
Juliane Staretzek
Im ersten Moment hat das Debüt-Album von As Everything Unfolds einen kurzen Paramore-Erinnerungsmoment. Dieser geht jedoch schnell verloren, wenn Charlie Rolfe, Frontfrau der britischen Newcomer ihre Scream-Skills auspackt. Neben dem Opener und Ohrwurm „On The Inside“ bietet „Within Each Lies The Other“ mehr als die poppige Auf und Ab-Refrainmelodielinie.
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As Everything Unfolds punkten mit Vielschichtigkeit
„Hiding From Myself“ als erste Auskopplung von „Within Each Lies The Other“ wirkt ebenfalls sehr komplex und ausgearbeitet. An dem Debüt kann man kritisieren, dass einige Lieder wirken, als ob sie deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen haben als andere. As Everything Unfolds arbeiten viel mit Brüchen im Sound, aber gerade das braucht die richtige Mischung oder ein gutes Arrangement, um nicht beliebig durchgeschüttelt zu wirken.
Der Sound der Post-Hardcore-Band wird von der Stimme geprägt. Damit einher geht jedoch die Aufmachung der einzelnen Songs. Sei es die Dynamik, welche durch das Album sehr abwechslungsreich gestaltet ist. „Take Me There“ bietet beispielsweise düstere Momente und spielt mit mehreren Stimmspuren und Effekten auf den Instrumenten, die diese dunkle Seite betonen.
As Everything Unfolds könnten es sich leicht machen und mit poppigen Refrains und der Power von Frontfrau Charlie punkten, allerdings nutzen Sie die Möglichkeit, unterschiedliche Facetten zu zeigen. Während „Wallow“ monotonere Melodiewiederholungen in Rammstein-Schlagzahl als Basis hat, hört man, dass in „Stranger In The Mirror“ alles um das Schlagzeug herum aufgebaut wird.
Ein paar Längen hat das Debüt, wenn etwas zu tief in die Effektkiste gegriffen wird, was man jedoch auch als Ausprobieren auslegen kann. Schließlich ist ein eindeutiger Sound erkennbar, der definitiv das 2008er Paramore-Herz aufwärmt, jedoch als alleinige Beschreibung zu einfach wäre. Gerade in „I`m Not The Only One“ wird die volle Palette des Sounds abgefahren. Damit ist das Lied deutlich chaotischer als die anderen und etwas verwirrend.
Die Texte spielen mit den fast schon szenetypischen Motiven. Und stechen damit nicht in erster Linie heraus: „There is always a wrong and a right, as i stand in the shadows i can not see the lights… Take my hand, take me from this hell.“ „Grayscale“ ist eine schöne Balade, mit einer Wendung, die definitive Aufmerksamkeit verdient hat.
Im Gegenteil zu dem folgenden Song „Stay“, der sehr beliebig und austauschbar daherkommt und durch die vielen hohen Töne und die Kopfstimme nicht unbedingt aus dem Kontext von Within Each Lies The Other hervorsticht.
Foto: As Everything Unfolds / Offizielles Pressebild von Long Branch Records
Fazit
Das Album überrascht, ist vielfältig, klingt besonders und ist trotzdem passagenweise eingängig. Was will man eigentlich mehr? Die Stärke, die Charlie Rolfe in ihrer Stimme hat, wünscht man sich manchmal im Aufbau der Lieder, welche gerade beim gesamten Hören durch die ständigen Brüche abgehackt wirken können.

▶Tracklist 11 Songs
- 1On The Inside
- 2Take Me There
- 3Wallow
- 4Stranger In The Mirror
- 5I’m Not The Only One
- 6Grayscale
- 7Stay
- 8Let Me Go
- 9Hiding From Myself
- 10One Last Time
- 11Wither

