sniffers dazu motivieren, dieser Seite von uns nicht die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Denn bei der aktuellen Weltlage lohnt es sich einfach nicht, pausenlos alle Regeln zu akzeptieren, Missstände hinzunehmen oder die eigene Entfaltung der modernen Hustle-Culture zu unterstellen.
“I’m choosing to be young and I’m choosing to be dumb and I’m choosing bad decisions because life is too short to be right all the time.” Der Chorus von “Chewing Gum” bringt viele Grundgedanken von “Cartoon Darkness” schon sehr treffend auf den Punkt. Die Überspitztheit solcher Aussagen paart sich hervorragend mit Taylor’s expressiver Vocal Performance, die sie im Laufe der Platte in verschiedenste Extreme führt. Diese reichen von furios-wütend (“It’s Mine”) über sassy (“Tiny Bikini”) bis hin zu unerwartet gefühlvoll (“Bailing On Me”). Aber nicht nur auf stimmlicher Ebene bekommen wir die bisher vielseitigste Amyl and The Sniffers-Platte serviert. So reichen die Australier:innen ihren Punksound mit Elementen aus Hardcore, Indie und Hard Rock an.
Amyl and The Sniffers reisen durch die Jahrzehnte
Letztgenannter Einfluss zeigt sich auf “Cartoon Darkness” besonders, da so manche Riffs stark an frühe Rocklegenden wie Black Sabbath, Motörhead oder Led Zeppelin erinnern. Auch die Produktion hat einen stärkeren Vintagetouch und lässt das Album weitaus dreckiger und unaufgeräumter als den Vorgänger “Comfort To Me” (2021) klingen. Aufgenommen wurde das Ganze im Übrigen im Studio 606 der Foo Fighters, wo auch historische Platten wie “Rumours” (Fleetwood Mac) oder “Nevermind” (Nirvana) das Licht der Welt erblickt haben. Im Großen und Ganzen schmeichelt das Soundbild der Band sehr, allerdings fügen sich die Vocals im Mix nicht immer passgenau ein (“Bailing On Me”). Vocoder-Effekte wie in “Me And The Girls” wirken sogar wie Fremdkörper.
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Abgesehen von diesen kleinen Produktionsschwächen und gelegentlichen Längen gelingt Amyl and The Sniffers allerdings eine rundum starke Platte. “Cartoon Darkness” teilt sich grob in zwei Hälften: So geht die Band zunächst ein wenig mehr auf Nummer sicher und bietet ihren gewohnten Punksound, während das Album hinten raus mit vielen tanzbaren und leichtfüßigen Tracks aufwartet. Als größtes Highlight entpuppt sich das um eine knurrige Bassline gewickelte “U Should Not Be Doing That”, das mit Hip-Hop-artigen Vocalflows und einem überraschenden Saxophonsolo daherkommt. Wo wir gerade bei Soli sind: Auch die zahlreichen Gitarrensoli treffen ausnahmslos ins Schwarze und spielen der hard-rockigen Ausrichtung des Langspielers voll und ganz in die Karten.
Foto: John Angus Stewart / Offizielles Pressebild
Fazit
Amyl and The Sniffers liefern keine Perfektion ab und müssen es auch gar nicht. Denn wir brauchen diese Band so oder so. Die Australier:innen erinnern uns daran, dass wir uns nicht von der Welt geschlagen geben müssen. In Zeiten wie diesen ist es vielleicht wichtiger denn je, jeden zweiten Salat durch eine Pommes auszutauschen, für einen Kneipenabend mit seinen Liebsten verkatert zur Arbeit zu erscheinen oder das Sparbuch mal wieder für Konzertkarten zu plündern. “Cartoon Darkness” ist ein scharfzüngiger Reminder daran, unsere innere Amy Taylor rauszulassen - und klingt dabei auch noch verdammt gut.

▶Tracklist 13 Songs
- 1Jerkin'
- 2Chewing Gum
- 3Tiny Bikini
- 4Big Dreams
- 5It’s Mine
- 6Motorbike Song
- 7Doing In Me Head
- 8Pigs
- 9Bailing On Me
- 10U Should Not Be Doing That
- 11Do It Do It
- 12Going Somewhere
- 13Me And The Girls
